Wahrheitsanspruch: Fotografie und die Realität

10 Kommentare
  1. Avatar
    Jürgen Felger sagte:

    Die indigenen Völker werden zwar keine Autos kennen und ungewöhnliche Emotionen dazu entwickeln, wenn überhaupt. Gleichwohl werden sie Gesichtsausdrücke kennen und entsprechend unmittelbar mitfühlen, finde ich: „Nicht real aber Kino-Bilder wirken“ https://youtu.be/KX3ZpSX6Zyw Die Erfahrung wird stets mit dem Neuen verknüpft.

    Antworten
  2. Avatar
    Kai R. sagte:

    Schöner Artikel. Je länger man sich mit der Fotografie beschäftigt, desto mehr sollte einem eigentlich klar werden, dass es viele „Realitäten“ gibt. Jeder Mensch hat seinen eigenen (gedanklichen) Kosmos und eigene Weltanschauung.

    Was jemand fotografiert, welchen „Auschnitt“ der vermeintlichen Realität oder „Wahrheit“ er für ein Foto auswählt, ist immer eine individuelle Sache. Das ein Bild immer nur einen Teil der Realität zeigt ist im Text ja schön beschrieben worden.

    Fotografie verfolgt ja auch sehr unterschiedliche Zwecke. Sie ist zwar auch ein Mittel zur Dokumention aber das ist ja nur ein Zweck von vielen. Eine Bildaussage ist ja nicht nur vom Motiv abhängig, sondern auch vom Zusammenhang in dem ein Bild gezeigt wird.

    Ich habe vor längerem mal einen ähnlichen aber längst nicht so ausführlichen Artikel über dieses Thema geschrieben und verlinke den mal weil ich denke, dass er ganz gut zu diesem hier passt:

    https://www.pekaru.de/ein-motiv-zwei-bilder/

    Antworten
  3. Avatar
    Marco sagte:

    Hey Darius,

    ich sehe es genau so wie du und auch meine Vorredner. Vor allem der Satz „Wenn Fotografie nur die Realität abbilden würde… so wäre fotografieren keine kreative Tätigkeit mehr und langweilig. “ von Tilmann ist absolut richtig. Ich persönlich will mit meinen Bildern nicht nur die Realität wiederspiegeln, sondern aus der Realität auch Kunst schaffen.

    Viele Grüße
    Marco

    Antworten
  4. Avatar
    Marcus Leusch sagte:

    @ Darius Ortmann



    Lesenswerter Artikel mit guten „sprechenden“ Beispielen. Das ließe sich durchaus auch auf das Medium Fernsehen übertragen, wo die endlos laufenden Bilder immer wieder mit der Wirklichkeit verwechselt werden wie beim Kasperle im Puppentheater („We are made of such stuff as dreams are made on and our little life is roundet with a sleep.“ Shakespeare, The Tempest). Bei dem, was Du unter „Realität“ verstehst, fragt man sich unvermittelt, wie (eng) Wahrheit und Lüge miteinander korrespondieren? Aber das ist wahrscheinlich eine Aufgabe, an der sich die Geister abarbeiten und scheiden bis zum Sanktnimmerleinstag.

    Bei dpa und anderen Nachrichtenagenturen ist man übrigens dazu übergegangen, JPG-Dateien den Vorzug zu geben – kein/weniger Photoshop ist hier also gewissermaßen der Qualitätsnachweis für das authentische (wahrhaftige) Bild. – Was für eine Verkennung im digitalen Zeitalter, wenn Dein Schlusssatz stimmen sollte: „Die fotografische Realität ist eine Illusion.“

    

Beste Grüße
    Marcus

    Antworten
    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann sagte:

      Danke schön.
      Ich habe ja erwähnt, dass es verschiedene Definitionen bzw. Thesen gibt, was Realität ist. Und das sowohl in der Philosophie, wie auch in der Physik. In diesem Zusammenhang ist es allerdings nicht ganz so komplex, da es nur um den Wahrheitsanspruch geht.

      Es gab bisher schon ein paar kleine Skandale, bei denen man z.B. Teilnehmern am World Press Photo Award nachgewiesen hat, dass ihre Bilder retuschiert sind. Wie ich beschrieben habe, kann man mit Bildern auch prima manipulieren, ohne dass man das Bild selbst bearbeitet. Dennoch haben der Journalismus und die Dokumentation eine gewisse Sonderstellung, da der Betrachter erwartet, dass zumindest das auf dem Bild Abgebildete „echt“ ist.

  5. Avatar
    Tilman sagte:

    Kann Dir bei allen Aussagen zustimmen, Darius! Danke für den interessanten Artikel. Wenn Fotografie nur die Realität abbilden würde… so wäre fotografieren keine kreative Tätigkeit mehr und langweilig. Im Gegenteil, es ist ja gerade spannend, wie man durch geschickte Manipulation Gefühle und Meinungen erzeugen kann. Das nutzen auch Fotojournalisten, auch wenn ihr Anspruch ist, die Realität abzubilden.

    Antworten
    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann sagte:

      Danke schön.
      Interessanter Gedanke, den ich teilen kann. Eine Kamera, die die Realität wiedergeben könnte, wäre quasi so etwas, wie ein „dummer“ Rekorder.

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Ich wiederhole mich: Fotografie ist per se Abstraktion, weil sie aus einem komplexen Ganzen immer einen winzigen Ausschnitt (ein paar Grad aus 360) abbildet, und dieser Ausschnitt kann verallgemeinern, vereinfachen, verfremden oder sogar sehr konkret tun, und da… […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar zu Marco Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.