Video-Bildbesprechung: Papas Braut

Kinder-Schnappschuss-Porträt: Situative Menschenfotos sind mitunter die besten Porträts überhaupt, wobei mit einzelnen Problemen zu rechnen ist – hier ist es der Hintergrund. Mit Eingriffen wie Bildschnitt und S/W-Konversion kann man aber viel herausholen.

Das Bild entstand auf einer Hochzeit. Meine Nichte war absolut unglücklich darüber, dass ihr Vater ein Bild statt mit ihr mit ihrer Mutter gemacht hat. Sie war doch papas Braut und nicht ihre Mutter. Ich nochte ihre deutlich gestellte Pose (sollte ja bei Papa für Mitleid und evtl. schlechtes Gewissen sorgen). Im Hintergrund sieht man noch das Kleid der Mutter, da es aber ein Schnappschuss war, blieb mir keine Zeit mehr eine andere Position zu suchen, Leider.

Die Aufnahme ist aus mehreren Gründen sehr interessant. Wir möchten sie in einem neuen Format besprechen und sind gespannt, was Ihr davon haltet: Eine Kritik in Video-Form.

Hier ist das Transkript der Besprechung für die, welche lieber lesen als videoschauen:

Papas Braut © Irene Matis Kamera: E-PM2 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 40/10 mit 25/1mm Brennweite und ISO 200

Die Exif-Daten des Fotos liegen im Bereich dessen, was ich so erwartet hätte – schnelle Verschlusszeit, niedriger ISO – interessant fand ich die Kamera, mit der Irene fotografiert hat,nämlich eine Olympus E-PM2. (Affiliate-Link)

Man sieht hier, wie von Irene beschrieben, zwei verschiedene Hintergründe, worauf ich nachher noch eingehen möchte, da sie es als potentielles Problem anführt.
Die Aufnahme wurde quadratisch beschnitten, ich nehme an, des Hintergrunds wegen, wahrscheinlich gab es oben noch mehr Blätter links und rechts noch mehr dunkles Kleid. Dadurch hat Irene die Komposition auch verdichtet.

Wenn man das Foto näher analysiert stellt man fest, dass das Mädchen praktisch perfekt im goldenen Schnitt angeordnet ist, was ich hier durch die rosa Linie verdeutlicht habe. Das gleiche gilt für die Drittel-Regel, hier grün dargestellt. Dann noch mal beide Kompositionsregeln im Vergleich. Die blauen Linien markieren die Bildmitte.

Kompositionell ist an der Aufnahme des Kindes also grundsätzlich absolut nichts auszusetzen. Allerdings haben wir immer noch nichts über das Problem des Hintergrunds gesagt. Der hängt mit den vorherrschenden Tonwerten zusammen, also möchte ich mir die mal anschauen.

Dominiert wird die Aufnahme von dunklen Tönen, also sehr dunklem Grau bis Schwarz, Das habe ich jetzt zum verdeutlichen rot überlagert. Die Blätter links wie auch die Falten im Kleid und die Haare der Kleinen sind mittelgrau akzentuiert, was auch verhindert, dass alle dunklen Töne einfach wegsumpfen. Der Hautton des Mädchens setzt sich gut gegen den dunklen Hintergrund ab. Das weiss des Kleides ist es nicht zu hell oder gar ausgebrannt, so dass Einzelheiten nicht mehr erkennbar wären.

Die an sich sehr gute Tonwertverteilung in der Aufnahme führt aber auch dazu, dass jene zwei Hintergründe deutlich zu unterscheiden sind. Dadurch wirkt es rechts so, als hätte man das Kind irgendwo rein kopiert. Ich persönlich finde es nicht so wahnsinnig tragisch, aber wen es dann doch stört, der kann einen weiteren Beschnitt denken. Und zwar so, dass links und rechts jeweils ein Teil gekappt wird. Dann sieht man von den Unterschied so wenig, dass es kaum noch auffällt

Man sollte aber nicht so viel wegnehmen, dass die kleine auf beiden Seiten visuell eingequetscht wird. Ich hab hier so ziemlich bis auf das Äusserste geschnitten, im Seitenverhältnis 4:6 oder 2:3. Und der Rand der um das Kind an den Seiten verläuft, entspricht etwa dem oben.

Jetzt ist zwar das an sich interessante quadratische Format verändert, aber weniger störend bekommt man den Hintergrund meines Erachtens nicht hin.
Wenn man jetzt noch möchte, kann weiter daran herumdoktern,  beispielsweise den kleinen Fleck links, wahrscheinlich ein Blattrest, wegstempeln – Das ist jedem selbst überlassen.

Das Fazit zu diesem Bild: „Papas Braut“ ist für mich insgesamt ein gelungener Schnappschuss. Was das Foto an Problemen aufweist, kann man eben bei einer Aufnahme dieser Art nicht vermeiden, man muss es schon fast erwarten, und mit einem Beschnitt wie beschrieben hat man das Bild auch bereits abgerundet. Die Schwarzweiss-Umwandlung passt auch sehr gut, weil man sich dann mehr auf die Details konzentrieren kann. Statt den grünen Blättern links und vielleicht einem blauen Kleid rechts bekommt man so einen fast einheitlichen Hintergrund.

2 Kommentare
  1. Hans sagte:

    Liebe Sofie,

    das war die erste Videokritik, die ich gesehen habe und ich fand sie super! Auch wenn ich so sozialisiert bin, dass lesen immer vor glotzen steht :-) . Aber hier sieht man, dass alles seinen Platz hat. Die von Euch gezeigten Dinge, wie goldener Schnitt etc. sind für mich so einfacher nachvollziehbar. Insgesamt gefällt mir auch die neue Homepage deutlich besser. Also, Danke im Sinne der Leserschaft

    Grüße Hans

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