Statt digitalem Bilderstapel: Projektbezogenes Fotografieren

15 Kommentare
  1. Chilled Cat
    Chilled Cat sagte:

    Mir ist schon klar, was hier mit projektbezogenem Fotografieren gemeint ist.

    Auf meinem Blog werfe ich auch nicht zusammenhanglose Bilder in einen Beitrag. Also mindestens für mich haben sie einen Zusammenhang und passen ins gleiche Thema. Ich hoffe, die meisten Betrachter sehen ihn auch.

    Das Wort Projekt ist für mich schon mit mit einer anderen Bedeutung belegt, zu der eine Serie von fünf bis zehn Bildern nicht recht passen will.

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Meine 2 Cents, wie wir Amerikaner sagen, zu Deinem 5-Bilder Kommentar ist dieses: wenn Du Dich durch den Jahrmarkt schleichst und 5 Fotos machst, ist das vielleicht eine Bilderreihe, aber für mich persönlich kein Projekt. Zu einem solchen würde es für mich dann, wenn Du es ein paarmal hintereinander machst, und diese dann etwa den Titel „Wenn die Kirmes schläft“ erhalten. Das ist ein Konzept.

  2. Chilled Cat
    Chilled Cat sagte:

    Projektbezogen…. für meine Arbeitsweise beim Fotografieren scheint mir das nicht ganz passend.

    Ein Projekt ist für mich etwas, das sich jahrelang hinzieht und woran mehrere Leute dran arbeiten. So kenne ich das von meinem Job in der Elektronikentwicklung. So einen Aufwand kann ich als Amateur für die Fotografie nie im Leben betreiben, selbst wenn ich das wollte.

    Wenn ich am Sonntagmorgen mit der Kamera durch den Jahrmarkt schleiche und danach 5 Bilder in meinen Blog stelle, ist das dann schon ein Projekt?

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    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak sagte:

      Ich wollte zu dem Thema auch einen Artikel schreiben, aber erst nächstes Jahr, wenn ich mein Jahresprojekt abgeschlossen habe.
      In dieser Zeit habe ich mehrere Projekte parallel betrieben, und das hat mich fotografisch so weiter gebracht, wie nichts anderes zuvor.

      Deine Frage dreht sich um die Definition des Begriffs „Projekt“. Ich persönlich finde das aber nicht so wichtig. Das kann jeder für sich selbst definieren. Ein Projekt muss ich nach meiner persönlichen Definition nicht jahrelang laufen und von mehreren Menschen durchgeführt werden.
      Für mich ist ein Projekt etwas, was ein Konzept hat und Fotografie ganzheitlich einschließt, also von der Idee bis zur Präsentation. Dabei muss es nicht zwingend ein Ende haben, allerdings in sich konsistent sein.

      Ein Extrem-Beispiel sind z.B. die Arbeiten von Annie Leibovitz. Ein einziges ihrer Bilder kann so aufwändig sein, dass es dafür mehrere Wochen Vorbereitung und Planung braucht. Das kann man als Projekt bezeichnen, obwohl am Ende „nur“ ein Bild raus kommt.
      Ein anderes Extrem-Beispiel sind die berühmten Bernd und Hilla Becher, die viele Industrieanlagen fotografiert haben. Das Ergebnis sind viele Bilder und das Projekt hatte vermutlich kein definiertes Ende.

      Wie man das jetzt persönlich macht, ist jedem selbst überlassen. Mittlerweile habe ich mehrere Projekte parallel laufen, manche mit einem definierten Ende, andere wiederum nicht.
      Und da das bei mir ein Hobby ist, geht die Welt auch nicht unter, wenn mal was schief läuft, oder ein Projekt aus welchen Gründen auch immer pausieren muss.
      Ein Projekt hilft einem aber sich zu fokussieren und etwas mit einer Aussage zu schaffen. Dabei verwende ich nun auch Bilder, die ich sonst nie veröffentlicht hätte, weil sie z.B. nicht dekorativ an der wand sind. Mittlerweile denke ich beim Fotografieren viel mehr darüber nach, ob ein Bild in mein Konzept passt bzw. andersherum, ich überlege mir, welche Bilder ich für mein Konzept brauche. Und das sind oft eben nicht dekorative Bilder, aber im Kontext des Konzepts haben sie eine wichtige Aufgabe und Aussage.

    • Avatar
      Jürgen sagte:

      Ich denke auch, dass es unterschiedliche Formen und damit auch unterschiedliche Zeiträume umfassen kann.

      Für mich hat es noch nicht einmal notwendigerweise etwas mit Zielen zu tun (und damit weicht es vom klassischen Projektbegriff ab). Es ist ein konzeptuelles und ein themenorientiertes Herangehen. Es kann sich auch während der Zeit ändern. Ich starte mit einem Thema und es entwickelt sich ein anderer Fokus dabei. Wichtig für mich ist halt, dass ich immer einen Kontext habe. Der gibt den Bildern dann das „Mehr“.

      Zur Frage: wenn die 5 Bilder vom Jahrmarkt eine eigene Bedeutung und auch einen gemeinsamen (stilistischen) Zusammenhang haben: ja.

  3. Avatar
    Jürgen sagte:

    Hallo Sofie,

    Zunächst zur abschließenden Frage: fotografiere ich projektbezogen? – Ja, das mache ich seit einigen Jahren.
    Ausgangspunkt war i.d.T. die Frage nach dem ‚Warum‘ oder besser dem ‚Wofür fotografiere ich‘. Das hundertste Architekturbild, das fünfhundertste Stillleben, die tausendste Straßenszene… ich hab mich darin irgendwann nicht mehr wiedergefunden. Ich brauchte einen Kontext. Und damit kam die Themen-orientierte Herangehensweise.

    Ich selbst schätze sie außerordentlich, . Sie hat nicht nur meinen Blick geschärft, sondern mein ganzes fotografisches Tun und Handeln. Das Konzipieren wurde ein Thema, das Vorbereiten, das Nachbearbeiten und die Präsentation an sich, und nicht zuletzt: das Texte schreiben dazu. Alles Dinge, die der ‚Flaneur‘ (oder Foto-Walker, auf neu-sprech) nicht wirklich im Fokus hat.

    Aber genau an dem Punkt glaube ich, dass es nicht notwendigerweise für jeden der richtige Weg ist. Wenn ich meine Projekte und Themengruppen so ansehe, das reine Fotografieren macht dabei nur einen kleinen Anteil aus. 20% vielleicht mal 30%. Die restliche Zeit verbringen ich mit den o.g. Aktivitäten.
    Es benötigt hierzu eine gewisse Grundmotivation. Für mich war es die Erkenntnis, dass ich mich ausdrücken wollte. Dass Fotografie für mich sehr viel mehr mit Literatur als mit Malerei gemeinsam hat. Dass es ein einzigartiges Medium ist, um Dinge zu artikulieren, die ich verbal gar nicht fassen kann. Hat man dieses Bedürfnis, diese Grundmotivation nicht, dann fehlt der Grund Aufwand und Zeit in die Aktivitäten zu stecken, die nicht mit der Kamera oder der reinen Nachbearbeitung zu tun haben.

    Dennoch: für sich selbst die Frage zu stellen: Wofür mache ich das eigentlich? lohnt immer. Ob sich daraus eine projekt- oder themenbezogene Fotografie entwickelt, oder ob das Flanieren eine Bereicherung darstellt, ist dann nicht mehr so wichtig. In jedem Fall ist’s eine Klärung und hilft denen, die sich im Flanieren nicht mehr wiederfinden.

    LG Jürgen

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Hallo Jürgen,

      Ich kann Dir nur zustimmen. Und ich glaube, der Grad, auf dem man geht, ist genau wie von Dir angesprochen der: wann zerdenkt man die Sache so sehr, daß man von dem, was man gerne tut, komplett abkommt? Wie die Leute das Zeug, das dabei herauskommt, interpretieren, ist immer noch dem jeweiligen Betrachter überlassen. Ich denke dennoch, daß mir projektbezogenes Arbeiten mehr Perspektive gegeben hat. Trotzdem möchte ich, so wie im Oktober, einfaches Flanieren (oder Photowalken in Neu-Sprech) nicht missen. Jede Vorgehensweise hat ihren Platz.

      LG,

      Sofie

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