Surfing in High Key: „Eyes burning, salt on your lips“

Nachbearbeitung ist immer die Entscheidung des Fotografen, und wenn dieser sich für High Key entscheidet, kann aus einem Bild etwas ganz anderes werden.

2014_eyes-burning_maxmauthner

Max Mauthner aus Graz schreibt zu diesem Bild:

Dieses Foto entstand im September 2014 an der Südwestküste Frankreichs. Die zwei Surfer im Vordergrund sowie die weiteren Personen im Hintergrund ergaben für mich ein sehr gutes Fotomotiv. Jedoch war ich zu diesem Zeitpunkt mit der Lichtsituation und mit den Farben nicht zufrieden. Erst zu Hause im Rahmen der Nachbearbeitung und nach Umwandlung in ein Schwarzweißfoto entsprach das Foto meinen Vorstellungen. Nach langem Herumspielen mit Kontrast und Helligkeit entstand für mich mein Lieblingsfoto dieses Surf-Trips.

Canon 600D, ISO 100, 55mm, f / 5.6, 1/1000 Sek.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier das Buch „Surfing“ von Jim Heimann rezensiert, das auch der Hauptpreis für das beste Foto ist, das uns zu unserem Leser-Fotobuch-Projekt „Doppelt Gesehen“ eingereicht wird. Surfing ist mittlerweile mehr als nur ein Sport, es ist ein Kulturphänomen, und in bestimmer Weise schon fast ein Kult – es bedeutet, cool und frei zu sein, und für manche füllt es ihr Leben vollkommen aus.

Dieses Gefühl der Freiheit findet sich stimmungsmäßig in Deinem Foto wieder. Man sieht links Strand, rechts das Meer. Zwei Silhouetten mit Surfbrettern stehen auf dem Sand, dem Wasser zugewandt, und sind offensichtlich kurz davor, wieder die nächste perfekte Welle zu suchen. Im Wasser selbst befinden sich viele kleinere Gestalten, die sich auch noch im letzten Licht dort tummeln.

Die EXIF-Daten sind im Bereich des Erwartbaren – kleiner ISO, schnelle Verschlusszeit und so weiter.

Kompositionell befinden sich die beiden Leute mit den Brettern links genau horizontal im Goldenen Schnitt (rosa), jedoch vertikal aus ihm heraus verschoben (Drittelregel in grün, Bildmitte in hellblau). Der ungefähre natürliche Horizont ist etwas über der Bildmitte angeordnet (gelb), und alle Personen befinden sich optisch darunter.

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Du hast Dich hinsichtlich der Nachbearbeitung für eine Art High Key entschieden. Das Wasser verläuft hinten visuell ins Nichts und verschmilzt dann mit dem Himmel; einige Stellen im Wasser rechts sind ausgebrannt. Wolken hängen wie ein Baldachin darüber.

Erst habe ich gedacht, es sei einfach nur sehr dunstig gewesen, wie es am Meer manchmal um die Zeit so sein kann – bis ich das Foto extrem nachgedunkelt habe, um den Horizont ausmachen zu können. Und siehe da, man entdeckt plötzlich, dass es da noch eine ganz andere Perspektive gibt:

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Es war tatsächlich dunstig, aber jetzt tauchen in diesem Dunst schemenhaft Felsen auf. Der Himmel, jetzt mit mehr Dramatik, separiert sich vom Wasser, und wo vorher eine praktische weiße Wand im Hintergrund war, ist jetzt Tiefe. Da die Menschen im Foto sowieso schon eher als Scherenschnitt vorhanden waren, verliert man auch beim Nachdunkeln keine Details, und die ausgebrannten Stellen im Wasser sind auch alle weg.

Das Histogramm Deines eingereichten Bildes ist denn auch sehr stark nach rechts zum Hellen hin verschoben, während die von mir eingefügte Korrekturebene es weiter nach links rückt (Helligkeit/Kontrast, mit einer Helligkeitsanpassung von -71).

Du schreibst, Du habest den Kontrast und die Helligkeit absichtlich so gewählt, und in dieser Form in Schwarzweiß sei es Dein Lieblingsfoto von diesem Trip. Das ist selbstverständlich Deine individuelle Entscheidung, aber ich meine, Du verlierst dadurch optisch Tiefe, ohne ansonsten wirklich etwas dazuzugewinnen. In jedem Fall fühle ich aber auch in Deiner Version, was Du gefühlt haben musst, als Du an diesem Strand warst und aufs Meer geblickt hast, und in diesem Sinne ist es ein absolut erfolgreiches Foto, das denen in „Surfing“ in nichts nachsteht.

6 Kommentare
    • Ambitious sagte:

      Auch mir gefällt das Original besser, und ich würde hier auch nicht (nur) den Himmel zurückholen wollen, denn das helle Ausgangsbild symbolisiert aus meiner Sicht viel eher die Leichtigkeit des Seins eines Surfers als die düsterere Nachbearbeitung. Hier finde ich den „üblichen Weg“ des Zurückholens der Details tatsächlich kontraproduktiv.
      Vielen Dank an den Fotografen und an Sofie für die konstruktive Kritik!

      Gruß, Marc

  1. Sofie Dittmann
    Sofie Dittmann sagte:

    Aus dem Grund betone ich ja immer wieder: Nachbearbeitung ist die Entscheidung des Fotografen, solange er/sie überhaupt nachbearbeitet und nicht „Nachbearbeitungsasket“ ist. Was ich hier wahrscheinlich unter dem Strich gemacht hätte, ist, den High Key unten so beizubehalten, aber nach hinten/oben hin das ursprüngliche Foto etwas zurückzuholen. Das beste beider Welten sozusagen.

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    • Steffen sagte:

      Ich könnte mir auch gut eine Variante vorstellen. Quasi Vordergrund bis dahin wo Vordergrund und Hintergrund verschmelzen beibehalten (mit der Verschmelzung) und den Himmel (beispielsweise mit dem Verlaufstool in Lightroom) etwas abdunkeln. Aber nicht zu viel das es insgesamt zu dunkel wird. Die eingereichte Version ist aber auch schon sehr gelungen.

  2. Stefan sagte:

    Ein schönes Bild und eine interessante Besprechung! Aber ich muss mich Tilman anschließen – auch mir gefällt die ursprüngliche High-Key-Variante besser. Ich mag das Grafische, fast Surrealistische daran. Aber wie schön, dass es nicht die eine wahre Lösung gibt…

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  3. Tilman sagte:

    Tolles Bild, interessante Besprechung. Danke!
    « ansonsten wirklich etwas dazuzugewinnen » Für mich gibt es doch eine kleine Nuance. In der high-key Version, ist das Bild bei den Silhouten zu Ende, sie heben sich toll vom Hintergrund ab. Bei der nachgedunkelten Version, dagegen, schweift das Auge weiter nach hinten, und erkennt schemenhaft die Pyrenäen… Auch wenn ich die Berge liebe… ich bevorzuge die hey-key Variante, die Personen sehen besser aus. Vielleicht könnte man sie sogar noch etwas abdunkeln?
    MfG, Tilman

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