Hasselblad-Preis 2014: Miyako Ishiuchi

Der Hasselblad-Preis 2014 ging an die Japanerin Miyako Ishiuchi. Ihre Fotografie bewegt sich zwischen sozialer Dokumentation und ihrem subjektiven, poetischen Blick darauf.

© Ishiuchi Miyako 1・9・4・7#16

In Miyako Ishiuchis Arbeiten spiegeln sich das Japan nach dem Zweiten Weltkrieg und das Lebensgefühl dieser Generation in einem besonders starken persönlichen Ausdruck, so begründete die Jury die Preisvergabe.

Miyako Ishiuchi, Jahrgang 1947, wuchs in Yokosuka auf, eine der Haupt-Militärbasen der Amerikaner im Nachkriegsjapan. Ihre frühen Arbeiten (1976 bis in die Achtzigerjahre) unter dem Titel Yokosuka Story handeln auch von der amerikanischen Präsenz in ihrem Heimatort, die sie in poetischen Bildern aus der Stadt und ihrer Umgebung ausdrückte. Diese Bilder – und auch die weiteren Serien Apartment und Endless Night reflektieren eher die Erinnerungen der Fotografin an diese Szenen, als dass sie sie in einem dokumentarischen Sinn bewahren.

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Eine zweite wichtige Phase in ihrem Schaffen waren die Serien 1•9•4•7 (1988–89), 1906 to the Skin (1991–1993), Scars (1991–2003) und Innocence (1994–2007). Miyako Ishiuchi erfand dabei ihren künstlerischen Stil neu: Aus den früheren körnigen Schwarzweißbildern wurden minimalistische, klare Bilder. Mit ihrer Serie Mother’s vertrat sie 2005 Japan bei der Biennale in Venedig. Darin porträtiert sie ihre Mutter in Kleindung und anderen Gegenständen, die sie getragen hatte. Daraus entstand über das Persönliche hinaus ein Blick auf die Rolle von Frauen in der japanischen Gesellschaft.

Diesen Arbeiten folgte eine lange Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Folgen der Atombombenkatastrophe von Hiroshima und Nagasaki. Auch hier fotografierte Miyako Ishiuchi Gegenstände, die von den Geschehnissen übrig blieben und die Erinnerung daran in sich tragen. In ihren Arbeiten unternimmt sie einen Prozess des Erinnerns.

Oberflächen spielen in Miyako Ishiuchis Werk eine sehr wichtige Rolle. Ob es Kleider sind oder die menschliche Haut, ob sich verdeckt sind oder offen zu sehen – die Oberfläche liegt genau zwischen zwei Sphären: zwischen Drinnen und Draußen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Privatem und Öffentlichem. Oberflächen tragen oft Zeichen vergangener Ereignisse und zeugen deshalb von vergangener Zeit. Aus diesem Grund übrigens legt Miyako Ishiuchi auch großen Wert auf die Qualität der Oberfläche beim fotografischen Papierabzug.

Seit 35 Jahren ist Miyako Ishiuchi in Japan eine anerkannte Fotografin – auch als Frau in einer sonst männerdominierten Szene. Zwar hatte sie auch international bereits viele Ausstellungen, aber der Hasselblad-Preis wird sie nun erst richtig berühmt machen in der Welt.

Miyako Ishiuchi bei Wikipedia
Hasselblad-Stiftung

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