Wols: Avantgarde der Dreißigerjahre

Wols – bekannt als Maler und Grafiker, Wegbereiter des Informel – ist auch als Fotograf zu entdecken. In den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts gehörte er damit zur Avantgarde.

Wols: Max Ernst Herbst 1932 – Oktober / Januar 1935 – 1936 © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Das bisher weitgehend unbekannte fotografische Werk des Wolfgang Schule – genannt Wols – wird im Berliner Gropius-Bau jetzt erstmals gezeigt.

Wols wächst in Dresden auf, wo er durch ein Foto-Praktikum schon früh professionell mit der Fotografie in Kontakt kommt, teilt der Gropius-Bau zur Ausstellung mit. 1932 bricht der junge Wols künstlerisch ambitioniert nach Paris auf. Schnell kommt er in die Kreise der Surrealisten und lernt weitere Persönlichkeiten der Theater-, Literatur- und Kunstszene kennen. Wols arbeitet in dieser Zeit überwiegend als Fotograf. 1937 werden seine Arbeiten in der renommierten Pariser Galérie de la Pléiade zum ersten Mal ausgestellt und bescheren ihm eine gute Reputation als Fotograf.

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Daneben entstehen Schwarzweiß-Serien von Persönlichkeiten wie etwa dem surrealistischen Maler Max Ernst. Im Laufe der Jahre wird Wols’ Bildsprache radikaler. Die gegenständlichen Motive gewinnen eine abstraktere Dimension und fordern zu einer neuen Wahrnehmung der dargestellten Objekte auf. Nicht zuletzt bestätigt eine Gruppe von Fotogrammen sein Interesse an einer Ablösung von gegenständlichen Motiven hin zur Gegenstandslosigkeit in der Fotografie. Das wird ihn später mit Blick auf seine Malerei zum Wegbereiter der informellen Kunst machen.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verbringt Wols über ein Jahr in verschiedenen südfranzösischen Internierungslagern. In dieser Zeit entstehen vermehrt Aquarelle, die zum großen Teil auf der Flucht vor dem Naziregime verloren gehen. Er lebt in ärmlichen Umständen und kämpft zunehmend mit einer Alkoholabhängigkeit und gesundheitlichen Problemen. 1951 stirbt er in Paris mit nur 38 Jahren einer Lebensmittelvergiftung.

Nach seinem Tod ist Wols, Jahrgang 1913, auf den ersten drei Documenta-Ausstellungen (1955, 1959, 1964) und 1958 auf der Biennale in Venedig vertreten. Am 27. Mai 2014 wäre er einhundertundein Jahre alt geworden. Die Berline Schau führt durch sein fotografisches Werk, darunter Mehrfachportraits von namhaften Künstlern, Schauspielern und Schriftstellern, Aufnahmen des „Pavillon de l´Élégance“ bei der Pariser Weltausstellung 1937,, zahlreiche Stillleben und viele bislang unbekannte Motive.

Wols – Der gerettete Blick
Bis 22. Juni
Martin-Gropius-Bau Berlin, Niederkirchnerstraße 7, D-10963 Berlin
+49 30 254 86-0, post@gropiusbau.de
Geöffnet Mittwoch bis Montag 10 bis 19 Uhr

Wols bei Wikipedia
Martin-Gropius-Bau Berlin

1 Antwort
  1. Jule sagte:

    Wow sehr interessanter Artikel, da habe ich gleich mal noch weiter gestöbert durch deine Inspiration. Danke für diesen Tip!

    Bin heute erst auf deinen Blog gestoßen und freue mich gerade wahnsinnig darüber, toll hier, super intressant, gleich mal meinem RSS Reader gefüttert! :)
    LG
    Jule

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