Leserfoto – Statue of Liberty: Stark reduziert

Sich bei bekannten Motiven auf Details zu konzentrieren, bietet neue Perspektiven. Dennoch sollte man bei der Nachbearbeitung auf eben jene auch achten.

(c) Borg Enders

Hier eine Detailaufnahme eines Amerikanischen Wahrzeichens. Erkennt ihr es oder war die Reduktionauf dieses eine Element zu viel?

Ich finde Details sagen oft mehr über ein Gebäude oder Denkmal aus als das Gesamtbild. Das Gesamtbild nimmt auch in der Regel jeder ähnlich war, wo ein Detail vielleicht nur von einer kleinen Anzahl von Fotografen gesehen wird.

Die Freiheitsstatue ist eines dieser Sujets, die man schon so oft gesehen hat, daß man sie nicht mehr sehen kann; eine einfache Suche auf Google genügt, um dieses zu illustrieren. Sie ist ein Muß auf der Liste eines jeden Touristen in New York City. Meistens wird sie vom Wasser aus in voller Länge dargestellt, oder von Liberty Island aus so, daß der Kopf oder die Fackel in Nahaufnahme zu sehen sind. Sehr selten sieht man Bilder, die sich auf andere Details konzentrieren. Du hast Dich hier auf die Tafel beschränkt, die die Statue in der Hand hält. Diese zeigt das Datum „July IV MDCCLXXVI“, also den Tag der amerikanischen Unabhängigkeit, den vierten Juli 1776.

Wenn man das Foto kompositionell analysiert, stellt man fest, daß sich die Hand und die sich in ihr befindliche Tafel fast perfekt im Goldenen Punkt befinden:

Goldener Punkt

Du hast das Motiv so reduziert, daß es schon fast abstrakt wirkt. Die Schweißlinien laufen strahlenförmig durchs Bild und aufeinander zu (gelb). Diese Geometrie wird durch das runde der Hand etwas aufgelöst. Der einfarbige, dunklere Himmel bildet ein optisches Spiegelbild zum hellen Metall der Statue.

Bestimmende Linien

Ich persönlich finde es nicht zu stark reduziert, im Gegenteil – es ist einmal etwas anderes. Allerdings hat das Foto ein Problem, das jedoch leicht zu lösen ist. Durch den Aufnahmezeitpunkt und den Winkel, den Du gewählt hast, befinden sich links zwei Schatten, die ich als störend empfinde (gelbe Pfeile).

Problemzonen

Du spielst hier mit Abstraktion und Linien, wozu die beiden schwarzen Flecken ganz und garnicht passen. Ich hätte sie später entweder wegretouchiert oder das Bild beschnitten:

Möglicher Beschnitt

Wie magisch rückt so auch die Tafel mehr in den Goldenen Punkt:

Vergleichsfoto

Die andere Frage ist, ob man das Bild so, wie es ist, lassen sollte, oder ob man noch einen Schritt weitergeht und es in Schwarzweiß umwandelt. Die Antwort fällt für jeden verschieden aus, liegt aber natürlich letztlich beim Fotografen. Sie hängt auch davon ab, was mit dem Foto letztlich geschehen soll. Wenn sie nur ein Urlaubsschnappschuß bleiben soll, kann man die Aufnahme so lassen. In einem Artikel über New York hätte sie ebenfalls in Farbe ihren Platz. Sie ist jedoch nicht notwendigerweise etwas, was andere sich an die Wand hängen würden.

Ich habe eine Präferenz für Schwarzweiß und habe sie probehalber entsprechend bearbeitet (Nik Silver Efex Pro in Photoshop mit der Einstellung „Full Spectrum“):

Bearbeitungsvorschlag

Durch diesen letzten Schritt verwandelt sich Dein Schnappschuß in einen Kunstdruck, den ich persönlich gerne an der Wand hätte. In dieser Form ein meines Erachtens rundherum gelungenes Foto.

6 Kommentare
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Das kommt mit der Zeit. Außerdem ist das wie mit dem Wald und dem Bäumen – wenn man zu lange darauf starrt, übersieht man die Dinge eher. Es empfiehlt sich deswegen, Bilder auch mal wegzulegen, um sich dieser Kleinigkeiten dann später eher bewußt zu werden. :)

  1. icke sagte:

    Liebe Sofie,

    mir gefällt zunächst einmal das Grundbild, dann aber besonders Deine S/W Umsetzung. Ich frage mich bei sowas immer wieder: wie ist die/derjenige gerade bei diesem Bild auf die Idee gekommen, es in S/W zu wandeln. Klar, es gibt hier Farb- und Hell/Dunkel-Kontraste, die einem das suggerieren könnten. Aber Dein S/W Bild erschien mir absolut noch nicht vor Augen, als ich das Original sah. Hast Du einen allgemeinen Tipp, oder gibt’s hierzu schon Artikel im Bestand?

    Gruß, und Glückwunsch an den Fotografen zu einer besonders interessanten Form, die Freiheitsstatue zu porträtieren. Im Gegensatz zu Brigitte finde ich rein gar nicht, dass jedes Foto plakativ darstellen muss, um was es geht. Ein bisschen Grips und Fantasie darf schon erwartet werden, es handelt sich ja ggf. um Kunst…….

    Icke

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Hallo Icke,

      Es gibt im Internet ‚zig Artikel zu dem Thema, unter anderem auch hier bei fokussiert (such nach „Brotzler“ und „schwarzweiß“ mittels unserer eingebauten Suchfunktion, da wirst Du alleine mal einiges finden).

      Abgesehen mal davon, läßt sich allgemein zu dem Thema folgendes sagen:

      Ich habe eine Affinität für Kunstfotografie, und die ist in der Regel Schwarzweiß. Wenn man also mit einem entsprechend geschulten Auge an Fotos herangeht, kommt es einem eher in den Sinn, eine Schwarzweißumwandlung vorzunehmen. Es gilt also zunächst einmal, einen Blick dafür zu entwickeln – etwa, indem Du Dir entsprechende Werke anderer anschaust (die sogenannten fotografischen Pioniere, aber auch Lenswork sind zu empfehlen).

      Weiterhin eignen sich Fotos für eine Umwandlung in Schwarzweiß, in denen ein guter Kontrast angelegt ist, denn Farben mit ähnlicher Tonalität werden als ein ähnliches Grau dargestellt. Schwarzweiß zwingt den Betrachter, sich auf eben jene Kontraste zu konzentrieren, auf Formen etc., weil Farbe nicht mehr ablenkt. Das bedeutet aber auch, daß Motive, wo die Farbe wichtig ist (man denke hier an Essensfotografie), sich weniger gut in monochrom machen. Manchmal versuche ich es einfach, und wenn es sich nicht gut macht, bleibt das Bild eben farbig. :)

      Zu guterletzt ist auch das Verfahren wichtig, mittels dessen digital gearbeitet wird. Effekte, wie man sie früher mit entsprechendem analogen Filmmaterial und etwa einer guten Leica erzeugen konnte, sind digital erstaunlich schwierig hinzubekommen. Ich habe jahrelang herumgefeilt, bis ich auf Nik Silver Efex Pro stieß. Ein Plugin die Arbeit übernehmen zu lassen, ist zwar irgendwo eine Krücke (und sie haben mich vor ein paar Monaten, als ein Google-Update komplett gebombt hat, absolut zur Weißglut gebracht), aber die Ergebnisse sind mit nichts zu vergleichen, was ich davor in mühsamer Kleinarbeit zustande gebracht habe. Erst machen sie einen süchtig, und dann…. :)

      Hoffe das hilft!

      LG,

      Sofie

  2. Ronny sagte:

    Du hast recht: Ich finde auch, dass Details oftmals vielmehr hergeben und ein spannenderes Motiv bieten, als das große Ganze. Mit dem Blick fürs Kleine (Makroobjektiv) bin ich auch gern in der Natur unterwegs.

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  3. Brigitte Giani sagte:

    Ich finde das Foto mit dem Detail der Freiheitsstatue der USA zu stark reduziert. Ich hätte die Freiheitsstatue nicht erkannt.

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