Landschaftsaufnahme: Morgens am Klempauer Hofsee

Ein gutes Landschaftsbild wirkt durch seinen Bildaufbau, seine Farben und vor allem durch seine Lichtstimmung. Wer sich mit diesen Dingen weiter auseinandersetzen will, fotografiert am besten in RAW. 

Klempauer Hofsee – Olympus E-PL3 Aufnahmedaten: 1/100s bei ISO 640, © Gregor Boosaus

Gregor Boosaus schreibt zu seinem Bild:

Morgens, auf dem Weg zur Arbeit, fahre ich manchmal an diesem See vorbei.
An diesem Tag lag der See vollkommen still da und ein paar Nebelschleier zogen über ihn hinweg.
Ich habe die Kamera aufs Stativ montiert, ausgerichtet und dann ein paar Fotos von unterschiedlichen Standorten aus gemacht, von denen meiner Meinung nach dieses das Beste ist.

Gregor, Dir ist mit diesem Bild ein gutes Landschaftsfoto gelungen. Es gibt indessen ein paar Punkte, die Du schon bei der Aufnahme berücksichtigten, bzw. im Nachhinein hättest optimieren können.

Zunächst mal zum Motiv:

Der Klempauer Hofsee liegt an der Lübecker Stadtgrenze im Stadtteil Beidendorf. Umgeben von Bäumen, ist der See ideal zur Entspannung vom hektischen Alltag.

Dass man sich hier erholen kann, drückt das Bild auch aus. Ein ruhiger See, ein Bootssteg und viel Grün. Die Atmosphäre mit dem aufsteigenden Morgennebel wirkt auf mich als Betrachter des Bildes beruhigend. Mein Blick bleibt am Bild hängen, was auch schon ein gutes Bild ausmacht.

Was mir bei Deinen mitgelieferten Aufnahmedaten auffällt ist, dass du bei einem relativ hohem Wert von ISO 640 fotografiert hast. Die Blende (nicht in den angegebenen Kameradaten enthalten) ist wohl richtigerweise abgeblendet, um den Vordergrund und den Hintergrund scharf abzubilden, was ja bei Landschaftsaufnahmen durchaus üblich ist.

Warum hast Du nicht mit dem niedrigsten ISO-Wert gearbeitet, da Deine Kamera ja eh auf einem Stativ steht? Dadurch würde sich die Verschlusszeit verlängern und der Wasserspiegel würde noch ruhiger daliegen, so dass keine Wellen mehr erkennbar wären. Der höhere ISO-Wert bringt auch etwas Bildrauschen in das Foto, was sich hier durch leichte Körnigkeit erkennbar macht.

Soweit zur Aufnahme als solches, nun zur möglichen Bildoptimierung:

Zunächst einmal würde ich das Bild etwas aufklaren, indem ich die Lichter zurücknehme um wieder ein wenig mehr Struktur in den Himmel zu bekommen. Die Tiefen helle ich etwas auf, da das Laub im Vordergrund doch sehr dunkel ist. Mir persönlich gefällt es hier besser, wenn man die Grünschattierungen besser erkennt.

Die Möglichkeiten der Optimierung sind hier leider etwas eingeschränkt, da mir das Bild nur in einer niedrig aufgelösten jpg-Datei vorliegt. Ich empfehle generell, Fotos im sogenannten RAW-Format zu fotografieren, da durch die höhere Datendichte und fehlende Pixelsubstitution im Nachhinein viel mehr aus zu dunklen bzw. zu hellen Bildbereichen zurückgeholt werden kann an Strukturen und Farben.

Das ich den Weißregler etwas nach oben bzw. nach rechts ziehe liegt daran, dass ich aus Gewohnheit dies meistens mache, weil das Bild dabei aufgeklart wird. Normalerweise würde ich das auch mit dem Schwarzregler in umgekehrter Richtung tun, aber dann würde das Blattwerk wieder in Schwärze versinken.

Die Lebendigkeit, die nur auf weniger gesättigte Farbbereiche im Bild wirkt (im Gegensatz zum Sättigungsregler), hebe ich auch etwas an, was gerade die Grüntöne verbessert. Ich finde, dass durch die Bildoptimierung auch die morgendliche Nebelstimmung im dezenten Sonnenschein besser beim Betrachter des Bildes ankommt.

Das Histogramm zeigt jetzt eine ausgewogene Belichtung:

Histogram 

Hier mal die Regler mit ihren Einstellungen in Lightroom. Das funktioniert aber auch in den meisten anderen Bildbearbeitungsprogrammen.

Zwischenablage01b  OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Den Bildausschnitt würde ich auch noch optimieren, um den Bootssteg in die Drittelteilung zu bringen und den Fokus mehr aufs Wesentliche zu lenken.

Das sieht man hier gut in diesem Screenshot:

Zwischenablage02a

Durch die neue Bildaufteilung wird auch die Dreieckskomposition (rote Linie) deutlicher. Dadurch, dass die Basis des Dreiecks nach unten gerichtet ist, wirkt Dein Bild stabiler und ruhiger.

Ein Bild sollte normalerweise nicht in der Mitte (blaue Linie) geteilt werden (eher langweiliger Bildaufbau), aber durch die Spiegelung im Wasser erweitert sich der grüne Waldbereich, so dass ich letztendlich das Bild eher in drei Abschnitte unterteile, was wiederum der Drittelteilung entspricht (grüne Linien).

fertig mit Linienfertig mit Linien Drittelteilung

Was ich mir von Deinem Bild noch wünschen würde, wäre ein wenig mehr Schärfe im Bereich des Bootsstegs und vielleicht als i-Tüpfelchen eine Person, die auf dem Bootssteg sitzt.

Aber auch so hast Du hier ein tolles Landschaftsbild fotografiert.

Klempauer_Hofsee_morgens

Klempauer_Hofsee_Finalversion

7 Kommentare
  1. Güda sagte:

    Hallo miteinander,

    als ersten Punkt finde ich beruhigend, dass auch anderen Fotobegeisteten passiert, die ISO zurückzustellen …
    Die Bildbesprechung finde ich doch sehr hilfreich, wenn auch der kleine Patzer mit JPG und RAW erst für lechte Verwirrung sorgte.
    Ob oder nicht nun eine Person als Stilmittel zur Bildoptimierung gereicht, ich meine nicht.

    Monitor neu, muss doch auch nicht unbedingt sein. Ein ordentliches Farbmanagement und ein kalibrierter Monitor wirkt Wunder.

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  2. Gregor Boos sagte:

    Hallo,
    erst einmal danke für die Besprechung.
    Das mit dem hohen ISO-Wert ist mir hinterher auch aufgefallen, ich hatte vergessen, das zurückzustellen (stand vom Abend vorher noch auf 640 ISO).
    Ich habe im RAW-Format fotografiert, einreichen kann man halt nur JPG.
    Und bei den Farben habe ich auch schon eine Überraschung erlebt, ich habe das Bild auf Kodak Fotopapier belichten lassen (Datei war im TIFF-Format mit 48 Bit Farbtiefe und der Print kam deutlich dunkler als an meinem Monitor angezeigt, jetzt wird es doch einmal Zeit für einen neuen, vorkalibrierten Monitor …

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    • Carsten Schröder sagte:

      Da musst du aufpassen.
      Der Monitor ist Hintergrundbeleuchtet, während der Ausdruck ein Aufsichtbild darstellt, dass evtl. von den Farben her stimmt, aber dunkler wirkt. Ich habe Monitor und Drucker kalibriert und muß immer vor dem Druck das Bild aufhellen.

  3. Robin sagte:

    Kurze Frage am Rande – zur Bildbesprechung koennen doch lediglich .jpg-Aufnahmen in niedriger Aufloesung eingereicht werden, also waer es Gregor doch gar nicht moeglich gewesen, ein RAW-Format einzureichen.. oder habe ich da was verpasst?

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    • Carsten Schröder
      Carsten Schröder sagte:

      Ja, du hast Recht. Ich habe bei der Bildbesprechung nicht darauf geachtet, wie die Bilder eingereicht werden. Prinzipiell möchte ich aber schon den Hinweis auf die größere Datendichte des RAW-Formates geben.

    • Peter Sennhauser sagte:

      Hallo Robin
      Es stimmt zwar, dass mit dem Formular zur Bildbesprechung nur ein jgp mit 2MB hochgeladen werden kann – es kann aber vorkommen, dass einer der Kritiker nachträglich um das RAW bittet, weil die Besprechung auf Details eingeht, die in einem bereits verarbeiteten Format nicht mehr zu behandeln sind. Es kann also durchaus vorkommen, dass wir hier RAW-Files besprechen, und es geht auch nicht darum, dass wir ausschliesslich fertig nachbearbeitete Bilder anschauen wollen.

  4. Ambitious sagte:

    Die trübe Nebenstimmung kommt nach meinem Dafürhalten besser rüber, wenn das Bild etwas entsättigt und nicht so dynamisch (mit ganz schwarzen und ganz weißen Bereichen) ist. Deshalb finde ich die gezeigte Nachbearbeitung hier zu stark angewandt, obwohl ich wahrscheinlich im ersten Schritt ebenso vorgegangen wäre. Hier kommt aufgrund des Nichtvorhandenseins eines RAW-Files dazu, dass die „finale Version“ ein starkes Farbrauschen aufweist, weswegen ich dann lieber auf etwas Tiefen verzichtet hätte.
    Vom Prinzip her finde ich die genannte Kritik aber hilfreich. Lediglich was die reflexartig und strikt angewandte Drittelregel angeht habe ich immer so ein bisschen Bauchschmerzen, aber ja, es wird natürlich eine Message darüber transportiert.

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