Analog in zitronengelbem Duochrome: Der «Third Man Records» Sofortbildfilm

Die Zukunft ist nicht nur analog, sie hat einen dezidierten „Coolness Faktor“. Und zwar in der „Third Man Records“ Edition von Impossible Project.

The Two Towers - (c) Sofie Dittmann

The Two Towers – (c) Sofie Dittmann

Dieser Artikel knüpft an einen Beitrag an, den ich vor einiger Zeit über das Impossible Project verfaßt habe.

Vor ein paar Jahren, nachdem ich mich bei meinem Mann beschwert hatte, daß er mir schon lange keinen Schmuck mehr geschenkt hatte, sagte er nur lapidar, “Kauf Dir halt etwas, was Dir gefällt.“ Das tat ich dann auch, und kam mit noch einer Kamera nach Hause. Man konnte sie sich um den Hals hängen, das zählt ja irgendwo als Schmuck.

Seitdem frage oder beschwere ich mich nicht mehr; so, wie dieses Mal, als es dann ein paar Packungen des koolsten Films sein mußten, den ich seit langem in den Händen gehalten habe: die „Third Man Records“ Edition (Affiliate-Link) von Impossible Project. Nicht vollkommen ohne Schattenseiten (mehr unten), aber wirklich kool.

Für diejenigen, die mit Third Man Records nicht vertraut sind: es handelt sich um das Label von Jack White, mittlerweile ansässig in Nashville, Tennessee in den USA. Jack White ist dafür bekannt, daß er jedes seiner Projekte farbkodiert – die White Stripes waren rot, seine Solokarriere später dann hellblau, und die Farben seines Labels sind zitronengelb und schwarz. Jack White ist außerdem ein großer Enthusiast, was analoge Technologien angeht (er hat in seinem Studio in Nashville die Möglichkeit, Vinylplatten zu pressen), und so macht diese Kollaboration für beide Seiten absolut Sinn.

Die „Third Man Records“ Edition ist ein Duochrome-Film im Polaroid 600 Format und produziert Bilder in genau diesen Farben, zitronengelb und schwarz. Er knüpft damit an andere Duochrome-Filme von Impossible an, ist jedoch etwa im Gegensatz zu grün/schwarz, der nur für Mitglieder in limitierter Auflage erhältlich war, kein experimenteller Film. Wenn man sich also innerhalb der in der Gebrauchsanweisung festgelegten Parameter bewegt, sollten stabile Ergebnisse dabei herauskommen.

(c) Sofie Dittmann

(c) Sofie Dittmann

Ich habe mehrere Packungen bestellt, und die kamen sehr schnell aus Tennessee nach Ohio. Alle waren auf November 2015 datiert (diese Edition kam erst im September 2015 auf den Markt), und Impossible informiert auf der Packung, daß der Film bis zu diesem Datum die besten Ergebnisse liefert und bis zur Verwendung gekühlt werden sollte. Er war also genau genommen seit zwei Monaten abgelaufen, aber einen Enthusiasten hält das nicht ab – es macht ja den Charme des Mediums aus. Gekühlt habe ich ihn nicht, denn ich wollte ihn schon wenig später benutzen.

Die einzige Schattenseite, die auch dieser Film hat: er ist teuer, wie alle Impossible Filme. Eine Packung mit acht Aufnahmen kostet $24,49 (entspricht ungefähr € 23,95); die Anzahl ist darauf zurückzuführen, daß die chemische Zusammensetzung von Impossible Filmen die Aufnahmen dicker macht und eben nur acht physikalisch in eine Kassette passen. Ein Fehlschuß tut denn auch richtig weh, und weil ich nicht oft genug mit meiner Polaroid fotografiere, habe ich ein paar produziert. Allein der Kostenfaktor ist es dann auch, ansonsten stimmt alles.

Die Aufnahmen wurden genau so, wie versprochen: hoher Kontrastumfang, und das Gelb haut einen einfach um. Trotzdem sich die Emulsion in den Aufnahmen teilweise nicht vollständig verteilt hat, trägt für mich selbst dieser Schönheitsfehler zum Charme der Bilder bei. Der Film ist mit einem angegebenen ISO von 640 auch für Innenaufnahmen geeignet. Ich habe an einem bewölkten Tag draußen fotografiert und mußte daher meine Kamera herunterregeln.

Winter Road - (c) Sofie Dittmann

Winter Road – (c) Sofie Dittmann

Waiting - (c) Sofie Dittmann

Waiting – (c) Sofie Dittmann

Visitors - (c) Sofie Dittmann

Visitors – (c) Sofie Dittmann

Diese Art von Fotografie mag nicht wie früher etwas sein, das Momente des Familienlebens oder einer Party festhält, aber das will sie ja auch nicht. Man kann das getrost weiterhin Polaroid (Affiliate-Link) und dem überlassen, was noch von ihrer Mainstream-Sofortbildvergangenheit übrig ist; außerdem hat ja jeder heutzutage ein Handy.

Um es mit Jack White zu sagen, „Ich bin an Ideen interessiert, die uns alle aufrütteln können.“ Und das ist Impossible mit diesem Film meines Erachtens gelungen.

(c) Sofie Dittmann

(c) Sofie Dittmann

2 Kommentare
  1. dierk
    dierk sagte:

    hierher passt dann auch der Hinweis auf einen neuen Sofortbild Film im Format 4×5:
    http://new55project.blogspot.de/

    leider auch hier der Preis von 85$ für 5(!) Bilder ist schon ein dicker Brocken :-(

    „New55 PN is a black and white 4×5 instant positive-negative sheet film that produces an instant negative and a positive print; it works with the famous 545 series of holders (545, 545i and 545 Pro).

    Each box contains 5 packs; each pack produces one 4×5 positive and one 4×5 negative that you further fix and wash (see Directions for Use).“

    Den Halter 545i habe ich mir nach der Ankündigung sofort gekauft und er liegt seit dem im Schrank….

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Da ist Impossible-Film ja richtig billig! Ich versuche, mich insgesamt zurückzuhalten, und mir erstmal zu überlegen, was ich mit dem Film genau machen will. Mein Ding mittlerweile: Emulsion-Transfers. Geiler Effekt, aber zeitaufwändig.

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