„Kleinkind und Corbijn“: Dem Hauptbildgegenstand mehr Gewicht verleihen

Schnappschuss mit Kleinkind in einer Ausstellung, der noch ein wenig Nachbearbeitung benötigt.

Kleinkind in Ausstellung

Unser Leser Torsten Groth aus Bochum hat uns das obige Bild unter dem Titel „Corbijn und ein wenig Farbe” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „In einer Ausstellung mit Bildern von Corbijn waren meine Tochter und ich fast allein unterwegs – rote Jacke, schwarz/weißer Hintergrund, und dann „nur“ das Handy (iphone4 mit zerkratzter Linse zur Hand). Aber wenn ich die vielen Kinder-Bilder, die man (also Vater) so macht im Laufe der Zeit, durchgehe, bleibe ich immer wieder an diesem Bild hängen – habe lange überlegt, ob es anders zugeschnitten sein sollte, mich aber entschlossen, es vollkommen unverändert zu belassen. Freue mich über eine Rückmeldung.(Bilddaten: ISO 125, 4mm, f/2.8, 1/120)”

Längere Zeit habe ich überlegt, „Wie reagiere ich auf dieses Bild, wie empfinde ich es?“ Letztendlich bin ich zum Schluss gekommen, dass die Farben des Kindes in dem eher monochromen Raum alleine wirken, und dass ich den nicht vorhandenen Blickkontakt zu einem sichtbaren Bild an der Wand ignorieren kann. Besser wäre es schon gewesen, bei der Aufnahme gleich darauf zu achten, dass das Kind eines der im Foto befindlichen Bilder anschaut. Auch eine andere Perspektive der Aufnahme, von einem Standpunkt weiter rechts, würde sich dann anbieten.

Dafür, dass es sich mehr oder weniger um einen Schnappschuss handelt, wie der Autor schreibt, und man Kinder in dem Alter nicht so ohne weiteres umdirigieren kann, ohne dass eventuell die entspannte Atmosphäre verloren ginge, ist die „Bildwirkung“ auf den Betrachter recht gut. Ich habe schon etwas länger auf das Bild geschaut.

Die zentrale Rolle des Kindes würde ich noch etwas verstärkend hervorheben. Die sehr offene Blende von 2,8, bringt beim iPhone nicht unbedingt einen Freistellungseffekt, denn mit seinem sehr kleinen Bildsensor ist ein Handy nicht gerade das Werkzeug um Motive vom Hintergrund abzuheben; aber wenn man nichts anderes dabei hat, ist es immer noch besser als kein Bild zu machen.

Das Rauschen im Bild laste ich der geringen Auflösung an. Sollte das iPhone generell bei einer solchen geringen Lichtmenge in Räumen so stark rauschen, würde ich ein Entrauschen-Tool (Lightroom oder NIK-(Google)-Define über das Bild laufen lassen.

Nochmals zurück zum eigentlichen Motiv: Ich denke, dass der obere Teil des Bildes eine „leere“ Fläche darstellt, die nicht zur Bildaussage beiträgt. Daher würde ich das Format von oben her etwas beschneiden:

Kleinkind in Ausstellung:Vergleichsfoto beschnitten

Weiterhin würde ich den Blick des Betrachters mehr auf das Kind und die Farben lenken. Eine kleine, aber feine Vignette wirkt hier Wunder. Dazu legt man z.B. in Photoshop eine Ebenenkopie (STRG + j) im Ebenenverrechnungsmodus „multiplizieren“ (=abdunkelnder Modus) an. Dann ein Klick auf das Maskensymbol um die Maske zu aktivieren, auf der dann mit einem sehr großen weichen Pinsel mit schwarzer Farbe das Kind wieder großzügig hervorgeholt wird (siehe unten beim Ebenenstapel).

 Kleinkind in Ausstellung: Vergleichsfoto mit Vignette

Die Ebenendeckkraft senke ich jetzt noch auf ca. 50%, da mir der Effekt zu stark erscheint.

Die Farben und Kontraste würde ich noch gerne etwas intensivieren. Dazu lege ich eine Einstellungsebene Schwarzweiß an und setze diese auf den Ebenenverrechnungsmodus „weiches Licht“ (Kontraststeigernder Modus). Die Ebenendeckkraft setze ich auf ca. 50-60%.

Hier zusammengefasst der Ebenenstapel:

Photoshop: Ebenenstapel

Das Endergebnis sieht dann so aus:

Kleinkind in Ausstellung: Vergleichsfoto, Endergebnis

Meiner Meinung spielt jetzt das Kind als Hauptbildgegenstand eine zentralere Rolle und der Betrachter verweilt eher im Bild, so dass aus dem Titel „Corbijn und ein wenig Farbe”, der Titel „Corbijn und ein wenig mehr Farbe” wird.

5 Kommentare
  1. Torsten Groth sagte:

    Danke für die kleinen Hinweise, hatte das Foto zunächst auch stärker beschnitten, aber dann fand ich, die Stimmung „Allein in der Ausstellung“ kommt besser rüber …
    „Nähe in der Aufnahme“ -stimmt! . Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich denke, ich fand es gut, dass die Bank diagonal ins Bild zu meiner Tochter zeigt …

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    • Carsten Schröder sagte:

      Das mit dem Beschnitt ist natürlich auch eine Geschmacksfrage. Ich gehe bei der Bildbesprechung immer so heran, wie ich meine eigenen Bilder sehen würde. Dass die Bank diagonal ins Bild reinragt ist elementar für die Bildaufteilung.

  2. Chilled Cat
    Chilled Cat sagte:

    Zunächst mal ein Lob an das schöne Bild von Torsten Groth. Der Kontrast zwischen den schwarzweißen Bildern der Ausstellung und seiner Tochter als rotem Farbtupfer ist gut gesehen.

    Ich finde, es ist nicht unbedingt notwendig, den Rand oben zu beschneiden.
    Auch wenn der Teil über den Bildern wenig zum Inhalt beiträgt, so gibt er doch den Bildern Luft nach oben und trägt zur Balance im Bild bei.

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