Architekturfoto: Gegensätze ziehen sich an

Das Spiel mit Gegensätzen ist so alt wie die Kunst. Das Gegenüberstellen unterschiedlicher Teile ist sehr wirkungsvoll und deshalb auch bei Fotografen sehr beliebt.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dominik Dobler).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist im Vorbeigehen entstanden, ich hatte nur einen kurzen Moment zur Aufnahme. Dennnoch habe ich versucht, in der kurzen Zeit einen interessanten Ausschnitt und Perspektive zu wählen. Es zeigt das Vordach eines sehr bekannten Wiener Kunsthauses. Kein Beschnitt, als Bildbearbeitung nur die sw Umwandlung.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Dominik Dobler:

Gegenüberstellungen sind in der Fotografie zu Recht sehr populär. Sie geben den Bildern eine spezielle Wirkung und erklären dem Betrachter, wieso der Fotograf die Aufnahme auch gemacht hat. Dieser erzählende Aspekt solcher Gegenüberstellungen ist für das Verständnis und die Wirkung eines Bildes genauso wichtig wie die formalen Faktoren der beiden Bildbereiche.

Dominik Dobler zeigt uns bei seiner Aufnahme einen grafisch sehr klar und stark wirkenden Ausschnitt des von Hans Hollein entworfener Dachflügel namens „Soravia Wing“. Dieser sehr moderne Bauteil (Baujahr 2003) steht im Gegensatz zu den älteren Bauteilen des Gebäudes aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Das Spiel der Formen ist Dominik Dobler gut gelungen. Das Dach wirkt sehr grafisch und kraftvoll, die älteren angeschnittenen Bauteile kokurrenzieren diese starke Form nicht.

Allerdings frage ich mich, ob der Gegensatz zwischen Alt und Jung hier wirklich gut zum Tragen kommt. Die Verspieltheit des alten Gebäudes kommt in diesem kleinen Detailausschnitt nicht richtig zur Geltung. Auch die gezeigten Teile wirken sehr kantig und hart, anders als es die Fassade mit den barocken Figuren zeigt.

Auch fehlt mir bei dieser Aufnahme einen klaren Größenbezug. Vielleicht wäre ein sitzender Mensch ganz an der Kante des alten Gebäudes eine perfekte Ergänzung gewesen (auch wenn natürlich solche „Zufälle“ selten sind. So reduziert sich die Wirkung vor allem auf das unbestritten gute Formenspiel.

Ich würde bei dieser Aufnahme noch überprüfen, ob das leicht nach oben laufende Dach nicht besser wirkt, wenn es genau horizontal ausgerichtet wird. Manchmal haben solche kleine, aber doch wichtige Änderungen einen grossen Einfluss auf die Bildwirkung.

Fazit: Ein sehr schönes Spiel mit Formen, die Gegenüberstellung könnte aber noch etwas klarer und wirkungsvoller sein.

 

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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