Erlebnisbericht: Worldwide Photo Walk 2015 (Teil 2) – Es gibt kein schlechtes Wetter

(Fortsetzung des ersten Teils: „Erlebnisbericht: Worldwide Photo Walk 2015 (Teil 1) – Wo darf’s denn hingehen?“)

Seit 2008 wird der World Wide Photo Walk von Kelby One ausgerichtet. Nach zwei Jahren als Walker war Autorin Sofie Dittmann dieses Jahr als Führerin dabei.

West Side Market

West Side Market, Ohio City, Cleveland/Ohio – (c) Sofie Dittmann

 

Das Backend des Photo Walks ist übersichtlich organisiert, und es gibt auch viele Informationen für diejenigen, die es trotzdem nicht schaffen durchzublicken. Man muß die Route nicht vorher vollständig festgelegt haben, eine Anfangsadresse genügt. Den Walk hinterher zu editieren ist etwas komplizierter, weil die Anleitung nicht ganz eindeutig ist. Auch andere Funktionen, die man sonst an WordPress und dazugehörigen Plugins schätzen gelernt hat, wirken hier etwas unausgegoren umgesetzt – Kommentarmoderation etwa. Ich bekam mittendrin mal eine Email eines Walkers, der sich beschwerte, er habe jetzt schon zig Kommentare in der Moderationsschlange hängen, warum sie nicht zu sehen seien. Ich konnte ihm nur antworten, ich sähe sie auch nicht, und habe mich folgerichtig bei den Administratoren (also Jennifer) beschwert. Jennifer schrieb lapidar zurück, die Kommentarfunktion für Walker sei nicht eingerichtet. Man bekommt eben geboten, wofür man bezahlt hat.

 

World Wide Photo Walk Screenshot

World Wide Photo Walk Screenshot

 

Jedenfalls hatten sich schlußendlich 16 Leute eingetragen (50 sind maximal möglich), und los ging es. Nein, halt, da sich Leute bis zur buchstäblich letzten Minute anmelden können, waren es schlußendlich 19. Allerdings hatte ich da bereits eine letzte Nachricht an alle verschickt, und einzelne Leute kann man nicht kontaktieren. Ich war also darauf angewiesen, daß sie alle Info auf der eigentlichen Walk-Seite lesen – aber irgendwann sind bestimmte Dinge nicht mehr das Problem des Walk-Führers. Aufgetaucht sind dann nur 11; man muß mit dieser Fluktuation leben, denn in diesem Fall wegen des lokalen schlechten Wetters, und weil man nichts bezahlt, fühlt sich nicht jeder verpflichtet, sich wieder auszutragen oder anderweitig abzusagen.

Der erste Teil des Walks von 8:00 bis 9:30 Uhr fand im West Side Market statt. Der Markt existiert in seiner jetzigen Form seit 1912, also für amerikanische Verhältnisse ewig, und ist einer der interessantesten Orte, die ich in Cleveland kenne. Draußen gibt es Obst und Gemüse, drinnen Fleisch, Käse, Backwaren, Fisch und noch einiges andere mehr.

 

West Side Market, Bäckereiauslage

West Side Market, Bäckereiauslage – (c) Sofie Dittmann

 

West Side Market, Frische Ravioli

West Side Market, Frische Ravioli – (c) Sofie Dittmann

 

Weil viele Leute, die auf diese Walks gehen, Amateure sind, hatte ich nicht erwartet, daß irgend jemand Regenausrüstung dabei hat, und genau das war auch der Fall. Wir hatten jedoch Glück, und der zweite Teil des Walks von 9:30 bis 11 Uhr durch Ohio City war fast regenfrei, obwohl ich meinen Regenüberzug dann am Schluß doch noch zum Einsatz bringen mußte. Acht von uns haben sich später noch zum Mittagessen in einer benachbarten Brauerei eingefunden.

 

Ohio City, Häuserfront

Ohio City, Häuserfront – (c) Sofie Dittmann

 

Urbane Hühner

Urbane Hühner – (c) Sofie Dittmann

 

Fazit: Warum also auf einen organisierten Photo Walk wie diesen gehen? Kann man doch auch alleine machen?

  1. Es macht Spaß, mit anderen Fotografiebesessenen alle paar Schritte stehen zu bleiben, ohne sich ständig bei den anderen entschuldigen zu müssen, weil man schon wieder ein Foto macht.
  2. Man läuft mit einer Gruppe durch Gegenden, durch die man nicht notwendigerweise gekommen wäre. Das war zumindest bei den meisten in meinem Walk der Fall. Man sagte mir, sie seien zwar aus der Nähe, aber noch nie im West Side Market gewesen, und schon garnicht durch Ohio City gelaufen; das sei ja das Ghetto, habe man gedacht (fand ich spaßig; die Häuser dort kosten mittlerweile richtig viel Geld).
  3. Die Preise, die es zu gewinnen gibt, sind irgendwo nur das I-Tüpfelchen, denn bei über 20.000 angemeldeten Walkern, die bei 1.000 Walks mitmarschieren, hat man praktisch keine Chance, außer man fotografiert einen Markt in Indien, oder was sonst noch so gerne bei Fotografiewettbewerben gewinnt.

Geht Ihr auf Photo Walks? Wart Ihr schon auf einem organisiertem, wie diesem?

5 Kommentare
  1. Christian Fehse sagte:

    Wir machen solche „Walks“ relativ oft – allerdings ohne Organisation. Meistens zu zweit in wechselden Konstellationen. Ich finde das sehr schön und interessant.
    Wir haben dieses Jahr beim Fotomarathon in Berlin mitgemacht. Das ist von der Intention etwas anders (mit Themen zum bearbeiten) und es gab da auch was zu gewinnen. Irgendwie führte das allerdings dazu, das die Leute total unentspannt und unter starkem „Konkurenzdruck“ durch Berlin gelaufen sind. Was ein Unsinn aus meiner Sicht. Mit riesiegem Materialarsenal und Requisiten. Ich hatte eher gedacht, das man sich da auch mal nett unterhält und was von den anderen Teilnehmern mitnimmt. Das war dort zumindest überhaupt nicht der Fall. Die Leute rannten eher weg, wenn ich sie angesprochen habe. Ich habe mit meiner Olympus µ I ne nette Serie gemacht und wir hatten Spaß. Ob ich an so einer Veranstaltung allerdings noch mal teilnehmen würde, weiß ich nicht.

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Wahrscheinlich war der Unterschied, daß sich der Marathon auf eine Stadt beschränkte – die Chancen, beim WWPW irgendetwas zu gewinnen sind so gering, daß die meisten Leute nur zum Spaß dabei sind.

      Hat man dieses Jahr auch wieder gemerkt, als es Fotos in den Wettbewerb einzureichen galt. Ich habe eine Flickr-Gruppe eingerichtet, und da sind es mittlerweile 130 Bilder von sieben verschiedenen Leuten, zum Teil richtig gutes Zeug. In den Wettbewerb eingereicht wurden ZWEI, und die sind beide ziemlich schlecht; also mußte ich mir von den beiden schlechten das bessere aussuchen.

  2. Chilled Cat
    Chilled Cat sagte:

    Ich habe mich nicht gefragt, was Sofie sich für einen Mist antut.
    Mir ist nur kein Kommentar dazu eingefallen, den ich auch hier veröffentlichen wollte, deshalb habe ich nichts geschrieben.

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  3. Werner sagte:

    Keine Kommentare bisher –
    ich interpretiere das so, dass viele Leser des Blocks denken:
    Mein Gott Sofie, warum tust du dir so einen Mist an?

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Ich interpretiere Deinen als Versuch, lustig zu sein. Mist? Wenn Du das so sehen willst. 20.000 andere Leute und ich hatten eben einfach Bock drauf, den Mist mitzumachen.

      Wenn sich keiner sonst an einer Diskussion beteiligen will, ist das doch ihre Sache.

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