Analogfotografie: Welcher Film passt zu welcher Gelegenheit?

Kleinbildfimverpackungen (flickr Creative Commons)

Die Frage, welchen Film man für welche Gelegenheit benutzen sollte, stellt sich dem DSLR-Fotografen natürlich nicht. Man hat eben die eine Kamera dabei, drückt verschiedene Knöpfe, „zieht“ das Foto vielleicht hinterher noch durch ein Bearbeitungsprogramm – fertig. Für den analogen Fotografen ist die Wahl des Films dagegen äußerst wichtig, denn dadurch beinflußt man aktiv das Aussehen und die Qualität des späteren Bildes. Das Medium wird von vorneherein zum Gestaltungsmerkmal. Nach welchen Gesichtspunkten sollte man also Kleinbildfilme auswählen?

Filme von DM und Rossmann

Mittlerweile bieten leider nur noch DM und Rossmann Kleinbildfilme an. Rossmann hat allerdings vor Kurzem die Eigenmarke auslaufen lassen und vertreibt nur noch Kodak-Markenfilme. Wirklich günstige Filme gibt es also nur noch bei DM oder abgelaufen im Internet (letzere meistens auch ohne Qualitätseinbußen).

Für wen eignen sich diese Filme? Ich selbst habe über ein Jahr mit Billigfilmen fotografiert, und zwar genau so lange, bis ich alle meine Kameras und Objektive getestet und meinen eigenen Stil gefunden hatte. Damit ist der Anspruch an diese Filme auch schon ausgeschöpft. Sie eignen sich daneben höchstens noch für Party- oder Urlaubsfotografie. Wer hingegen einen hohen qualitativen Anspruch hat und seine Bilder präsentieren oder vergrößern möchte, kommt um Markenfilme nicht herum.

Verschiedene Filme (flickr Creative Commons)

Welche Filme sind am populärsten?

Eine Übersicht über alle gängigen Filme zu geben ist beinahe unmöglich, man könnte damit ganze Bände füllen. Es gibt aber eine Handvoll Filme, die sehr weit verbreitet sind und von vielen Fotografen genutzt werden.

Eine kleine Übersicht:

  • ILFORD HP 5 Plus 400 (ca. 5,50€)
  • Ilford Delta 400 (ca. 6,10€)
  • Fomapan 100, 200 oder 400 (ca. 3,60€)
  • Kodak Tri-X 400 (ca. 5,20€)
  • Kodak Tmax 100 und 400 (ca. 5,00€)
  • Kodak Ektar 100 (ca. 5,65€)
  • Kodak Portra 160 oder 400 (ca. 6,05€)

Gängige Shops

Die meisten Filme und auch eine Menge Zubehör findet Ihr günstig im Internet. Empfehlen kann ich den Spürsinn-Shop und Fotoimpex. Bei Ebay und Amazon solltet Ihr nur im Notfall kaufen, die Preise dort sind meistens Abzocke.

Kein Film für alle Fälle

Bei den professionellen Filmen gibt es nur noch wenig Allroundmaterial. Viele haben spezielle Vor- und Nachteile, z. B. bei der Farbwiedergabe oder einfach beim „Look“. Am ehesten eignet sich noch ein Kodak Tri-X 400 für „Alltagsfotografie“, aber das ist eben auch Geschmackssache. Ausschlaggebend ist neben Euren Vorlieben aber auch die Filmempfindlichkeit (ISO), denn sie bestimmt die Filmsituation und die Körnigkeit.

Für Portraits eignen sich der Kodak Portra 160 und der Kodak Ektar 100, da sie eine geringe ISO vorweisen und damit ein sehr feines Korn haben, perfekt für Portraits mit guter Ausleuchtung. Letzterer erzeugt zudem warme und erdige Farben.

Für Streetfotografie und im Alltag eignet sich wie gesagt der Kodak Tri-X 400, aber auch der Kodak Portra 400 und der Ilford HP5+ sehr gut. Mit ISO 400 erzeugt man genügend kurze Belichtungszeiten, um den Alltag ohne Qualitätsverluste und in fast jeder Situation einzufangen. Der HP5+ hat außerdem einen angenehm weichen Kontrast.

In der Dämmerung und in Innenräumen (Keller, Kneipe, etc.) braucht man hohe ISO-Zahlen, wie z.B. vom Ilford Delta 1600. Dabei muss man allerdings ein gröberes Korn in Kauf nehmen. Ihr könnt aber auch versuchen, einen Delta 400 auf ISO 1600 zu pushen, um ein etwas weicheres Korn zu haben. Vorausgesetzt, Ihr entwickelt Eure Filme selbst.

Hier ein Beispielbild mit dem Kodak Tri-X 400:

Beispielbild mit Kodak Tri-X 400 (flickr Creative Commons)

Welchen Film benutzt Ihr am häufigsten und warum? Teilt Eure Eindrücke und Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

Über den Autor: Marcel beschäftigt sich seit 7 Jahren vorrangig mit analoger Photographie und verleiht seiner Leidenschaft seit 2015 mit dem Blog „Kleinbildphotographie“ Ausdruck.

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6 Kommentare
  1. Christian Fehse sagte:

    Ich bin ja ein Schmuddelkind. Ich benutze viel und ausgiebig für Menschen Kodak Portra 800 (Kleinbild und Mittelformat) und auch sehr gerne den Fuji Superia 1600 bei Nacht (http://www.lomography.de/homes/cfehse/albums/2070659-hamburg-stage-theater-at-night-on-cn-08-2015/20640204). Der 800er macht tolle Farben (http://www.lomography.de/homes/cfehse/films/871931777-kodak-portra-800/photos/20343830?order=popular) bei wenig Korn.
    Wenn es auch etwas „dreckiger“ sein darf auch gerne das Lomo CN 800 Material auch in beiden Formaten. Im niedrigen ISO-Bereich dem Ektar 100 oder eben Porta 160.

    DM hat, wie wir festgestellt haben, auch seine Eigenmarke Paradies eingestellt. Wir verwenden jetzt statt dessen die NewAgfa 200er und 400er (was ziemlich sicher Fuji ist). Allerdings sind die Filme bei DM zu teuer. Ich finde diese „billigen“ Filme gar nicht schlecht – gerade auch wenn man Equipment wie die LC-A oder die LC-Wide benutzt. Die Farben sind Klasse (http://www.lomography.de/homes/cfehse/albums/2057030-around-home/20279216).

    Schwarzweiß verwende ich fast außschließlich den Ilford XP2 und meine gebunkerten Restbestände Kodak BW400CN, weil ich alle Filme bei uns im Minilab C-41 entwickeln lasse und sie sich hervorragend scannen lassen. Ich finde diese Filme sehr gut (Beispiel http://www.lomography.de/homes/cfehse/albums/2066737-portraits-in-bw-06-2015).

    @Philip Thema Fachgeschäft: doch gibt es – auch neben Fotoimpex – zum Beispiel in Hamburg Foto Jan Kopp. Ein Traum…*gg*

    Antworten
  2. Philip sagte:

    Als Testfilme eignen sich eigentlich nur Diafilme – denn Negativfilme sind für präzisere Einschätzung zu belichtungs-tolerant.

    Es werden Rossmann & DM erwähnt und ich frage mich, ob’s in D keine Fachgeschäfte mehr gibt . . . :)

    Die Eignung von Filmen müsste nach klassischer Lesart nach deren Sorten folgen. SW-Farbe, Negativ-Dia. Und auch das Sofortbild wäre ja nicht zu vergessen.

    Früher lautete die erste Frage bei Filmwahl für Farbfilme: will ich Abzüge oder Projektion? Eine Frage, die sich heute aufgrund von hybrid für die meisten erübrigt.
    Ausschlaggebdender dürfte dann schon die jeweilige Charakteristik sein.
    Und hier spielt sowohl das Motiv, aber nicht minder das Licht eine wichtige Rolle.
    Denn hartes Licht mir kontrastreichem Film fotografiert, „zeichnet“ nun mal weitaus härter als diffuses Licht auf kontrastärmeren Film. Hier sind zahlreiche Kombinationen möglich, welche durchaus interessant sein können.

    Bei SW verhält es sich insofern anders, da der Entwicklungsprozess nicht standardisiert ist, sondern von der jeweiligen Film-EntwicklerKombination abhängig ist.
    Da hier der Markt noch viel bereit hält, ist eine einigermasen vollständige Auflistung schier unmögich.
    Aber gerade Anfängern wird oft dazu geraten, „übliche“ Kombinationen zu nutzen. Eben die bekanntesten Filme und dazu im „QuasiStandard“ ID11/D76 entwickelt.
    Doch wirklich interessant wird’s dann, wenn man bewusst kombiniert.

    Nebenbei gibt’s auch noch einige Spezialisten. Wie etwa besonders silberhaltige Filme (Silbermax, Foma100), SW-Dia (Agfa Copex usw), ortho-sensibilisierte Filme (Orthopan, SFX usw), oder Filme mit Lith-Charakter (CMS20 usw).

    Antworten
  3. Ivan sagte:

    Hallo Marcel! Sehr schöne Aufstellung. Ich denke grundsätzlich genau so. Bei Testfilmen und auch, wenn ich mal einfach nur so drauflos fotografieren möchte verwende ich den Kodak Gold 200. Da mag ich die Farben irgendwie ganz gern. Der fehlt bei der Erwähnung von den low budget Filmen. Oder meintest du mit „Kodak-Markenfilme“ diesen Film? Bei uns in Frankfurt jedenfalls gibt es den Kodak Gold 200 in der DM Drogerie recht günstig zu kaufen (3 Stück für 7,95EUR).

    Mir persönlich fehlt auch der Fuji PRO 400H in der Auflistung. Der Kodak Portra ist vielleicht der technisch bessere Film, aber der Fuji liefert mir persönlich bei Portraits schönere Farben und Hauttöne. Mag aber natürlich auch ein sehr subjektiver Eindruck sein.

    Hast du zufällig auch Erfahrung mit dem Cinestill Daylight 50 Film? Da hab ich grad die erste Rolle Film verschossen und bin was die Farben angeht ziemlich enttäuscht (siehe meinen aktuellen Artikel auf blognotiz.de).

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    • Marcel sagte:

      Hey Ivan! Schön, dich so schnell hier zu sehen!

      Genau, mit den „Markenfilmen“ meinte ich den Kodak Gold. Ich konnte mich nur leider nicht mehr an den Namen erinnern. Das sind dann aber eher die teureren „Low budget“-Filme, wenn man den Preis pro Film vergleicht: Kodak ist mit 2,60€ pro Film noch doppelt so teuer wie die Eigenmarke mit 1,20€ bis 1,30€ pro Film (Was trotzdem noch vergleichsweise günstig ist).

      Mit dem Fuji Pro 400H magst Du Recht haben, allerdings wurde der auf den einschlägigen Blogs/Foren nicht so häufig erwähnt wie die anderen und ich persönlich kenne ihn auch nicht. Aber gut zu wissen, dass der für Portraits ebenfalls taugt!

      Mit dem neuen Cinestill Daylight habe ich keine Erfahrungen, die Preise sprengen leider auch mein Budget. Allerdings sahen die Photos auf Deinem Blog tatsächlich etwas schwammig aus. Schade! Ich hoffe, das war eine einmalige Sache, anderfalls tut es mir echt leid!

    • Christian Fehse sagte:

      Der Cinestill Daylight 50 ist für mich sehr vergleichbar mit den Portras oder dem Fuji 160S – markenabhängige Unterschiede mal außen vor gelassen. Ich habe ihn bei einem „People Shooting“ benutzt und der Unterschied war bei meiner Verarbeitung nicht so groß, das ich für den Film knapp das Doppelte von nem Portra ausgeben würde. Ist aber sicherlich kein schlechter Film!

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  1. […] mir also die Daumen, ich werde meinen ersten Artikel auf jeden Fall noch in diesem Beitrag verlinken (done), sobald er online ist. Wie sich das […]

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