Sun-Sniper Rotaball Pro:
Schnellschuss-Kamerariemen

Der Kameragurt mit der Stativgewinde-Schraube, neu mit Zusatzfeatures wie Diebstahlschutz und Stopp-Clipp: Für Reportage- und Eventfotografen eine ebenso pragmatische wie handliche und solide Lösung.

Das Rotaball-Tragesystem von Sun-Sniper

Heiner Müller-Elsner mit dem Sun-Sniper Double Plus Harness

Ich mag einfache Ideen. Der Kameragurt von Sun-Sniper (Affiliate-Link) erweckt zwar gerne den Anschein, ein komplexes System zu sein – aus marketingtechnischen Gründen muss man das heute wohl. Aber eigentlich ist es einfach ein todsimples und genau deshalb ideales Konzept, wie man eine Kamera umhängen kann, ohne sie mit Riesengefummel im richtigen Moment ans Auge zu bringen. Das “System” hat indessen inzwischen ein paar kleine, ebenso einfache wie effektive Neuerungen gekriegt:

Rotaball Limiter am Sun-Sniper-Tragesystem

Der „Limiter“ am Gurt lässt die Kamera nicht zu weit rutschen

Der “Sun-Sniper Rotaball pro Single” (Gemerkt? Fünf Wörter zur Benamsung eines einzigen Tragegurts… ein System!)  ist ein Einzel-Kameragurt, der wie alle Sun-Sniper nicht an den Riemen-Ösen der Kamera, sondern mit einer Schraube am Stativgewinde festgemacht wird. So hängt die Kamera zwar “kopfüber” an dem über Kreuz über die Schulter getragenen Riemen. Aber genau das ist der Vorteil: Der typische schnelle Griff nach der Kamera geht nämlich seitlich an das Gehäuse und hebt sie mit einer 180-Grad Drehung vors Gesicht – das geht nicht, wenn sie erstens vor dem Bauch und zweitens an den beiden dafür gedachten Aufhängeösen in normaler Stellung am Riemen hängt.

Ich habe mir die Anschaffung des Riemens bis jetzt nicht geleistet. Dabei habe ich immer und immer wieder gehört, er sei super: Aber irgendwie schützt er die Kamera ja nicht, und wenn sie kopfüber an meiner Hüfte hängt, schlage ich sie doch ständig irgendwo gegen?  

Shock-Absorber und Unterarm-Pitt am Sun-Sniper Rotaball Pro

Shock-Absorber und Unterarm-Pitt am Sun-Sniper Rotaball Pro

Nein, tue ich nicht – habe ich festgestellt, nachdem ich den Rotaball jetzt doch noch testen konnte. Festzustellen war hingegen, dass ich meine Hände frei habe für die kleine festbrennweiten-Fuji, die ich mir umgehängt habe, und sobald ich die grosse Nikon mit dem langen Tele brauche, lasse ich die Fuji (in ihren Gurt) fallen und hole mit einem einzigen schwungvollen Griff die Nikon von meiner rechten Hüfte vors Auge. Genau so habe ich mir die Anwendung der Sun-Sniper Gurte vorgestellt, und so gestaltet sie sich auch: Ein kurzer Test mit dem neuen Rotaball-Sun-Sniper an einem Familienanlass hat fast nur Vorteile des Trageriemens zu Tage gefördert.

Die neuen Features des Tragesystems sind die kugellager-artige Aufhängung des Schraubanschlusses am Stativgewinde, welche eine freie Drehung der Kamera im Gurt ermöglicht. Ferner hat ein Plastikteil, das die Schraube im Kameraboden umgibt und zugleich eine Hemmung aufweist, die am Kameragehäuse ansteht, die Aufgabe, ein “nicht autorisiertes Abschrauben” der Kamera zu verhindern – der Nutzen der Sicherung hat sich mir nicht ganz eindeutig erschlossen, weil der “Connector Blocker” sich immer noch in jeder Lage von der Schraube schieben liess. Ich meine, eine sichere Blockade eines geschickten Langfingers im Menschengedränge kann das Teil fast nicht sein.

Seinen Job hervorragend erledigt dagegen der sogenannte „Limiter“, eine einfache Klemmschnalle am Gurt, die sich schnell an jede Stelle des Tragegurts verschieben und dort arretieren lässt: Er verhindert, dass die Kamera über einen bestimmten Punkt hinaus in im Gurt rutscht. Der Shock-Absorber am Schulterteil des mit einem Unter-Arm-Quergurts ausgerüsteten Riemens soll selbst bei Sprüngen des Fotografen Schläge in Schulter und und Rücken durch die in den Riemen fallende Kamera auffangen, und das tut er spürbar.

Der "Blocker" ist eine Sicherungskappe über dem Schraubanschluss des Sun-Sniper Pro

Der „Blocker“ ist eine Sicherungskappe über dem Schraubanschluss des Sun-Sniper Pro

Mich hat das System ehrlich gesagt mehr als überzeugt: Ich halte es für Fotografinnen, die an Events mit mehr als einer Kamera unterwegs sind, für absolut ideal. Eine Version kommt als Harness für je eine grosse Spiegelreflex am Rotaball und einem Brustgurt für eine kleinere Systemkamera dazwischen – die ultimative Ausrüstung für einen Fotoreporter, der mit drei Objektiven gleichzeitig jederzeit schussbereit sein will.

Auch der Einzelgurt ist seinen Preis von rund 90 Euro durchaus wert. Allerdings ist das System wahrscheinlich auf einem längeren Landgang auf der Kreuzfahrt oder einer Wanderung in den Bergen im falschen Einsatz.  Dort halte ich dann einen geeigneten Rucksack immer noch für das beste Tragemittel.

3 Antworten
  1. Sabine Münch says:

    Vorsicht mit dem Gurt, kann ich nur anraten. Meine Kamera ist mir mit dem Sniper auf dem Boden geknallt. Die Kamera war noch ziemlich neu ärgerlicherweise. Und die Reparatur teuer. Am Objektiv war glücklicherweise nichts, was ich eher nicht erwartet hatte.
    Grüße, Sabine

    Antworten
  2. Hendrik says:

    Danke für diesen informativen Artikel !
    Ein interessantes Tragesystem, denn ich kenne das Problem wenn man seine Kamera immer gegen die Hüfte knallt und mit der Zeit trägt die Kamera durchaus Schäden davon. Darum bin ich sehr dankbar dafür ,dass Sie diesen hilfreichen Artikel verfasst haben :)
    Ich werde mir wahrscheinlich so ein Tragesystem zulegen da es praktisch ist und zusätzlich vor Diebstahl sichert. Außerdem ist der Preis meiner Meinung nach durchaus gerechtfertigt für den Mehrwert den das Tragesystem einem als Fotografen bietet.
    Viele Güße

    Hendrik

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