Blumenfoto: Tulpen Isolieren

Blumen sind das meistfotografierte Objekt, denn sie sind schön anzusehen und halten still. Trotzdem verlangen sie den Fotografen einiges ab. Am besten wirken sie, wenn man die Blüten gegen einen Hintergrund „freistellt“.

Tulpenfotografie

Canon PowerShot G11, 1/320s bei Blende f/4 mit 10mm Brennweite und ISO 80

Andrea Wolf aus Hamburg: Ich liebe einfache Motive. Das vorliegende ist eher ein Zufallsprodukt. Ich liebe auch Tulpen und bin von dem Ergebnis überzeugt. Technisch lag hier keine Absicht vor (Zuwenig Know-how). Freue mich dennoch über eine Kritik!

Absicht steckt eigentlich hinter den meisten Blumen-Fotografien, und das Know-How kann man erwerben – so schlecht ist Dein Einstig nicht. Allein der Umstand, dass Du Dich auf die Höhe der Blüten herabgelassen uns sie nicht von oben herab fotografiert hast zeigt, dass Du Dir sehr wohl etwas überlegt hast!

In dieser Farbfotografie sind zwei Tulpenblüten vor einer Wiese zu erkennen. Eine  weinrote Blüte im Vorder- und eine gelbe im Hintergrund. Abgelichtet wurden sie dem Anschein nach bei Sonnenschein im Freien, wobei die Sonne relativ hoch stand.

Einfache Motive sind nicht unbedingt immer am einfachsten zu fotografieren: Das zeigt sich grade bei der Blumenfotografie, die ein weites Feld ist und von vielen Leuten betrieben wird – und sei es nur zum Testen der neuen Kamera.

Du hast hier technisch nicht viel falsch gemacht, vielleicht ist die Aufnahme etwas unterbelichtet (die Exif-Daten zeigen, dass eine Belichtungskorrektur von einem drittel Blendenwert eingestellt war: Jemand hat also der Kamera gesagt, sie soll etwas weniger lang belichten als normal), allerdings liegt halt auch der vordere Teil der weinroten Tulpenblüte im Schatten, die gelbe ist korrekt belichtet. Die Schärfe sitzt.

Was auf den ersten Blick auffällt, ist der nicht sonderlich unscharfe Hintergrund. Kompaktkameras haben dank ihrer meist recht kleinen Sensoren den Vorteil, dass man nahe an die Dinge heran kann und sie immer noch scharf stellen können. Der hier zu beobachtende Effekt ist allerdings der Preis: Die Schärfentiefe ist ebenfalls noch recht hoch, der Hintergrund wird generell bei kleinen Sensoren weniger stark verwischt als bei grossen Spiegelreflexkameras.

Deswegen haben die Kameras aber nicht selten einen „Makro-Modus“, der diesen Effekt ausgleicht und noch grössere Nähe zum Objekt erlaubt. Und rate mal, welches Symbol die Funktion bei den Knöpfen kennzeichnet? Richtig, eine Blumenblüte. Denn um sie von nahe zu fotografieren tut der Modus unter anderem seinen Dienst.

Es geht dabei darum, die festgewachsene Blume aus ihrer Umgebung heraus zu isolieren: „Freistellen“ nennt man den Effekt, der sowohl durch Unschärfe im Hintergrund (nah dran gehen, lange Brennweite und offene Blende verwenden) als auch farbliche Unterschiede und Belichtung (Blume im Licht, Hintergrund im Schatten) bewerkstelligt werden kann.

Ich habe kürzlich in meinem Garten den blühenden Klatschmohn abgelichtet und auf just diesen Effekt gesetzt. Ich habe dazu meiner Nikon D801 das längste 200mm-Objektiv (Affiliate-Link) bei Blende 2.8 verpasst – und konnte damit nicht scharf stellen, weil das Objektiv einen Mindestabstand von vollen drei Metern verlangt. Glücklicherweise bin ich im Besitz sogenannter Distanzringe. Die werden zwischen Objektiv und Kamera eingesetzt und erlauben dann die Verkürzung des Abstands zum Objekt. Allerdings verkürzt sich damit auch die Schärfentiefe ganz gehörig, aber das war, worauf ich es angelegt hatte. Eigentlich machen die Ringe also aus einem Tele- ein Makroobjektiv.

Mohnblütenblumenfotos-1

Mohnblüten gegen den grünen Hintergrund ©PS

Mohnblütenfotografie

Mohnblüten gegen sehr dunklen Hintergrund freigestellt.

Ich habe zunächst versucht, die Mohnblütengruppe mit Unschärfe vom Rasen dahinter abzuheben. In einem zweiten Anlauf habe ich die dunklen Tannen benutzt, um das Leuchten der papierdünnen Blütenblätter vor einem nahezu schwarz wirkenden Hintergrund zu betonen.

Das sind meine Tipps hier zur Tulpenaufnahmen, für die Du ja schon sehr tief in die Knie gegangen bist: Du hättest erstens ein bisschen länger belichten und vielleicht den Makro-Modus benutzen können. Dann wäre das Bild heller (erste simulierte Aufnahme unten) und im zweiten Anlauf mit deutlich unschärferem Hintergrund gelungen.

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Und dann hättest Du versuchen können, einen unscharfen Hintergrund zu verwenden, der sich farblich abhebt von den Blüten: Ein Gang rund um die Blumen hätte sicherlich irgendwas ins Blickfeld geschoben, das dazu hätte dienen können.

Ich habe diese Effekte mit Manipulationen (sehr unsauberen!) in Photoshop simuliert.

Ich denke, sie zeigen das Potential deiner Aufnahme.

Was die Komposition angeht, sind auch einfachste Motive dankbar dafür, dass man sie bewusst in einen dynamischen Rahmen stellt und sie nicht in jedem Fall einfach genau mittig ins Bild rückt. Aber wenn man den Blüten so auf die Blätter rückt wie Du hier, ist die formatfüllende Zentrierung keine schlechte Wahl.

Tulpen heller

Zuerst wird das Bild aufgehellt…

Tulpen freigestellt

…dann wird der Hintergrund in der Tiefen-Unschärfe verwischt…

Tulpen dunkler

…und der dann noch abgedunkelt.

2 Kommentare

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] lange Brennweite mit einer fast halboffenen Blende kombiniert, wodurch der Schmetterling selbst gut freigestellt wurde, seine Umgebung aber […]

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