Was tun gegen Fotoklau – II/II: Abschreckung und Warnrufe

Die zweite Hälfte unserer zweiteiligen Serie gegen Bilderklau (hier zu Teil1) – Ist das Kopieren der Werke anderer die „aufrichtigste Art der Schmeichelei“?

 

Sauerteigbrot

(c) Sofie Dittmann 2012

4. Wasserzeichen

Bleibt der Gedanke, ein Wasserzeichen auf dem Bild anzubringen. Das kann mehrere Formen annehmen: ein Muster quer über die Aufnahme, oder ein einzelner Schriftzug in der Mitte oder am Rand. Vorteil: wenn es auch mit modernen Nachbearbeitungsprogrammen wie Photoshop sehr einfach ist, diese wieder zu entfernen, macht man es den Raubkopierern zumindest ETWAS schwerer.

Nachteil: jene kümmern sich oft noch nicht einmal darum; ich habe schon mehrere Fälle gesehen, wo ein Foto auf einer Scraper-Seite mit Wasserzeichen und allem prangte, als habe es der Seiteninhaber selbst angefertigt. Weiterhin können Wasserzeichen legitime Nutzer auch ziemlich nerven, je nachdem, wie sie verwendet werden.

5. Rechts-Klick-Schutz

Seiten wie SmugMug haben Bilder sehr effektiv rechts-klick-geschützt, zumindest war das noch vor kurzem so, als ich dort eine Seite hatte. Nicht einmal im HTML-Code der Seite war ersichtlich, wo sich das Originalfoto befindet (anders als etwa 500px.com – wenn man die Fotos wirklich finden will, findet man sie). Wer also das Geld hat, und sich SmugMug oder einen vergleichbaren Service leisten kann, sollte sich überlegen, ob sich die Investition nicht lohnt. Auch lassen sich Fotos über SmugMug bequem verkaufen.

Wenn man sich einen Dienst wie SmugMug nicht leisten kann, bleiben einem nicht viele Möglichkeiten übrig. Es ist denkbar, seine Fotos niemals in Originalgröße einzustellen. Meine sind normalerweise höchstens 1.000 Pixel an der längeren Seite, und so lassen sie sich für bestimmte Dinge nicht verwenden. Einen Richard Prince wird das jedoch nicht davon abhalten, weiterhin Instagramfotos als seine Machwerke zu verscherbeln.

6. Was übrig bleibt

Sollte man eine Aufnahme bei einem Raubkopierer entdeckt haben, und ist diesem nicht mit den Mitteln der inländischen Justiz beizukommen, gibt es eine Handvoll Gegenmaßnahmen:

  • den Raubkopierer über ihre Seite anschreiben und ihn/sie bitten, mit Hinweis auf das Urheberrecht, die jeweiligen Inhalte zu entfernen; manchmal funktioniert das tatsächlich
  • Google und Adsense informieren, daß urheberrechtswidrige Inhalte auf bestimmten Webseiten gesichtet wurden; viele Scraper-Seiten sind zu Adsense-Zwecken eingerichtet worden, so daß man ihnen damit die Einkommensquelle abschneidet
  • den Webseiten-Host der jeweiligen Seite anschreiben mit dem Hinweis, daß der oder die Betreiber der Seite mit bestimmten Beiträgen gegen das Urheberrecht verstoßen
  • für Blogger empfliehlt es sich, im jeweiligen Blogpost zu anderen des eigenen Blogs zu verlinken; diese Links werden von Scrapern normalerweise nicht entfernt und sorgen dafür, daß zuminest indirekt eine Verbindung zum Urheber aufrechterhalten wird
  • last but not least kann man per feedflare eine Urheberrechtsnotiz im amerikanischen Stil an Blogeinträge anhängen

Sollte nichts davon zum Erfolg führen, und ist man ansonsten gut vernetzt, kann man höchstens noch versuchen, über Dienste wie Twitter oder Facebook Druck zu machen. Das kann jedoch auch nach hinten losgehen, wie eine mir bekannte Foodbloggerin einmal feststellen mußte: die Betreiberin der Facebook-Seite, auf der sie verbatim Rezepte anderer mit dazugehörigen Fotos als ihre ausgab, teilte ihr erst mit, sie solle doch froh sein, wenn jemand ihre Inhalte nutze. Als sich die Bloggerin nicht beirren ließ, stachelte die andere Dame ihre Anhänger (sie hatte fast 2.000 Fans) dazu auf, die Facebook-Seite der Bloggerin zu trollen. Am Ende mußte sie ihr Twitterkonto und Facebook kurzfristig aus dem Netz nehmen.

Was habt Ihr für Erfahrungen mit Fotoklau gemacht? Haltet Ihr es mit der Weisheit, „Nachahmung ist die aufrichtigste Art der Schmeichelei“, oder würdet Ihr Euch die Mühe machen, Raubkopierer auch im Ausland strafrechtlich zu verfolgen?

NACHTRAG: Hier die beste „Antwort“ auf den dreisten Fotoklau von Richard Prince, die ich bisher gesehen habe.

6 Kommentare
  1. Steffen Rumpf sagte:

    Ja ok das mag sein. Macht 500px aber doch auch wenn ich das richtig sehe. Nur nicht ganz so stark (mein Original hat ca. 5k lange Kante und nach dem hochladen im Profil hat es ca. 2k). Und btw. ist mir gerade aufgefallen, dass bei 500px auch ein rechts klick Schutz drauf ist. Was ich noch sagen wollte. Selbst wenn ich die Webseite zu 100% geschützt bekomme, kann ich zur not ja immer noch ein Screenshot machen. Da hilft dann gar nichts mehr ausser nen dickes fettes Wasserzeichen. Was ich aber sehr unschön und verschandelnd finde. Naja irgend einen Tod muss man wohl sterben ;)

    Viele Grüße und gute Nacht.

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Hast Du recht. Genau das hat dieser Typ ja gemacht – Screenshot und ausgedruckt.

  2. Steffen Rumpf sagte:

    Danke dir. Wie befürchtet bietet es davor keinen Schutz. Hätte mich auch gewundert.

    Ein beliebiger Test:
    https://www.smugmug.com/popular/Photography/i-xKJZVJQ

    Das Bild:
    https://secure.smugmug.com/Photography/Photo-a-day/Daily-Photos-2007/August-2007/i-xKJZVJQ/14/XL/184727446-O-XL.jpg

    Wieweit das Ganze gegen Craller hilft sei auch dahin gestellt, da kenne ich mich aber auch nicht aus. Ich denke im Grunde muss einem im Internet immer klar sein, dass es keinen 100%igen Schutz gibt.

    Viele Grüße
    Steffen

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Ich hab festgestellt, daß die Bilder, die so auftauchen, größenmäßig heruntergeschraubt sind. Und ich bin mit Dir einer Meinung – wenn jemand wirklich Bilder klauen will, macht er das. Bleibt nur noch das von mir erwähnte netzmäßige Höhlenmenschendasein.

  3. Steffen Rumpf sagte:

    Hi,

    danke für den lesenswerten Artikel. Ich hab mich schon häufiger gefragt ob ich bei meinen Bildern irgend eine Art von „Schutz“ einbauen sollte. Schlussendlich ist das einzige was ich mache die Exif Daten (und selbst das müsste ich nochmal schauen ;) ).

    Eigentlich will ich aber eine Frage bzw. Ergänzung zu SmugMug bringen und zwar suche ich eine Seite wo ich den ‚Rechts-Klick‘ Schutz testen kann. Ich weiß zwar, dass man relativ einfach den rechts klick unterbinden kann. Allerdings wird das Bild ja immer an den Browser gesendet, so das ich es angezeigt bekomme. Ein direkte Rendering Pixel für Pixel findet da meines Wissens nicht statt. In vielen Fällen kann ich daher über so genannte Developer Tools (mittlerweile glaube ich bei allen großen Browsern Standard) mir anzeigen lassen welche Bilder dargestellt werden und dort kann ich sie wiederum downloaden. Würde mich daher interessieren, ob das bei SmugMug auch geht.

    Viele Grüße
    Steffen

    Antworten

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