Kostenloses E-Book: Produktfotografie am Esstisch

Ein Produktfotograf plaudert aus der Schule: Eberhard Schuy hat eine Einführung in die Produktfotografie geschrieben, die mit einfachen Mitteln auskommt. Der kostenlose Ratgeber ist als E-Book im PDF-Format zu beziehen.

Cover des Ebooks über Produktfotografie

Produktfotografie: Übertriebene Originalität führt nicht zum Ziel.

Produktfotografie? Wer will denn sowas? Nun: Alle, die was zu verkaufen haben. Das sind, stellt Eberhard Schuy gleich zu Beginn seines Büchleins fest, immer mehr auch Privatpersonen. Sie verkaufen übriges oder handgemachtes auf Ebay und diversen anderen Online-Märkten. Und langsam gewinnen die meisten dabei die Erkenntnis, dass eine gute Fotografie den Absatz enorm ankurbelt.

Worin liegt denn aber der Reiz oder wenigstens die Herausforderung der Produktfotografie? Vielleicht schon im Umstand, dass keine Menschen in den Bildern zu sehen sind: Menschen interessieren uns nämlich automatisch; alte Bügeleisen, Spielsachen oder Töpferwaren hingegen deutlich weniger. Also müssen diese Dinge so fotografiert werden, dass sie den Rückstand aufholen: Sie sollen interessant werden. Das schreit nach kreativer Umsetzung.

Und darin liegt ein Risiko:

Kleine Massnahme, grosse Wirkung: zweifach-Licht mit einem Fenster.

Kleine Massnahme, grosse Wirkung: zweifach-Licht mit einem Fenster.

Produktfotografie
Produktbilder einfach zu Hause fotografieren
Eberhard Schuy

55 Seiten, kostenlos
Verlag Wenz.de 2016
Nutzerlevel: Anfänger
Buchtyp: Lehrbuch
Preis/Leistung
Bildanteil
Tiefgang
Lerneffekt
Lesespass
Fokussiert-Wertung:
Die Idee, etwas fotografisch interessant zu machen, wird nur zu schnell zum Schuss, der nach hinten losgeht. Produktfotografien müssen nämlich zwingend den Gegenstand realistisch abbilden.  Sie müssen die Fragen des Betrachters so rasch wie möglich beantworten: Wie gross, wie geformt, wie neuwertig ist der Gegenstand? Und dieser Aspekt bremst die eben gerade geforderte Kreativität in guten Teilen wieder aus, oder verlagert sie auf eine andere Schiene. Eberhard Schuy sagt: «Sachfotografie hat zunächst weniger mit kreativen Entscheidungen und künstlerischem Spielraum zu tun als vielmehr mit kluger Komposition.»

Schuys Büchlein ist eine handwerklich gut gemachte und verständliche, anregende Einführung in die Produktfotografie mit einfachen Mitteln. Das liegt daran, dass das Buch auf Augenhöhe bleibt. Der Fotograf zeigt nicht, wie er mit teuren Installationen und Tischen, mit Scheinwerfern, Haarlack und Assistent im Studio ein Produkt ins beste Licht rückt. Er zeigt vielmehr, wie Du oder ich zu Hause auf dem Esstisch mit Tageslicht und einem Blatt Papier als Reflektor eine Zwei-Punkt-Beleuchtung des Spielzeugaustos und einen neutralen Hintergrund hinkriegen, der das Objekt plastisch hervortreten lässt.

«Ich wende all diese Regeln immer nur dann an, wenn ich mit einem Bild noch nicht zufrieden bin, aber nicht genau weiß, was ich ändern soll», schreibt er, nachdem er die Drittels-Regel und den Goldenen Schnitt kurz angedeutet und erklärt hat, dass eine optimale Ausleuchtung nicht in der totalen Gleichmässigkeit besteht, sondern darin, den Gegenstand von der richtigen Seite her mit deutlich helleren und dunkleren Seiten plastisch zu machen. «Verwenden Sie also Regeln, um Bilder im Zweifel zu überprüfen, aber nicht um damit dogmatisch Fotos zu gestalten.»

Und auch wenn Schuy keinen Zweifel dran lässt, dass Originalität in Form aussergewöhnlicher Blickwinkel und Inszenierungen in der Produktfotografie nichts verloren haben, zeigt er anhand des einen oder anderen Beispiels, wie man die Bilder spannender macht. Ein Aha-Erlebnis hatte ich beispielsweise bei der Anmerkung, dass vollkommen freigestellte Objekte häufig aussehen, als habe man sie aus einem Katalog ausgeschnitten. Schuy rät, «einen kleinen Schatten unter das Objekt zu setzen. Dies ist fast immer machbar, die Fotografie wird in diesem Fall als Freisteller akzeptiert und Ihr Foto wirkt nicht mehr wie ein Scherenschnitt, sondern wird als hochwertige und sehr saubere Abbildung wahrgenommen».

Das benötigte Material.

Das benötigte Material.

Das Buch führt über die Grunddefinitionen von Sachaufnahme, Produktfoto bis zum Still-Life und beleuchtet kurz die Eigenheiten jeden Genres. Es definiert den unteren Anforderungskatalog an Ausrüstung und Material (gute Bilder lassen sich mit praktisch jeder Kompaktkamera machen, Megapixel sind kein echtes Thema mehr, Nachbearbeitung ist nötig, aber bei ausreichender Sorgfalt während der Aufnahme reicht das mit jeder Kamera mitgelieferte Programm aus etc.).

Dabei bleibt das Büchlein auch für Amateure wie mich interessant, die eine gewisse Ahnung von Fotografie, aber kaum vom Genre der Sachfotografie haben.

Leider bleiben die wertvollen  Hinweise (note to self: Haftpaste kaufen (Affiliate-Link) – ich wusste nicht mal, dass es das gibt) durchwegs Einzelfälle. Zu jedem Aspekt, den Schuy berührt, gibt er einen Tipp. Nach dem ersten  guten Eindruck des Buchs wunderte ich mich auf Seite 39 (von 52), dass jetzt erst der Anleitungsteil anfängt, und wenige Minuten später folgte bereits die Überschrift «Resumée» – als ich grade richtig in Leselaune geraten bin.

Am Ende sitze ich da mit dem Gefühl, einen geschickt gemachten Prospekt für ein Buch des «aus Hörfunk und TV bekannten» Fotografen Eberhard Schuy gelesen zu haben.

Ein begründeter «Verdacht»: «Objektfotografie: Von der Sachaufnahme zur inszenierten Produktfotografie» heisst Schuys grosses Werk, und es kriegt auf Amazon fast durchgehend gute Kritiken. 

Das kleine Ebook ist geschicktes Content-Marketing, das sowohl für Schuy als auch für den Online-Händler wirkt, auf dessen Server das PDF liegt, zu dem wir hier dennoch verlinken wollen.

Denn was für die teure Bildbearbeitung gilt, die Schuy für den Hobbyfotografen nicht für notwendig hält, das gilt auch für die literarische Anleitung: Schuys Ebook kann als Einstieg in die Sachfotografie mit ein paar guten Anschüben durchaus genügen.

Download PDF: Eberhard Schuy – Produkte einfach zu Hause fotografieren

1 Antwort

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  1. […] Komposition dieser Aufnahme lässt uns etwas ratlos. Sie sieht zwar aus wie ein Produktfoto, sie kommt daher wie ein Produktfoto, sie riecht wie ein Produktfoto (wenn wir für einmal die […]

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