Erich-Salomon-Preis 2014: Gerd Ludwig

Der in Los Angeles lebende Fotojournalist Gerd Ludwig erhält 2014 den Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh).

Magnitogorsk, Russland 1993 © Gerd Ludwig/INSTITUTEGerd Ludwigs Arbeit dreht sich vor allem um Umweltthemen und die Veränderungen in den Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Seine Bilder aus der Region von Tschernobyl wurden weltweit bekannt.

Mit Gerd Ludwig werde einer der weltweit anerkanntesten Fotojournalisten geehrt, der in diesem Metier zu den wenigen Deutschen mit Weltgeltung zählt, so teilt die DGPh mit.

Seine engagierte Berichterstattung über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gelte als Meilenstein in der Geschichte des modernen Fotojournalismus: In der klassischen Tradition welterzählender Photographie steht immer das Schicksal des Menschen im Vordergrund. Er wolle mit seinen Fotos gleichermaßen die Seele berühren und den Horizont erweitern.

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Im Auftrag von National Geographic fotographierte Gerd Ludwig 1993 erstmals Umweltschäden in der ehemaligen UdSSR, dabei auch in Tschernobyl. Das Ergebnis präsentierte das Magazin auf fast 50 Seiten. 2005 kehrte er für mehrere Wochen in die Sperrzone und die vom radioaktiven Niederschlag betroffenen Gebiete in der Ukraine und Weißrussland zurück. Als erster westlicher Dokumentarfotograf erhielt er die Erlaubnis, tiefer in den verstrahlten Reaktor vorzudringen. Im Frühjahr 2011 und zuletzt im September 2013 fotografierte Gerd Ludwig erneut im Reaktor und dessen Umgebung. Als Ergebnis dieser vielen Reisen in die Ukraine und Weißrussland erschien jetzt im Mai sein dreisprachiger Bildband Der Lange Schatten von Tschernobyl (Affiliate-Link)(mit einem Essay von Michail Gorbatschow) in der Edition Lammerhuber in Baden, Österreich.

Gerd Ludwig, Jahrgang 1947, studierte an der Folkwangschule Essen bei Otto Steinert. 1974 gründete Ludwig zusammen mit André Gelpke und Rudi Meisel Visum, die erste deutsche Fotografenagentur, die nach dem Vorbild von Magnum den individuellen Stil betont.

Neue Wege beschritt Ludwig auch in der Finanzierung seiner Projekte. Nachdem es ihm nicht gelang, die Medien für eine Berichterstattung über den 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe zu interessieren, nutzte er im Dezember 2010 „Crowdfunding“ für die Finanzierung eines freien Projektes. Dies ermöglichte ihm die Veröffentlichung eines digitalen Fotobuchs als interaktives, multimediales iPadApp unter dem Titel The Long Shadow of Chernobyl. Auch sein aktuelles Buch wurde über eine Crowdfunding-Kampagne verwirklicht.

Der seit 1971 alljährlich für „vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik“ vergebene Preis erinnert an Dr. Erich Salomon, den großen Photographen der Weimarer Republik, dem der moderne Bildjournalismus starke Anregungen verdankt. Gerd Ludwig erhält ihn am 20. September im Rahmen der Kölner Photokina.

Gerd Ludwig
Deutsche Gesellschaft für Photographie

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