Video-Bildbesprechung: „Drei Karden“ oder auf Details achten

Man sollte über der Konzentration auf das Motiv andere Gesichtspunkte der Aufnahme nicht vernachlässigen.

Richard Göppel aus Dillingen schreibt zu diesem Bild:

„Irgendwo im nirgendwo drei Karden gefunden,freigestellt und ihren Aufwärtstrend als Diagonale genutzt.“

Transkript folgt unten.

(c) Richard Göppel

(c) Richard Göppel

Einleitende Anmerkungen

Richard Göppel aus Dillingen schreibt zu diesem Bild: „Irgendwo im nirgendwo drei Karden gefunden, freigestellt und ihren Aufwärtstrend als Diagonale genutzt.“

Zu sehen sind eben jene drei Karden, die von links nach rechts aufsteigend ins Foto ragen. Ansonsten ist in dieser sehr minimalistischen Szene nichts weiter zu sehen als der Hintergrund.

Dieses Bild eignet sich denn auch vorzüglich als Anschauungsmaterial, unter anderem, was die Wahl des Ausschnitts bei der Aufnahme in dieser Art von Motiv angeht, denn bei einer derartig spartanischen Komposition fällt einfach alles sofort auf.

EXIF-Daten

Die EXIF-Daten verraten mir, daß Du mit einer SONY alpha SLT-A55V gearbeitet hast. Die SLT-A55V ist eine recht gute kompakte digitale Spiegelreflexkamera mit einem Formatfaktor von 1,5. Du hast bei einer Blende von 5 und einem vorgewählten ISO von 400 im vollen Manuellmodus eine Verschlußzeit von 1/3200 Sekunden erzielt. Durch die Kombination der sehr offenen Blende mit der von Dir gewählten Brennweite von 105 mm (157,5 mm Vollformatäquivalent) sind die Karden gut freigestellt worden.

Auch, wenn der Hintergrund zweifarbig ist, heben sie sich noch effektiv jeweils gegen den hellen und den dunklen Teil ab, wenn ich ihn auch etwas distrahierend finde. Dazu komme ich aber gleich noch.

Der ISO hat einiges an Rauschen mit ins Foto gebracht – ich denke, daß Du ruhig auf ISO 100 hättest herunterregeln können, denn wenn Du bei ISO 400 1/3200 Sekunden erreicht hast, wäre das bei ISO 100 immer noch im haltbaren Bereich gewesen – außer, es hat sehr stark gestürmt und die Karden haben sich im Wind hin und herbewegt.

Komposition

Zur Komposition: Die mittlere Karde befindet sich recht gut im Goldenen Schnitt, hier rosa überlagert. Aus der Drittelregel, grün dargestellt, ist sie leicht verschoben.

Noch einmal beides zusammen.

Veranschaulicht man auch die Bildmitte, was ich in hellblau darüber gelegt habe, sieht man, daß die beiden kleineren Karden in der linken Bildhälfte sind, die größte in der rechten.

Und noch einmal alles zusammen eingeblendet.

Das Motiv hat Dich gereizt, weil Du eine imaginäre Diagonale vor Dir gesehen hast. Ich habe erst einmal die relativen Mittelpunkte der Karden in violett markiert und sie dann miteinander und jeweils der linken unteren und rechten oberen Bildecke verbunden. Dann habe ich zusätzlich die eigentliche Bilddiagonale in gelb darübergelegt.

Ich denke, Du hast sie insgesamt recht gut getroffen.

Änderungsvorschläge

Es gibt allerdings ein paar Elemente, die ich hier als nicht ideal empfinde, und die ich bereits bei der Aufnahme, soweit möglich, anders gemacht hätte.

Bildausschnitt

Du hast die Karden in der Diagonale zwar fast einwandfrei aufgereiht, aber durch die Wahl Deines Ausschnitts klebt die kürzeste links und unten zu sehr am Bildrand. Auch die größte hat oben nur einen kleinen Abstand zur Kante, während rechts neben ihr wesentlich mehr Raum ist. Das ganze ist als Bildausschnitt für mich unglücklich gewählt. Du warst wohl so sehr auf die Diagonale fixiert, daß andere Überlegungen nicht angestellt oder in den Hintergrund gedrängt wurden.

Dabei wäre es so einfach gewesen: die Kamera hätte etwas mehr nach links geschwenkt werden sollen, und ich hätte noch einen kleinen Schritt zurückgemacht, um der längsten oben, vor allem jedoch der kürzesten Karde links und unten mehr Raum zu geben.

Im Nachhinein ist der Bildausschnitt kaum noch ohne einen riesigen Aufwand mit Klonstempel und dergleichen zu beheben. Ich habe das in Photoshop trotzdem zu Anschuungszwecken getan, und unten, oben und links mehr Foto hingezaubert, jedoch ohne mir die Mühe zu machen, das ganze vollkommen zu vertuschen. In Picasa, was Du laut EXIF benutzt hast, ist ein Klonstempel meines Wissens nicht vorhanden. Ich würde statt dessen Gimp benutzen – ist auch kostenlos, hat aber wesentlich mehr Möglichkeiten.

Das Ergebnis sähe dann so aus.

Die Diagonale ist jetzt ganz leicht verschoben, aber immer noch gut durchgehalten. Auch an der Komposition hat sich nicht viel geändert.

Die Klonartefakte, deutlich beispielsweise an der Verschmierung des ursprünglichen Bildrauschens zu sehen, lassen sich noch etwas abmildern, indem man die Körnung zurückholt, die durch das Stempeln verschwunden ist, hier mit Color Efex Pro gemacht. Das erhöht das Rauschen im Foto noch mehr; wir sind jedoch, wie bereits erwähnt, vom Idealfall schon so weit entfernt, daß man den eingeschlagenen Weg auch zuende gehen muß.

Farbsättigung und Hintergrund

Was mich weiterhin hier stört, sind die sehr blassen Farben – es ist ja immerhin ein Naturfoto – und der relativ ablenkende Hintergrund. Dieser ist beinahe hälftig jeweils fast schwarz und recht hell, in Ockertönen.

Um diese Komposition in dieser Situation so zu erreichen, war es wohl nicht zu vermeiden, denn Du befindest Dich bereits frontal und parallel zu den Blumen. Man kann jedoch noch etwas an dem Bild drehen, und das habe ich hier gemacht.

Erstens habe ich die Farbsättigung und den relativen Farbkontrast der Blumen angehoben. Dann habe ich auch noch die Bildränder etwas abgedunkelt. Ob das jetzt wieder zuviel des Guten war, ist Geschmackssache – zumindest habe ich etwas daran gedreht. Die Ursprungsversion sah aus, als hätte man sie garnicht überarbeitet.

Endergebnis: Mehr Raum zum Atmen, kräftigere Farben

Hier nochmal beide Fotos im Vergleich. Das Endergebnis, und dann das Ausgangsbild, rot umrandet darübergelegt.

Nur als Veranschaulichung das Foto abschließend auch in Schwarzweiß, um noch eine andere Variante zu bieten.

Also dann noch einmal alle drei hintereinander weg: Ausgangsfoto, bearbeitetes Bild in Farbe, Version in blaugetöntem Schwarzweiß.

Wenn Du noch andere Versionen dieses Motivs hast, würde ich sie mir unter den angesprochenen Gesichtspunkten noch einmal ansehen und unter Umständen ein anderes Bild auswählen und in Gimp nachbearbeiten.

 

2 Kommentare
  1. Tilman sagte:

    Eine tolle und interessante Besprechung, die ich mir auch gerne als Video angeguckt habe. Vielen Dank dafür, Sofie! Gut fand ich das Ende, wo Du das Original-Bild und die Resultate hintereinander zeigst. Das mache ich bei meinen eigenen Bildern auch so, um mir klar zu werden, ob die Änderungen wirklich sinnvoll waren.
    MfG, Tilman

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