Gebrauchte Objektive kaufen: 7-Punkte-Checkliste

Der Kauf gebrauchter Objektive ist eine gute Möglichkeit, Dein fotografisches Spektrum zu erweitern. Damit Du dabei nicht allein auf weiter Flur stehst, geben wir Dir eine Checkliste für den Objektivkauf an die Hand.

Gebrauchte Objektive {CC;http://pixabay.com}

Der Gebrauchtmarkt ist, gerade bei der analogen Technik, sehr gut ausgebaut. Durch die Dominanz der Digitalfotografie bekommst Du sehr gute und früher kostspielige Objektive für einen günstigen Preis. Doch nicht jedes Angebot meint es gut mit Dir! Gerne verramschen unseriöse Händler schlechte oder defekte Objektive für einen hohen Preis. Damit Du nicht in die Falle tappst und Dich später ärgerst, haben wir für Dich eine kurze Anleitung zum Kauf gebrauchter Objektive zusammengestellt.

Checkliste für den Kauf gebrauchter Objektive:

1. Sei Dir bewusst, was Du willst!

Der größte Fehler ist, einfach drauf loszusuchen. Auch wenn uns die Lust nach Veränderung meistens spontan überkommt, sollten wir nicht überstürzt auf Ebay einfach nach „28mm M42-Objektiv“ suchen. Vielmehr sollten wir vorher recherchieren, etwa auf der äußerst beliebten Seite von Ken Rockwell, welche Objektive in unserem neuen Arbeitsbereich (Makro, Tele usw.) tatsächlich etwas taugen. So können wir zielsicher mit der Suche starten.

2. Äußerer Eindruck

Schaue Dir auf dem Flohmarkt oder bei Ebay das Objektiv genau an, lass Dir bei Letzterem zur Not noch weitere Bilder schicken. Kleine Dellen und Verformungen zeugen von Stößen oder gar Stürzen. Dadurch kann die empfindliche Mechanik im Inneren beschädigt worden sein. Das können wir nicht immer sehen, aber meistens hören. Hier lohnt sich also auf jeden Fall ein leichtes Schütteln. Wenn es im Inneren klappert, Finger weg.

3. Pilzbefall

Achte auf Pilzbefall im Objektiv. Dieser wird bei Ebay meist unter dem Stichwort „Fungus“ angegeben. Pilzbefall musst Du Dir nicht wie Sporen oder Schimmel im Objektiv vorstellen, sondern es handelt sich dabei meistens um farblosen Glaspilz. Daher das Objektiv immer im Gegenlicht prüfen, da der Pilz sonst schwer auszumachen ist.

Pilzbefall im Objektiv {Arend, CC;https://www.flickr.com/photos/vermazeren/4619188725}

4. Staub (innenliegend)

Es bleibt natürlich nicht aus, dass ältere Objektive Staub ansetzen, wenn sie nicht benutzt werden. Dieser sollte sich aber lediglich auf der Außenseite befinden. Um das festzustellen, reise ich immer mit Lenspen zu Flohmärkten oder Kamerabörsen an. So kann ich die Linsen zur Not vor Ort säubern und auf Nummer sicher gehen. Es lohnt sich einfach nicht, auf gut Glück ein Objektiv zu kaufen, um dann zu Hause festzustellen, dass man das gute Stück nicht benutzen kann. Es sei denn, Du traust Dir zu, ein Objektiv zu zerlegen.

5. Kratzer

Das neue Objektiv muss natürlich auch frei von Kratzern sein. Das gilt sowohl für die kamera- als auch die objektseitigen Linsen. Hier empfiehlt sich ebenfalls, im Gegenlicht durch das Objektiv zu schauen. Du kannst auch auf ein einfarbiges Tuch oder eine glatte Fläche schauen. So erkennst Du mögliche Kratzer schnell und sie gehen nicht im Wirrwarr der Hintergrundszenerie unter.

Kratzer auf Objektiv {Mathias Heinel;https://www.flickr.com/photos/mathei/16925100122}

6. Mechanik

Macht das Objektiv äußerlich einen guten Eindruck, steht jetzt ein Funktionstest der Mechanik an. Dafür solltest Du den Blendenring in beide Richtungen bis zum Anschlag drehen und beobachten, ob die Blendenlamellen auch entsprechend folgen. Außerdem sollte sich die Blende nicht zu schwerfällig bewegen, das könnte auf eine Verharzung oder Deformierung der Blendenlamellen schließen lassen. In diesem Fall hättest Du nur kurz Freude an Deiner neuen Errungenschaft.

Schließe jetzt das Objektiv an eine Kamera an und prüfe, ob die manuelle, und falls vorhanden auch die automatische, Fokussierung funktionieren. Hier sollte alles reibungslos von Statten gehen.

Gleiches gilt natürlich auch für eine eventuell vorhandene Telezoom-Funktion! Vorsicht ist hier zudem bei allzu leichtgängigen Vorgängen geboten. Wenn sich der Fokusring oder der Tele-Tubus allein durch eine Neigung des Objektivs (respektive der Kamera) verstellt, deutet das auf eine zu lose Mechanik oder gelöste Verschraubungen hin, die ebenfalls einen Defekt darstellen.

7. „Fernkauf“ (Ebay und Co.)

Bei den Punkten 3 bis 6 musst Du Dich bei Fernkäufen leider auf die Angaben des Verkäufers verlassen. Daher ist es essenziell, wirklich die Artikelbeschreibung zu lesen. Außerdem solltest Du bei Unklarheiten immer nachfragen, beispielsweise wenn die Linsen nicht gut zu sehen sind. Es sollte auch immer dabei stehen, ob die Funktionen geprüft wurden und ob sich Blende und Fokusring gut bewegen lassen. Bei Beschreibungen á la „Dachbodenfund, keine Ahnung, ob das Teil noch geht“ solltest Du wirklich jedes Detail erfragen. Meistens tarnen unseriöse Verkäufer so nämlich ihre Schrottobjektive.

Tipp: Sichere Dich zusätzlich ab, indem Du nur über PayPal kaufst. Diese Methode wird von nahezu jedem privaten oder gewerblichen Verkäufer angeboten. So kannst Du Dir im Schadensfall relativ leicht Dein Geld zurückholen.

Was sind Deine Tipps für den Kauf gebrauchter Objektive? Teile Deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

Über den Autor: Marcel beschäftigt sich seit 7 Jahren vorrangig mit analoger Photographie und verleiht seiner Leidenschaft mit dem Blog „Kleinbildphotographie“ Ausdruck.

Merken

5 Kommentare
  1. GBoos sagte:

    Ich benutze die Objektive meiner Pentax per Adapter an der Olympus PEN.
    Auffällig ist, dass bei den original Pentax-Objektiven keine Probleme bei Gegenlichtaufnahmen auftreten, bei dem Tokina- und dem Agfa-Objektiv jedoch Gegenlicht zur kompletten Überstrahlung (Stichwort Lens Flare) der Aufnahme kommt.
    Offensichtlich ist bei diesen Objektiven an der Vergütung der kameraseitigen Linse gespart worden, denn die Filmemulsion spiegelt nicht, ganz im Gegensatz zum Sensor.

    Antworten
  2. Chilled Cat
    Chilled Cat sagte:

    An der Sache mit dem schräg einfallenden Licht ist zwar etwas dran, aber so pauschal stimmt die Aussage nicht.

    Es ist richtig, dass die meisten Digitalkameras durch den vor dem Sensor liegenden Anti-Aliasingfillter sehr flach einfallendes Licht schlechter verarbeiten können als analoge Kameras.

    Das wirkt sich dann so aus, dass es in den Ecken zu einem Rotstich kommen kann und die Randschärfe leidet auch darunter. Der Rotstich fällt z.B. bei einem blauen Himmel duch lila Ecken auf, die Randschärfe natürlich immer.

    Das Problem tritt nur bei Weitwinkelobjektiven auf, die für Messsucherkameras wie die Leica M, Contax usw. konstruiert wurden.

    Hier habe ich ein paar Beispielbilder mit einem Jupiter-12 1:2,8 35mm an der Sony A7:

    http://chilledcat.de/jupiter12/

    Wenn man genau schaut, dann ist die Randschärfe nicht so der Hit. Ich habe aber noch nicht kontrolliert, ob das auf Film mit einer Kiev Messsucherkamera besser ist.

    Bei diesem Objektiv ist zwischen der hintersten Linse und dem Sensor nur ein paar Millimeter Platz, so dass das aus dem Objektiv austretende Licht in den Ecken des Sensors extrem flach auf die Sensoroberfläche fällt.
    Wenn ich nicht auf dieser Seite gesehen hätte, dass das Objektiv an die Kamera passt, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass das ohne Schaden am Verschluss möglich ist:

    http://pierretizien-photos.blogspot.de/2013/12/odessa-sans-retrofocus-jupiter-12-sur-a7.html

    An eine digitale Spiegelreflex lassen sich diese Objektive gar nicht adaptieren, weil die Linsen des Objektivs in den Spiegelkasten hinein positioniert werden müssten.

    Alle Weitwinkelobjektive, die für eine Spiegelreflexkamera konstruiert wurden, haben das Problem nicht. Das sind alles Retrofokusobjektive, weil mindestens der Spiegelkasten zwischen die hinterste Linse und den Film passen muss.

    Antworten
  3. laderio sagte:

    Ich habe mal gelesen, dass bei analogen Objektiven das Licht schräg auf den Sensor fällt, was bei einem Film auch kein Problem darstellt.
    Bei den Sensoren von digitalen Kameras muss das Licht aber senkrecht aufreffen, wodurch sich die alten Objektive nicht gut eignen.
    Was da nun genau dran ist weiß ich nicht. Vielleicht ist das auch nur Marketing…

    Antworten
  4. oschmie sagte:

    Hallo, vielen Dank für den Artikel. Allerdings verstehe ich die Einleitung nicht so richtig, da du zwischen analog und digital bei den Objektiven unterscheidest. Gerade durch die Adaptierbarkeit der „alten“ analogen Objektive an moderne Digitalkameras ist der Markt doch wieder richtig in Bewegung gekommen.
    Weiterhin möchte ich einfügen, das alles Geprüfe ohne Kamera nichts bringt. Ich habe hier ein 135er Tele (zum Glück geschenkt), das optisch wie neu ist, von den Linsen her komplett klar und trotzdem an der Kamera komplett unscharf ist (aber richtig). Hätte ich dieses Objektiv auf Ebay verkauft, wäre es mir schwergefallen die Reklamation des Käufers zu glauben. Zur Not also eine digitale Kamera evtl. mit Adapter leihen um die Objektive zu prüfen.

    Eines noch liegt mir besonders am Herzen: im Jahr 2015 sollte man Paypal nicht mehr empfehlen. Paypal hat die AGBs geändert und darf nun deine kompletten Kontodaten an jeden weiter verteilen, was sie auch machen werden. Wenn man es unbedingt nutzen möchte, dann nur mit einer Prepaid Kreditkarte als Zahlungmittel. Paypal funktioniert nur, weil die meisten Käufer/Verkäufer ehrlich sind und weil die Verkäufer Angst vor schlechten Bewertungen auf Ebay haben. Wenn es wirklich mal drauf ankommt sind der Paypal Käufer- und besonders der Verkäuferschutz nicht die Pixel wert auf denen sie dargestellt werden. Hab‘ es grad wieder erlebt.

    Antworten
    • Marcel Dierke sagte:

      Hallo Olaf,

      danke für Deinen Kommentar, auf den ich gerne eingehen möchte.
      Ich nehme keine direkte Trennung zwischen analogen und Objektiven vor, sondern sage lediglich, dass der Gebrauchtmarkt im analogen Bereich größer ist. Die Möglichkeit der Adapter ist mir durchaus bewusst, Du findest hier sogar einen Artikel von mir, der sich mit der Verwendung von M42-Adaptern beschäftigt. Daher können mit der Liste sowohl analoge als auch digitale Objektive geprüft werden, das macht keinen Unterschied.

      Bei der Zuhilfenahme von Kameras bei der Prüfung gebe ich Dir recht, deshalb habe ich das auch unter Punkt 6 erwähnt. Allerdings müssen wir bei der Verwendung von Adaptern vorsichtig sein, denn auch sie können durch Inkompatibilität oder schlechte Verarbeitung Fehler erzeugen. Vielleicht liegt es gar nicht am Objektiv, sondern am Adapter oder der Kamera, dass die Bilder unscharf werden. Eine wirklich verlässliche Prüfung bietet daher nur die Verwendung einer analogen Kamera (bei analogen Objektiven) und die Auswertung der entwickelten Bilder.

      Zu Deiner Paypal-Kritik: Ich finde so eine Verurteilung, gerade ohne Beweise, immer etwas vorschnell. Paypal ist auch in heutiger Zeit ein guter Begleiter und hat mir schon mehrmals geholfen, mein Geld zurückzubekommen. Wenn man danach lebt, wer an wen welche Daten weitergibt, dürften wir auch nicht Facebook, Payback, Apple-Produkte, Kreditkarten uvm. benutzen. Was und ob da überhaupt etwas vermittelt wird, kann keiner von uns sagen. Mir ist dadurch jedenfalls noch kein Schaden entstanden.

      Viele Grüße,
      Marcel

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.