Strandfoto: Zeig mir das Meer

Man kann auch im Urlaub und mit der eigenen Verwandtschaft statt nur schöne Erinnerungsfotos mal ein tolles Konzeptbild schiessen.

Canon EOS 700D 1/2000s bei Blende 4.5 mit 35mm Brennweite und ISO 100

Canon EOS 700D 1/2000s bei Blende 4.5 mit 35mm Brennweite und ISO 100

Dany Suko aus Meerbusch schreibt zu diesem Bild: Juist 2016. Die kleine der beiden Cousinen ist zum ersten Mal am Strand.

Zwei kleine Mädchen spazieren im linken Drittel dieser Farbaufnahme an einem Sandstrand Richtung Meer, das im horizontalen Goldenen Schnitt gerade noch als blauer Streifen erkennbar ist. Links von den beiden steht eine Metallstruktur im Sand, weit weg am Wasser sind noch knapp einzelne Menschen erkennbar.

Ich staune bisweilen, dass es heute nochMenschen gibt, die mit der Spiegelreflex ans Meer gehen. Könnte ja Sand reingeraten, und das iPhone macht doch auch suuuper Bilder…

Ernsthaft: Nichts gegen das iPhone oder Handyfotografie generell. Aber die grossen Kästen haben eben auch was für sich. Du zeigst das hier sehr schön mit dieser Fotografie.

Technisch alles im Rahmen: Schön ist die Brennweite, die den Strand so gross macht, der Du aber noch dazu mit einer extrem tiefen Kameraposition eine Vordergrundunschärfe verliehen hast: Hier haben wir den Umkehr-Effekt des Zusammenziehens mit dem Tele, mit dem man beispielsweise die Köpfe auf dem Gehsteig einer geraden Strasse zu einer dicht gedrängten Menschenmasse zusammenzieht.

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Mit dem Weitwinkel (wobei sich das 35mm-Objektiv auf der Crop-Kamera mit Faktor 1.6 ungefähr verhält wie im Vollformat ein 50mm-Normalobjektiv) streckst Du den Raum und dehnst ihn nach hinten aus. Das führt zwar dazu, dass man das Meer kaum mehr sieht, aber der dünne Streifen reicht aus für Deine Bildaussage.

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Die Komposition ist sehr klassisch: Die beiden Mädchen sind exakt im seitlichen Drittel platziert; in der Vertikalen hast Du das Meer dagegen genau in den goldenen Schnitt gelegt.

Das alles funktioniert prima in diesem insgesamt sehr einfachen Bild, so dass man sich augenblicklich die Haltung und die Beziehung der beiden Mädchen genauer anschaut, und die ist allerliebst.

Bleibt der Balken im Auge, nämlich dieses ärgerliche Gestell hier mitten in der Sandweite, das mich sehr ablenkt. Ich habe es deshalb schlicht und sehr einfach in Lightroom weggeklont. Ich finde, ohne hier in die Bildmanipulations-Debatte zu rutschen: Menschen aus Fotografien weg zu retuschieren, die nicht in die Stimmung passen, geht auch in der künstlerischen Strassenfotografie nicht an. Ein Metallgestell aus einem ansonsten fast grafischen Erinnerungsfoto mit  künstlerischem Anspruch raus zu klonen ist was anderes. Und vertretbar.

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Ich bin deswegen gleich noch weiter gegangen und habe die Menschen am Wasser ebenfalls eliminiert… Dabei ging’s mir schon fast nur noch um die Provokation (ein Schiff auf dem Wasser wurde dafür dupliziert, habe ich gemerkt.) Ich habe ausserdem das ganze Bild leicht abgedunkelt, die Tiefen abgesenkt und  eine leichte Vignette hinzugefügt.

Nötig ist das alles nicht unbedingt. Bloss der Stock da links, der muss weg…

2 Kommentare
  1. Heidrun STRASSER sagte:

    In der Spiegel-Korrektur sind die beiden Mädchen in der Bildmitte positioniert – gibt dem Bild mehr „Ziel-Sog“, wie ich finde.

    Die Abdunkelung tut dem Vordergrund gut. Der Hintergrund bekommt durch die dadurch stärker hervortretende Ellipsenform etwas Ufo-artig Unnatürliches.

    Zu Gestell/Menschen habe ich eine etwas ambivalente Wahrnehmung. Ohne wird das Bild abstrakter, mit spürt man umgebendes Leben und das Lebensgefühl der Mädchen im Moment der Aufnahme.

    Würde mich interessieren, wie der Kritiker und andere das sehen!

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  2. mthews sagte:

    Ein wirklich schönes Bild und mir gefällt es besser *mit* dem Gestell. Es gibt dem Ganzen ein zusätzliches, nützliches Strukturelement. Ohne dieses scheinen die Mädchen optisch ein wenig haltlos nach links aus dem Bild wegzulaufen; der Balken gibt ihnen scheinbar Richtung. Und schließlich – zu perfekte Bilder sind nicht immer die interessantesten. Vielleicht sollte man den „Stock“ so sehen wie den Schönheitsfleck im Gesicht schöner Frauen, der ja die Perfektion auch nicht zerstört, sondern hervorhebt.

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