Stitching:
Hochauflösende Bilder
für große Drucke

Immer wieder treffen wir beeindruckende Landschafts- und andere Fotografien an, die in grossformatigem Druck richtig wirken würden, aber deren Auflösung dazu nicht ausreicht. Die Möglichkeit für Bilder mit erheblich höherer Auflösung heisst «Stitching».

Sony NEX-7 infrarot mit Leica 35mm Summilux, stitch aus 4 Bildern Hochformat

Sony NEX-7 infrarot mit Leica 35mm Summilux, stitch aus 4 Bildern Hochformat

Dieses Bild hängt in meiner Wohnung – in zwei Metern Breite.

Meine Landschaftsfotografien sind zum überwiegenden Teil gestitcht. Das heißt, aus mehreren Einzelbildern zusammen gesetzt. Wenn man das noch nicht ausprobiert hat, klingt das vielleicht etwas kompliziert und aufwändig. Nach wenigen Tests wird man aber feststellen, dass dies nicht der Fall ist. Den Test kann jeder sofort in seiner Umgebung machen, dafür muss man nicht im Urlaub sein.
Vor ca. 12 Jahren bin ich damit angefangen, da mir die 6 MP der Nikon D70 für die gewünschten großen Prints nicht ausreichten. Diese habe ich dann aus 5 oder 6 Hochformat-Aufnahmen gemacht und auf bis zu 150cm Breite gedruckt. Dafür hatte ich mir einen sehr preiswerten Panoramakopf mit Nodal-Einstellung gekauft (Panosaurus). Für Landschaften benutze ich diesen schon seit vielen Jahren nicht mehr und mache die meisten Aufnahmen aus der Hand. Wichtig dabei ist nur, dass man sich nicht großzügig um die Körperachse dreht, sondern möglichst um die Kameraachse!

Zuerst die Einschränkungen beim Stitchen:
  • Es ist natürlich nur für weitgehend statische Motive geeignet, bei Wasser kann es also schwierig werden.
  • Es versteht sich von selbst, dass die Kamera voll auf manuell geschaltet werden sollte, damit die Belichtung und Fokus der Einzelbilder nachher zusammen passen.
  • Bei schnell ziehenden Wolken kann dies auch zum Problem werden, da sich die Belichtung zwischen den einzelnen Aufnahmen zu schnell ändert.
  • Der Einsatz von Polfiltern kann auch zu unnatürlicher Abbildung im Himmelsblau führen, wenn ein zu großer horizontaler Winkel bestrichen wird.
Die Vorteile des Stitchens

Wie schon erwähnt, erreicht man damit eine nahezu beliebige Erhöhung der Auflösung. Ich habe Aufnahmen aus bis zu 200 Einzelbildern gemacht und damit bis zu 800 MP Bilder aus einer 10 MP Kompaktkamera erzeugt. Hier ist ein Beispiel bei Gigapan mit ca. 480 MP  – Panorama size: 477 megapixels (40771 x 11715 pixels) Input images: 126 (18 columns by 7 rows. Man kann mit Doppelklick fast endlos hinein zoomen.

Der größere Vorteil ist aber, dass man damit jeden beliebigen Bildwinkel mit fast jedem Objektiv erreichten kann. Mit einem 75mm unterwegs sah ich ungeplant schöne Bilder, die ein WW erfordert hätten. So habe ich damit dann die Bilder gestitcht (auch mehrreihig aus der Hand, s. unten!). Oft nehme ich auch (meistens im Hochformat) noch links und rechts großzügig etwas mehr ins Bild, um nachher in der Bearbeitung den endgültigen Ausschnitt zu wählen. Wichtig ist immer, genug Überlappung bei den Bildern einzuplanen (20-30%)!

Software zum Stitchen gibt es sehr viel. Ich benutze in den letzten Jahren meistens den kostenlosen ICE von MS (nur für Windows). Der ICE ist nach meiner Erfahrung der weitaus schnellste, für 5 Bilder von 42 MP keine 60 Sekunden.

Mein Rat: unbedingt mal ausprobieren!

Bildbeispiele

Zum Vergleich ein Bild mit 21mm und dem Ergebnis aus zusammen gesetzten Bildern mit 35mm Brennweite, beide Aufnahmen mit Polfilter. Das Motiv ist hierbei nichts Besonderes, nur für den Vergleich gemacht.

Kamera: Sony A7RII (42 MP) mit Sony 16-35mm Vario-Tessar T FE F4 ZA OSS

Aufnahme mit 21mm (ca. 7.900 Breite)

Aufnahme mit 21mm (ca. 7.900 Breite)

Aufnahme mit 21mm (ca. 7.900 Breite)

gleiche Position mit 35mm aus der Hand
stitch aus 3 Bildern in Hochformat (je 250 MB) mit ICE braucht 25 Sekunden, Ergebnis ca. 12.000 Pixel Breite

stitch aus 3 Bildern in Hochformat

stitch aus 3 Bildern in Hochformat

eine weitere Option für ein richtiges Panorama:
stitch aus 2 Bildern nebeneinander, hier mit 21mm, der rechte Teil entspricht dem rechten Einzelbild

stitch aus 2 Bildern nebeneinander, 21mm

stitch aus 2 Bildern nebeneinander, 21mm

stitch aus 2 Bildern nebeneinander

stitch aus 2 Bildern nebeneinander

S/W Bearbeitung mit Nik Silver Efex entsprechend dem besprochenen Bild von Peter Drechsel

stitch aus 4 Bildern in 2 Reihen aus der Hand

stitch aus 4 Bildern in 2 Reihen aus der Hand

Leica M Monochrom mit Apo-Summicron-M 1:2/75 mm ASPH.
ich hatte nur das 75mm bei mir, deshalb stitch aus 4 Bildern in 2 Reihen aus der Hand

1 Antwort
  1. dierk
    dierk says:

    da vielleicht auch andere diese Frage haben, möchte ich sie hier zusammen mit den Antworten posten:

    Hallo Dierk Topp,

    ich habe ein paar Fragen zu Ihrem Beitrag und generell zum Thema Skitching:
    Zoomt man möglichst weit ran (Ich besitze die Sony HX400V mit einem 50-fachem optischem Zoom) um bestmögliche Qualität zu erhalten oder belässt man es bei ein paar Schwenks mit ein wenig zoom?
    In Ihrem Artikel hatten sie gesagt, dass manche Ihrer Bilder aus 200 Einzelbildern bestehen. Wie macht man das genau? Alles aus der Hand, oder gibt es dafür extra Stative? Und wie kann ich mir sicher sein das ich bei 200 Bildern nicht einen Teil vergessen habe?

    Bereits vielen Dank!
    Gruß Kolja Krohne

    ————————————————
    Hallo Kolja,
    es freut mich, wenn der Artikel anregt, das Stitchen einmal auszuprobieren :-)

    Wichtig scheint mir bei der Aufnahme die Überlegung, wofür du diese verwenden willst. Wie ich schrieb, habe ich Drucke auf Leinwand mit 2m Kantenlänge (jetzt aktuell sogar mit 4,80m Kantenlänge) anfertigen lassen. Dafür braucht man aber keine 200 Einzelbilder! Für die Drucke auf Leinwand reichen ca. 80 DPI (dots per inch), d.h. 80 Pixel pro 2,5 cm Druck, gut aus. Du würdest also bei 2,50m Breite nur ca. 8.000 Pixel brauchen (nicht mit Megapixel des Sensors verwechseln!). Deine Sony bietet 5.184 x 3.888 Pixel, es würden also 2 gestitchte Bilder für so einen Druck schon ausreichen.

    Wie oben schon erwähnt ist grundsätzlich wichtig:

    * das Motiv sollte möglichst statisch sein!
    * alle Einstellungen auf manuell (Fokus, Belichtung, ISO)!!
    * eine Brennweite, mit der du das Motiv mit einigen Aufnahmen abdecken kannst (kann also eine leichte Telebrennweite sein oder auch ein Tele bei größeren Entfernungen)
    * beim Schwenken der Kamera versuchen, um die Kamera und nicht um den ganzen Körper zu schwenken, dabei kann ein Stativ natürlich helfen (wenn es ganz perfekt sein soll, mit Nodalpunkt Panoramakopf), mit etwas Übung braucht man es aber bald nicht mehr
    * reichlich Überlappung vorsehen, damit das Programm die Übergänge findet
    * erst einmal mit etwas Unwichtigem üben, z.B. vor der Haustür oder einfach aus dem Fenster heraus, es reichen zum Üben ja 2 oder 3 Aufnahmen
    * eine Software zum Stitchen installieren (Photoshop kann es z.B., ich benutze meistens den kostenlosen ICE von Microsoft, der ist auch am Schnellsten)

    Für die erwähnten 200 Bilder habe ich einen motorgetriebenen Panoramakopf von Gigapan benutzt, der alles automatisch macht. Der Link ist auch in dem Artikel:
    Hier ist ein Beispiel bei Gigapan mit ca. 480 MP – Panorama size: 477 megapixels (40771 x 11715 pixels) Input images: 126 (18 columns by 7 rows. Man kann mit Doppelklick fast endlos hinein zoomen.

    ich hoffe, dass du damit etwas anfangen kannst. Viel Spaß und Erfolg dabei.
    VG
    dierk

    ————————————————————–

    Hallo Dierk,
    erst einmal vielen Dank für deine Antwort!
    Verwenden möchte ich die Bilder ebenso auf einer Leinwand. Über die Größe habe ich mit noch keine Gedanken gemacht, aber größer als 2 Meter auf jeden Fall nicht. Von daher ist das ja „relativ simpel“.
    Zum Stitchen habe ich Photoshop benutzt, da bei ICE von Microsoft das Bild leider einen minimalen Fish-Eye Effekt bekommen hat.

    Ich probiere jetzt noch ein wenig herum und vielleicht schicke ich dann mal ein Panorama zur Bildkritik ein ;)
    Nochmals vielen Dank für die hilfreichen Antworten!
    Gruß Kolja

    ————————————————————-

    Hallo Kolja,
    noch eine Anmerkung zu dem angesprochenen Fish-Eye Effekt. Dieser Effekt ist reine Physik und Optik und tritt immer auf, wenn das Objektiv während der Aufnahme bewegt wird. Gut zu sehen bei Kameras, die diese Technik benutzen wie z.B. die von Noblex oder die Russische Horizon 2002. Hier sind meine Bilder aus der Horizon 2002, bei Landschaften ist dieser Effekt jedoch nicht sehr auffällig.
    https://www.flickr.com/photos/dierktopp/albums/72157644195467248
    Dies gilt auch für gestitchte Landschaftsaufnahmen.

    Zum stitchen mit Photoshop oder ICE: PS bietet als sogenanntes Layout verschiedene Optionen an, mit denen die Verzeichnung korrigiert werden kann. Dies ist auch bei ICE möglich und versteckt sich beim 1. Import unter „Camera motion“ und wird oft automatisch richtig erkannt oder wird bei 2. Stitch unter „Projection“ angeboten. Da kann man dann schnell die richtige Einstellung ausprobieren.

    Ich benutze am liebsten den ICE. Der braucht für meine oft 10 oder mehr Aufnahmen mit 42 MPixel etwa eine Minute, bei PS muss ich da sehr lange warten.

    VG
    dierk

    Antworten

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