Mond und Sterne auf Film: Analoge Astrophotographie

Der Perseidenschauer im August ist gerade erst vorbei, da kündigt sich schon das nächste nächtliche Event an.

Quelle: flickr CC

Am 28.09.2015 wird in Deutschland eine vollständige Mondfinsternis zu beobachten sein. Der Mond wird sich dabei in den Nachtstunden blutrot färben. Wenn das mal kein lohnendes Motiv ist, um unsere Tipps auszuprobieren!

Die richtige Belichtung finden

Bei der Astrophotographie stehen wir vor der Herausforderung, dass wir den Belichtungsmesser in den meisten Fällen nicht benutzen können. Denn wenn wir die Werte des Belichtungsmessers verwenden würden, bestünde die Gefahr, dass aus der Nacht- eine Tagesaufnahme wird. Wir können dieses Problem jedoch auf anderen Wegen lösen. Bei mittelempfindlichen Filmen (ISO 100 und ISO 50) werden die Bilder als Langzeitaufnahme mit Stativ (empfiehlt sich generell bei der Astrophotographie) aufgenommen. Ein ISO 100-Film wird dann bei Blende 5,6 zwischen drei und fünf Minuten belichtet, zur Sicherheit sollten wir bei der Astrophotographie ein Motiv immer mit mehreren Belichtungseinstellungen aufnehmen. Bei hochempfindlichen Filmen (ISO 800 und 1600) reicht eine Belichtung mit Blende 2 und 1/30 Sekunde.

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Spezialfall Mondphotographie

Wenn man den Mond auf Film bannen möchte, gelten natürlich andere Regeln. Die von ihm ausgehende Helligkeit würde die oben genannten Regeln ad absurdum führen. Einen ISO 100-Film solltest Du, bei Vollmond, bei Blende 4 und einer Verschlusszeit von maximal 10 Sekunden belichten. Eine längere Verschlusszeit würde die Wanderung des Mondes sichtbar machen, wodurch er unnatürlich lang gezogen wird.

Der „Blutmond“ ist ein Spezialfall vom Spezialfall, da er wesentlich dunkler als der Vollmond sein wird. Das resultiert daraus, dass die Mondfinsternis so nahe am Horizont stattfindet, dass die Erdatmosphäre nur noch langwelliges, rotes Licht auf den Mond scheinen lässt. Photographiere daher auch den Blutmond mit möglichst offener Blende, mindestens 5,6. Bei diesem Wert solltest Du die Aufnahme ca. 30 Sekunden lang belichten, aber auch hier gilt natürlich der Hinweis, dass Du die Belichtungszeit zur Sicherheit variieren solltest.

Die Mondfinsternis startet am 28.09.2015 übrigens um 02:11 Uhr und wird ihren Höhepunkt um 02:48 Uhr erreichen. Schlechte Nachrichten für alle Berufstätigen, da dieser Tag ein Montag ist. Da man montags aber generell nicht sehr motiviert aussieht, fällt es auch nicht auf, wenn man etwas verschlafen wirkt.

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Achtung vor dem Schwarzschildeffekt

Ein Wort noch zum berüchtigten Schwarzschildeffekt, der gerne mal Langzeitbelichtungen ruiniert. Er besagt, dass eine nach den Gesetzen von Blende und Verschlusszeit berechnete Belichtung bei langen (> 1 Sek.) und sehr kurzen (< 1/1000 Sek.) Belichtungszeiten nicht funktioniert. Das Bild wird unterbelichtet. Das liegt daran, dass die Filmempfindlichkeit bei derartigen Belichtungszeiten abnimmt, also bspw. ein Film mit ISO 200 nur noch wie ein ISO 100 belichtet. Eine Vorhersage darüber, wie der Effekt ausfällt, ist leider kaum möglich, da er von Film zu Film variiert. Auch deshalb solltest Du mehrere Belichtungsreihen bei der Astrophotographie machen.

Was sind Deine Erfahrungen mit der Astrophotographie? Kennst Du vielleicht sogar Methoden, um den Schwarzschildeffekt zu minimieren? Dann teile Deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

Über den Autor: Marcel beschäftigt sich seit 7 Jahren vorrangig mit analoger Photographie und verleiht seiner Leidenschaft mit dem Blog „Kleinbildphotographie“ Ausdruck.

Quellen: Solf, Kurt Dieter: Fotografie. Grundlagen – Technik – Praxis. Fischer 1990.

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