«Playing Bass»:
Bühnenaufnahme mit zuviel Raum

Bei manchen Fotos macht der Beschnitt das Bild

(c) Olaf Veit

Nikon D800 – F 3.2 – 1/125 Sek.- 100.0 mm – ISO-4000

 

Die Aufnahme entstand während eines Polo Hofer Konzertes. Ich habe diese in schwarzweiss umgewandelt und wäre froh über eine Beurteilung.

Du hast uns eine Bühnenaufnahme eines Konzerts eingereicht, in der der Bassist einer Band „im Augenblick“ zu sehen ist. Er hat die Augen geschlossen, spielt vielleicht ein Solo – man weiß es nicht. Polo Hofer mußte ich zugegebenermaßen erst einmal nachschlagen; es handelt sich um einen Schweizer Mundart-Rocker, und der abgebildete Musiker ist demnach Teil seiner Band. Persönlich mag ich diese Art von Musik, speziell etwa so Leute wie Hubert von Goisern, und wünschte mir, es gäbe mehr ihrer Sorte anstatt des vorherrschenden pseudo-englischen Musikbreis, den man sonst geboten bekommt.

Aber zurück zu Deinem Bild. Grundsätzlich sollte man Bühnenfotos so fotografieren, wie Du es Deinen EXIF-Daten zufolge getan hast: hoher ISO, Zeitautomatik (ich bevorzuge 1/60s), den Rest der Kamera überlassen. Ich hätte zwar ob des potentiellen Bildrauschens keinen so hohen ISO gewählt – 1600 reicht meistens – aber das sei einmal dahingestellt, weil auch Deine Kamera für diese Art von Extrembedingungen gemacht ist. Schwarzweißumwandlung verleiht Bildrauschen sowieso etwas Nostalgisches, und so fällt es bei den uns vorliegenden Bildmaßen auch nicht so sehr ins Gewicht.

Worauf ich mich konzentrieren möchte, ist hier der Bildaufbau. Der Bassist ist hier der Hauptbildgegenstand, und Du hast ihn fast mittig im Bild angeordnet (blaue Linien),

Beispielsbild, mittige Anordnung

weg sowohl vom Goldenen Schnitt (vertikal gesehen) als auch den entsprechenden Dritteln (rosa bzw. grün).

Goldener Schnitt/Drittelregel

Das läßt das Foto statisch erscheinen, obwohl sich der Mann ja eigentlich bewegt. Es mag Deinem Standort geschuldet sein, aber auch dem Ausschnitt, den Du bei der Aufnahme gewählt hast.

Wenn man das Foto weiter analysiert, fällt auf, daß es hauptsächlich aus negativem Raum (hier orange schattiert) besteht,

Beispielsbild, negativer Raum

und ob der allgemeinen Komposition (es steht etwa jemand links hinter ihm, rechts ist eine Trommel) verliert sich der Blick im Bild, anstatt sich auf den Bassisten, dem ja Dein Augenmerk galt, zu konzentrieren.

Meines Erachtens ein guter Kandidat für einen Bildbeschnitt, um den Hauptbildgegenstand auch zu einem solchen werden zu lassen.

Du könntest etwa quadratisch beschneiden, was ich zwar als Bildformat sehr mag, hier aber irgendwie für mich nicht paßt:

Beschnittsvorschlag 1: quadratisch

Oder Du machst ein Hochkantformat daraus:

Beschnittsvorschlag 2: hochkant

Wenn Du noch mehr daran drehen möchtest – und ich persönlich täte das hier – würde ich zusätzlich eine leichte schwarze Vignette um ihn legen und auch die Elemente rechts unten zum „Verschwinden“ bringen, etwa mit dem Nachbelichter-Werkzeug, das Dir in Photoshop zur Verfügung steht. Jetzt fällt alles Störende fast komplett weg, und der Bassist befindet sich „magisch“ dort, wo ich ihn erwartet hätte, nämlich im Goldenen Schnitt:

Vergleichsfoto beschnitten und korrigiert, Goldener Schnitt

Außerdem bildet jetzt der hinter ihm stehende andere Musiker einen Kontrast zu ihm, es baut sich zusätzlich visuelle Spannung auf, denn er wirkt wie ein Spiegelbild.

Hier dann also das Endergebnis:

Vergleichsfoto: Endergebnis

Worauf es hinausläuft, ist, daß Du einen meines Erachtens guten Ansatz gezeigt hast, Dir aber nicht ganz klar warst, wie Du das Foto hättest aufbauen sollen, und so bist Du den eingeschlagenen Weg nicht zuende gegangen. Grundsätzlich ist es nie erstrebenswert, ein Bild so radikal zu beschneiden, doch wenn man nicht genug an sein Subjekt heran kann, bleibt einem eben nichts anderes übrig – außerdem hat Deine Kamera so viele Megapixel, daß es unterm Strich nicht schmerzt.

7 Antworten
  1. Chilled Cat
    Chilled Cat says:

    Mir gefällt die quadratische Version am Besten. Wie Tilman schon angemerkt hat, ist der Gitarrist in Sophie’s Hochkantversion etwas am Rand eingeklemmt. In der quadratischen Version haben die beiden Musiker einfach mehr Luft auf der linken Seite.

    An Tilmans Version stört mich, dass die Haare des Gitarristen angeschnitten sind.

    Antworten
    • Chilled Cat
      Chilled Cat says:

      Das glaube ich schon, dass du bei der Nachbearbeitung nicht aus Versehen die Haare abgeschnitten hast, sondern damit im Querformat die Balance zwischen Motiv und leerem Raum passt.

  2. Tilman says:

    Hallo,

    Zunächst einmal zu Deinem Bild, Olaf : das finde ich sehr gut und technisch perfekt. Die Belichtung, der Schärfeverlauf (F 3.2, 100mm, Nikon FX Format), der dunkle Hintergrund (hast Du den nachbearbeitet?), einfach klasse! Und auch die Umwandlung in SW gefällt mir.

    Danke für Deine Kritik, Sofie. Auch ich finde, dass das Bild beschnitten werden sollte, das Schlagzeug rechts lenkt eher von dem Hauptmotiv ab. Deine Variante gefällt mir aber nicht. Das Bild wird dadurch so eng, der Gitarrist – auch wenn er keine große Rolle spielt – steht direkt vorm Rand.

    Hier also mein Vorschlag: http://1drv.ms/1KecI7I

    Mit freundlichen Grüßen,
    Tilman

    Antworten
  3. Carsten Schröder says:

    oft bleibt einem bei einer solchen Aktion (in der Schnelle) gar keine andere Möglichkeit den Kokus schnell zu setzten und auszulösen. Bei den heutigen Kameras ist ein Beschnitt gar nicht so schlimm und abwegig, da man die Bilder eh nicht im größten Posterformat präsentieren möchte.
    Aber viele Fotografen nutzen leider die Möglichkeiten der nachträglichen Bearbeitung, sprich Beschnitt und „aufräumen“ eines Bildes leider zu wenig.
    Ein Bild sollte erst dann „fertig“ sein, wenn das Gefühl, das man mit dem Foto vermitteln möchte auch rüberkommt und da gehört die Bildbearbeitung auch mit dazu.

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Ganz meine Meinung. :) Wir bekommen viele Fotos dieser Art, wo die Leute irgendwo auf dem Weg „stehen geblieben“ sind.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *