Buchrezension «Kompendium digitale Fotografie»: Ein lockeres Lehrbuch

Das «Kompendium digitale Fotografie» gibt dem fortgeschrittenen Einsteiger die theoretischen UND praktischen Werkzeuge in die Hand, seine bereits gesammelten fotografischen Erfahrungen umzusetzen und weiterzuentwickeln.

"Kompendium digitale Fotografie" von Tilo Gockel

„Kompendium digitale Fotografie“ von Tilo Gockel

 

Level: Einsteiger, Fortgeschritten
Genre: gemischtes Lehrbuch
Benutzbarkeit*: 8
Preislevel**: €€€
Ein solides Buch für den anspruchsvollen Einsteiger, der bereits einige Erfahrung mit Fotografie gesammelt hat, die er jetzt auf ein gewisses theoretisches wie praktisches Fundament bewegen möchte.
* 1 – eher nicht, 5 – geht so, 10 – super
** € (sehr billig) bis €€€€€ (überteuert)

Ein fundiertes Lehrbuch – aber trotzdem locker

Tilo Gockel erwähnt im Vorwort, er habe ein Lehrbuch schreiben wollen, kein Bilderbuch – aber dennoch eines, das trotzdem ein Kompromiß sein sollte zwischen rein grafischen Publikationen und großen Lehrwerken, die der Zeit hinterher sind. Diesen Mittelweg zwischen zu vielen Formeln/Theorie und zuviel Veranschaulichung ist er recht gekonnt gegangen. In der Fotografie, da stimme ich mit ihm überein, zählt zwar letztlich die Kreativität, und nicht nur die Technik, aber “oft können kreative Fotografen die Bildideen in ihrem Kopf nicht umsetzen, weil es am Detailwissen zur Technik hapert.“ Mit anderen Worten: man sollte nicht nur seine Kamera kennen, sondern auch wissen, wie bestimmte Ergebnisse erzielt werden.

(c) Tilo Gockel/Springer Verlag

(c) Tilo Gockel/Springer Verlag

Für ein Lehrbuch ist der Sprachstil eher ungezwungen („knackscharf“ auf Seite 31, und mindestens einen Rechtschreibfehler habe ich auch entdeckt („dass“ statt „das“ in Relativsatz auf Seite 13), sowie auch die Formulierung „von seitlich“, die zumindest sprachlich unsauber ist. Quellen sind in Kurzzitierweise (Nachname, Jahr) eingebunden, was das Lesen teilweise etwas erschwert.

Gockel hat das Kompendium digitale Fotografie (Affiliate-Link) in zwei fast gleich gewichtete Teile gegliedert. Der erste befaßt sich mit Theorie, der zweite mit praktischen Anwendungen.

Teil I, fängt, wie ich es erwartet hätte, mit Licht, Lichtbrechung und dergleichen an und geht dann in Beleuchtungstechnik und Beleuchtungssituationen über, jeweils durchzogen von Formeln und grafischen Abbildungen. Daran anschließend handelt Gockel die technischen Aspekte einer DSLR ab, aber nicht trocken und theoretisch, sondern mit einem Vergleich von Sensorgrößen und einer Erklärung von Objektivbezeichnungen und Ausführen, wozu sich die jeweiligen Linsen besonders eignen.

Teil II des Buches beginnt mit Makrofotografie, und geht dann über Food, Produktfotografie/Table Top und Landschaften zu Architektur, Low Light und Portraits. Die letzten Kapitel behandeln Photo Communities und Microstock.

Beispiele, vom Autor teilweise mit „Workshops“ versehen, am Ende jedes Kapitels, sowie eine Auflistung von weiterführenden interessanten Quellen im Internet, die von persönlichen Webseiten von teilweise bekannten Fotografen zu Gruppen auf Flickr reichen. Sehr viele Diagramme, die den Setup in bestimmten fotografischen Situationen illustrieren, sowie das fertige Bild mit EXIF werden ebenfalls eingeflochten. So kann man sehr gut nachvollziehen, wie die jeweiligen Ergebnisse erzielt wurden. Konkret denke ich hier etwa an das sehr gut ausgeführte Foto einer Gitarre, das mit vier Systemblitzen durch Papier-„Filter“ hindurch auf einem normalen Tisch entstanden ist:

(c) Tilo Gockel/Springer Verlag

(c) Tilo Gockel/Springer Verlag

Was ich komplett weggelassen hätte, ist das Kapitel über Flickr und Photo Communities, da selbst fotografische Laien mit dem Internet und Webseiten dieser Art generell bereits vertraut sein müßten. Das ist wirklich kein Neuland mehr. Ähnliches gilt für die Ausführungen zu den Softwaretools im Anhang (Teil III) – das Buch erschien 2012, mittlerweile sind wir beispielsweise nicht mehr bei Photoshop CS5, sondern CC. Statt dessen hätte ich vielleicht ein paar weiterführende Tutorials zu den jeweiligen Fotografiegenres aufgelistet (konkret zu HDR unter Photomatix beispielsweise das sehr gute von Stuck in Customs).

Praktisch anwendbar ist auf jeden Fall Abschnitt B, der einen guten Überblick über die rechtliche Situation in Deutschland gibt, sowie Resourcen im Internet etwa für Modelvertragsvordrucke.

Insgesamt ist das Kompendium ein auf engerem Raum doch breit gefächertes Werk, das viele Bereiche der modernen DSLR-Fotografie berührt.

(c) Tilo Gockel/Springer Verlag

(c) Tilo Gockel/Springer Verlag

(c) Tilo Gockel/Springer Verlag

(c) Tilo Gockel/Springer Verlag

Buchtitel: Kompendium digitale Fotografie – Von der Theorie zur erfolgreichen Fotopraxis

Autor: Gockel, Tilo

Verlag: Springer/ X.media.press

Erscheinungsjahr: 2012

ISBN: 978-3-642-11239-3 (eBook), 978-3-642-11238-6 (Hardcover)

Listenpreis: eBook (36,99) (Affiliate-Link), Hardcover (46,99) (Affiliate-Link)

Genre: Fotografielehrbuch

Seitenanzahl: 224

Level: anspruchsvoller Einsteiger, Fortgeschritten

Über den Autor: Dr.-Ing. Tilo Gockel ist Stellvertretender Leiter ZeWiS und Forschungsreferent der Hochschule Aschaffenburg und Lehrbeauftragter der Fakultät Ingenieurwissenschaften. Seine Lehrgebiete sind Signalverarbeitung, Bildverarbeitung und Technische Fotografie.


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