Bildkritik Rosenmandala: Das Runde im Eckigen

Quadratische Bilder verlangen ganz besondere Aufmerksamkeit. In diesem Fall wirkt die runde Rosenblüte etwas eingequetscht. Mehr „Luft“ und das „richtige“ Vorgehen können das Bild verbessern.

Rose, Blume, Blüte

Canon 7D, 70 mm, f/2.8, ISO 100, 1/250 sek. – (c) Claire Sieverts

Es war ein diesiger Tag vor beinahe einem Jahr, doch ohne Regen und nur ein paar Wolken am Himmel. Als es Abend wurde, spazierte ich umher und sah diese wunderschöne Rose. Da meine Kamera immer griffbereit ist, machte ich dieses Foto. Anfänglich wusste ich nicht so recht weiter mit meinem Foto, bis ich diesen inneren Teil entdeckte und versuchte ihn mit Hilfe einer leichten Vignette und einem Quadratbeschnitt hervorzuheben, weil dadurch das Runde betont wird.

Eigentlich bin ich nicht so der Blumen-Fotograf. Ich habe mir dein Bild aber trotzdem für die Bildkritik herausgepickt, da ich vor 2 Jahren ein sehr ähnliches Bild als Fingerübung gemacht habe und das als Vergleich heranziehen kann.

Ich sehe eine Farb-Fotografie, die ein quadratisches Format und einen schwarzen Hintergrund aufweist. Das Motiv ist eine mittig platzierte und von oben herab, also in den Blütenkelch, fotografierte Rosenblüte. Es sind keine anderen Pflanzenteile, als die Blütenblätter zu sehen. Auf einigen Blütenblättern lassen sich so etwas wie Adern (ich kenne den Fachausdruck dafür nicht) ausmachen.

Das Zentrum ist ansatzweise im Fokus, nach außen hin wird die Blüte immer unschärfer und dunkler.

Durchaus übliche Technik

Für dieses Bild wurde ein Objektiv mit der Brennweite 70 mm (112 mm Kleinbildäquivalent) eingesetzt, was durchaus eine übliche Brennweite für solche Bilder ist. Durch den Einsatz der Blende f/2.8 und der Brennweite eines leichten Teleobjektives entsteht eine relativ geringe Tiefenschärfe. Daraus folgt, dass die Blütenblätter, die sich vor oder hinter dem Fokus-Punkt befinden, etwas unscharf dargestellt werden. Dieses Vorgehen ist bei Bildern von Blüten auch durchaus üblich, weil so die Blütenblätter zarter und weicher erscheinen.

Leider sitzt der Fokus-Punkt nicht an der richtigen Stelle. Bei solchen Bildern fokussiert man meistens auf den sich in der Mitte befindenden Blütenblättern oder dem Blütenstempel, sofern es einen gibt.

In der Beschreibung steht es nicht explizit drin, aber ich vermute, das Bild ist ohne Stativ entstanden. Ich empfehle für solche Art von Bildern dringend ein Stativ. Denn allein durch die Bewegung des Körpers des Fotografen beim Auslösen verschiebt sich der Fokus-Punkt sehr schnell an eine Stelle, an der man ihn nicht haben wollte. Vor allem, wenn die Tiefenschärfe durch die offene Blende so stark begrenzt ist. Des weiteren empfehle ich hier den Verzicht auf den Autofokus und den Einsatz des manuellen Fokus. Hierbei sollte man auch die Hilfen wie LiveView mit Lupenfunktion nutzen, die einem die Kameras von heute bieten. Die meisten DSLRs bieten heute LiveView und manche auch Fokuspeaking. Damit lässt sich der Fokus-Punkt und auch die gewünschte Tiefenschärfe ganz präzise wie gewünscht einstellen.

Rose, Blume, Blüte, dunkel, schwarz

Rose – © Darius Kupczak

Für Bilder von Pflanzenteilen in Großaufnahme ist es außerdem ungünstig, diese unter freiem Himmel zu fotografieren: Gerade bei Blüten reicht der kleinste Windhauch, um sie in Bewegung zu versetzen. Daraus resultieren Verschiebungen des Fokus und Bewegungsunschärfen. Besser wäre ein geschlossener Raum, aber wenn man es doch im Freien tut, sollte man versuchen, das Motiv etwa mit einer Jacke abzuschirmen.

Die Herausforderung der Quadrat-Komposition

Es wurde versucht, durch ein quadratisches Format die Rundheit der Blüte hervorzuheben. Dazu wurde die Blüte mittig im Quadrat platziert.

Das kann man grundsätzlich so machen, allerdings hat die Blüte für meinen Geschmack an den Rändern zu wenig Luft. Man sieht sogar, dass die Spitzen einiger Blütenblätter außerhalb des Bildes liegen. Dadurch entsteht beim Betrachter unterbewusst der Eindruck, dass die Blüte eingequetscht ist und sich nicht richtig entfalten kann. Ich hätte der Blüte an den Rändern etwas mehr Platz gelassen.

 

Rose, Blume, Blüte

Rose mit etwas mehr „Luft“ an den Rändern (einfaches Beispiel)

Man kann eine Blüte natürlich auch anschneiden, dann sollte das aber deutlich enger ausfallen:

Rose, Blüte, Blume

Rose enger beschnitten

Durch den dunklen Hintergrund und die grelle Farbe der Blüte wird die Blüte optisch noch mal isoliert und dadurch hervorgehoben.

Die Sache mit der Aussage

Blumen/Blütenbilder haben naturgemäss wenig Aussagekraft. Dieses zeigt im Prinzip nur,wie eine Rosenblüte von oben aussieht. Durch den Einsatz der offenen Blende und der daraus resultierenden geringen Tiefenschärfe entsteht der Eindruck, dass die Blütenblätter weich und zart sind.

Laut der Beschreibung hast Du eine dunkle Vignette nachträglich hinzugefügt. An der Ausführung ist nichts zu bemängeln. Die Vignette reicht zwar in die Spitzen der äußeren Blütenblätter, aber das vermittelt den Eindruck, dass die Blütenblätter sich nach hinten hin in der Dunkelheit verlieren.

Alternativ kann man dafür auch einfach einen dunklen/schwarzen Hintergrund hinter der Blüte platzieren. Dazu reicht schon die weiter oben erwähnte Jacke, wenn sie dunkel oder Schwarz ist.
In einem Studio lässt sich das natürlich viel genauer ausleuchten.

Mehr Kontrolle durch Studioumgebung

Beim Fokussieren und beim Komponieren könntest Du zwar sorgfältiger arbeiten, aber dafür, dass das Bild im Freien entstanden ist, ist Dir ein ganz dekoratives Bild gelungen. Ich würde Dir empfehlen, das Bild mal etwas größer drucken zu lassen: Auf hochwertigem Papier und in einem größeren Format sieht man am besten, wie so ein Bild wirkt.

Ich habe weiter oben mehrmals ein Studio erwähnt; damit meine ich nicht ein komplett ausgestattetes und großes Fotostudio: Solche Bilder kann man auf kleinsten Raum zu Hause z.B. im Wohnzimmer machen. Das Entscheidende ist die kontrollierte Umgebung, also kein Wind, keine verschiedenen Lichtquellen, der passende Hintergrund, die gewünschte Ausleuchtung usw.

Für ein solches Bild reicht schon ein länglicher Karton, etwa die Versandbox für Weinflaschen. Die macht man leer (Prost ;-), kleidet die inneren Seiten schwarz aus oder malt/sprüht sie schwarz an, und schon hat man ein Mini-Fotostudio für Blüten von oben.

2 Kommentare
  1. Claire sagte:

    Hallo,
    Vielen dank für diese kritik! Sie hat mir sehr weitergeholfen.
    Dass ich es ohne stativ fotogrfiert habe ist korrekt. Ich muss sagen, dass es kein geplantes und vorbereitetes foto gewesen ist. Vielen dank :)

    Antworten
    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak sagte:

      Danke für dein Feedback. Ich freue mich, dass es dir geholfen hat.
      Es ist nicht schlimm, dass es ein ungeplantes Foto ist. Wenn man so etwas sieht (z.B. eine Blume in freier Wildbahn), kann man sich kurz ein paar Gedanken machen, das als Idee aufnehmen und daraus ein „geplantes“ Foto machen. Die Blume läuft ja nicht weg ;-)

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