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Du bist hier: Startseite1 / Biene auf Blume: Zuviel Drumherum2 / Bildkritik3 / Natur/Tier4 / Biene auf Blume: Zuviel Drumherum
Mark Piontek

Biene auf Blume: Zuviel Drumherum

13. Juli 2016/13 Kommentare/in Bildkritik, Natur/Tier/von Mark Piontek

Durch Konzentration auf den wichtigen Bildinhalt kann die Bildaussage wesentlich verstärkt werden. Oder, wie Robert Capa sagte: Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.

Eine Blume mit besuchender Biene.

Eine Blume mit besuchender Biene. © Jonny Michel. Nikon D300, 1/320s bei f/11 mit 200mm und ISO 200

Jonny Michel aus Chemnitz zu diesem Bild: Entstanden auf Garte- und Blumenschau in Erfurt 2012

Für diejenigen (wie mich), die sich an die Brennweiten vom 35mm Kleinbild gewöhnt haben, entspricht die von Dir für diese Fotografie gewählte Brennweite derjenigen von 300mm, das ist also schon ein  längeres Teleobjektiv. Die Belichtungsdaten und der Schattenwurf deuten auf helles Tageslicht hin. Die Belichtung passt, da gibt es wenig Worte darüber zu verlieren.

Wie der Titel nicht anders erwarten lässt, sehe ich eine Biene, die sich auf einer Blume niedergelassen hat.

Der orange Blütenstand ist umgeben von inneren gelben und äußeren roten Blättern. Die Blüte ist von einigen Stängeln und einer angeschnittenen Blüte sowie von unscharf abgebildetem, aber dennoch unruhig vom Hauptmotiv ablenkendem Begleitgrün umgeben. Durch den Farbkontrast der Komplementärfarben rot und grün hebt sich die Blüte sehr gut vom Hintergrund ab.

Allerdings nimmt der Hintergrund einen viel zu großen Teil im Bild ein, ohne etwas zum Motiv beizutragen. Ebenfalls ungünstig ist die rechts unten vom Hauptmotiv gelegene am Rand angeschnittene Blüte und der direkt hinter der Blüte das Bild durchkreuzende Stängel. Die problematischen Stellen, welche die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen, habe ich mit Hellblau im folgenden Bild eingezeichnet:

Biene auf Blüte: Problemzonen der Fotografie

Biene auf Blüte: Problemzonen der Fotografie

Die relativ weit geschlossene Blende sorgt dafür, dass Biene und Blume bequem im Bereich der Schärfentiefe Platz finden. Allerdings führt sie auch dazu, dass der Hintergrund sich nicht ganz in Unschärfe auflösen kann. Ich hätte in Betracht gezogen, die Blende etwas weiter zu öffnen. So weit, dass die parallel zur Sensorebene liegende Blume gerade eben noch vollständig scharf abgebildet ist und der Hintergrund noch etwas unschärfer wird.

Dieses Bild ist für mich ein klassischer Fall, auf den der zitierte Rat von Robert Capa passt. Wobei „näher dran“ vielleicht bei der Aufnahme gar nicht ging, entweder weil die Naheinstellgrenze des Objektivs oder eine Begrenzung auf der Gartenschau dies verhindert haben. Es könnte jedoch auch sein, dass sich Jonny Michels Auge voll auf die Blüte und die Biene konzentriert und das viele störende Begleitgrün beim Blick durch den Sucher ausgeblendet hat.

Was auch immer die Ursache war, stellt das kein großes Problem dar, schließlich gibt es ja Scheren…

In der Nachbearbeitung mit dem Rechner ist dies sogar ohne Gefahr für die Finger möglich, daher habe ich  mit der Software-Heckenschere großzügig rund um die Blüte das Begleitgrün abgeschnitten.

Ich habe als erstes ein quadratisches Format gewählt, weil dies sehr gut zur Symmetrie der runden Blüte passt. Vollständig symmetrisch wird das Bild nicht, ohne die nun noch mehr angeschnittene Blüte wegzustempeln. Durch das Wegschneiden der störenden Blüte muss zwangsläufig auch das Hauptmotiv etwas gestutzt werden, was ich jedoch ohne Zögern in Kauf nehmen würde.

Es gibt Motive, bei denen ein Bruch der Symmetrie das Bild zum Kippen bringt. Dieses hier gehört für mich nicht dazu. Vielleicht deshalb, weil die Biene auch nicht in der Mitte der Blüte sitzt.

Blume, angeschnitten

Blume, angeschnitten

Um den Vergleich zu haben, wie das Bild aussieht, wenn man die Blume nicht anschneiden will, habe ich das Bild in Gimp geladen und den Klonstempel geschwungen. Das Ergebnis sieht jetzt so aus:

und mit einem freistehenden Randschnitt

und mit einem freistehenden Randschnitt

Ich bevorzuge auf jeden Fall die etwas aus der Symmetrie verschobene Version, kann aber nicht wirklich stichhaltig begründen, warum das so ist. Aus dem Bauch heraus ist mir hier immer noch zu viel unnötiges Grünzeug mit auf dem Bild.

Als weitere Alternative habe ich ein 3:4 Format gewählt, dadurch bleibt auf der rechten Seite etwas mehr vom Hintergrund übrig. Mir gefällt der erste quadratische Beschnitt am besten.

ein nicht symmetrischer 4:3 -Beschnitt

ein nicht symmetrischer 4:3 -Beschnitt

Welcher der Beschnittvarianten man den Vorzug gibt, das ist Geschmackssache.

Es gibt sicher noch einige andere Beschnittmöglichkeiten, an der Konzentration auf das Hauptmotiv allerdings führt jedoch kein Weg vorbei. Wie Capa schon sagte: Näher ran!

Schlagworte: beschnitt, Blume, Komplementärfarben, Robert Capa
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https://static.fokussiert.com/1467460309/Blume_2.jpg 1586 2303 Mark Piontek https://static.fokussiert.com/20151121174132/fokussiert-logo-schriftzug-klein-fok-300x62.png Mark Piontek2016-07-13 09:43:122016-07-13 09:43:12Biene auf Blume: Zuviel Drumherum
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13 Kommentare
  1. Jonny Michel
    Jonny Michel sagte:
    17. Juli 2016 um 16:58

    @Mark Piontek: Ob Aussage oder nicht, da decken sich halt unsere Meinung nicht. Die anderen Punkte Deiner Kritik (Hintergrund, Bildausschnitt…) teile ich voll und ganz.
    Dein Capa-Zitat hat mich denn doch etwas belustigt. Im Nachhinein bin ich ja richtig froh, nicht näher ran gegangen zu sein. Capa bezahlte schließlich sein Credo vom „nah genug dran“ mit dem Leben. Aber gut – Landminen sind bei Gartenschauen eher selten anzutreffen. :-)

  2. dierk
    dierk sagte:
    16. Juli 2016 um 21:03

    „Mit der Forderung nach einer Aussage des Bildes überforderst du solch ein Foto….“
    Jonny, da frage ich mich ehrlich gesagt, warum du das Bild zu einer Bildkritik eingereicht hast??

    „Es soll ganz einfach Anderen Mitteilen, was ich gesehen habe und an was ich mich erfreute….“
    Da hätte dann ein Kommentar „schönes Bild“ ggf. vollkommen ausgereicht.
    Hier geht es nach meinem Verständnis um das, was in dem Text oben angesprochen wurde.

    „…Und wenn es dem Betrachter auch Freude bereitet, oder irgend eine andere Emotion bei ihm auslöst, dann ist das Ziel erreicht.“
    da stimme ich dir zu, dafür fotografiere ich auch.

    Zur Anschauung zu dem vorher geschriebenen (Bokeh) erlaube ich mir ein Beispiel von meinen Fotos
    (Meyer Optik Trioplan 2.8/100mm an Sony A6000@f/2.8, APS-C Sensor)

    • Mark Piontek
      Mark Piontek sagte:
      16. Juli 2016 um 22:06

      Sehr gelungenes Beispiel von „Biene auf Blume“, bei dem der Hintergrund für die Bildwirkung wesentlich ist. Die Schere bleibt dann natürlich in der Schublade.

      Vielen Dank übrigens für die Anregung mit dem Jupiter 85mm, das habe ich schon lange nicht mehr verwendet und heute Nachmittag ans Tageslicht geholt.

    • Jonny Michel
      Jonny Michel sagte:
      17. Juli 2016 um 17:22

      „Jonny, da frage ich mich ehrlich gesagt, warum du das Bild zu einer Bildkritik eingereicht hast??“
      Ganz einfach: Um technische Hinweise zu erhalten – die wurden ja gegeben.
      Und das ist gut so.

  3. dierk
    dierk sagte:
    14. Juli 2016 um 21:23

    das Bild ist mir zu unruhig.

    Für mich ergibt sich die Frage, was das Bild aussagen soll oder wen es ansprechen soll.
    Soll es eine Dokumentation einer Biene auf einer Blüte sein oder geht es mehr um die Blüte und damit um ein eher romantisches Blumenbild?

    In jedem Fall hätte ich keine Blende 11 genommen, die den Hintergrund zu sehr sichtbar und unruhig macht. f/5.6 wäre meine Wahl gewesen.
    Dann wäre bei dem Bild „mit einem freistehenden Randschnitt“ der Hintergrund wunderbar weg gewesen und etwas Vignette hätte den Eindruck noch verstärkt.

    Bleibt die Frage: Blume oder Insekt. Die Blüte ohne Biene könnte fast wie ein Mandala wirken. Es müsste nur der untere schattige Teil etwas aufgehellt werden.

    Ideal wäre für dieses Bild ein Objektiv, dass ein besonderes Bokeh erzeugt, wie z.B. dein Russisches 85mm Jupiter, Mark.

    Noch eine Anregung für die Moderation. Wenn die Bilder der Kommentare Nummern hätten, wäre es einfacher, sich auf sie zu beziehen :-)

    VG
    dierk

    • Chilled Cat
      Chilled Cat sagte:
      14. Juli 2016 um 23:04

      Vielleicht haben nicht alle Leser ein Jupiter 85mm zur Hand und ich habe auch gerade auch kein Blumenbild damit greifbar. Daher füge ich hier einen Link zu Pierre Tizien ein, der ausschließlich mit russischen Objektiven fotografiert:
      http://pierretizien-photos.blogspot.de/search/label/Jupiter%209%2085mm

    • dierk
      dierk sagte:
      14. Juli 2016 um 23:17

      danke für den link, toller Überblick über die Linsen.

      Hier sind viele Beispiele mit alten Objektiven, auch Blumen, die so sind, wie ich es gemeint habe:
      https://www.flickr.com/photos/52875158@N04/albums/72157645592875612

      und hier ist mein 100/2.8 Trioplan
      https://www.flickr.com/photos/dierktopp/albums/72157659838834301

    • Peter Sennhauser
      Peter Sennhauser sagte:
      15. Juli 2016 um 08:49

      Sehr tolle Bilder mit dem Trioplan, Dierk.

    • Stefan Jeschke
      Stefan Jeschke sagte:
      15. Juli 2016 um 10:37

      Danke fuer die Links zu den Altglas-Naturbildern, finde ich sehr inspirierend!
      Ich selbst habe ein Flektogon 50/4 an einem Tilt Adapter. Macht einen Riesenspass (auch wenn die Kringel natuerlich nicht so extrem werden wie einem Trioplan). Die Kringelei ist natuerlich ein spezieller Effekt welcher nicht jeder Bildidee guttut, aber ich finde es wichtig, solche anderen „Pinsel“ im Malkasten zu haben (an denen jedes „Review“ heute kein gutes Haar lassen wuerde ausser der tollen Metallverarbeitung), um seinen fotografischen Horizont zu erweitern.

    • Jonny Michel
      Jonny Michel sagte:
      16. Juli 2016 um 13:55

      Mit der Forderung nach einer Aussage des Bildes überforderst du solch ein Foto. Es soll ganz einfach Anderen Mitteilen, was ich gesehen habe und an was ich mich erfreute. Und wenn es dem Betrachter auch Freude bereitet, oder irgend eine andere Emotion bei ihm auslöst, dann ist das Ziel erreicht.

    • Mark Piontek
      Mark Piontek sagte:
      16. Juli 2016 um 21:46

      Jeder Satz, den du sprichst, hat eine Aussage. Ob du vorher überlegt hast oder nicht, kann der Zuhörer nur vermuten.
      Genau so ist das auch bei einem Bild. Es hat eine Aussage, ob du sie bewusst oder unbewusst hineingebracht hast, das kann der Betrachter nicht wissen.

      In meiner Bildkritik habe ich vermutet, dass du dich über den Anblick der Biene auf der Blume gefreut hast. Und weniger über das Gesträuch außen herum. Daher habe ich dazu geraten, mehr Biene und Blume und weniger Gesträuch ins Bild zu nehmen. Weil Biene und Blume dann auf die meisten Betrachter besser wirken.

      Wenn du dich sehr über das Begleitgrün gefreut hast, dann lag ich total daneben. Kann mal passieren.

  4. Stefan Jeschke
    Stefan Jeschke sagte:
    13. Juli 2016 um 11:02

    Mir gefaellt auch die enger beschnittene Variante besser, in erster Linie weil der stoerende vertikale, gelbliche Stab/Stengel dort quasi beseitigt ist.
    Um den Hintergrund ruhiger zu bekommen haette ich (neben dem Oeffnen der Blende) hier noch einen Polfilter probiert, um die sehr hellen Hintergrundreflexionen abzumildern. Kann sein, dass das Licht zu hart dafuer war, aber einen Versuch waere es wert.

    • Ambitious
      Ambitious sagte:
      14. Juli 2016 um 12:09

      Guter Hinweis mit dem Polfilter!
      Ich finde das Ausgangsbild am besten; für mich gewinnt das Bild nicht durch den vertikalen Beschnitt. Allerdings hätte auch ich den Klonstempel bemüht, und horizontal versucht, per Beschnitt die Blume weniger mittig zu bekommen.
      Ich finde die Farben sehr schön, und habe das Gefühl, dass ich mit meiner Canon mit ihrer schwächeren Farbtiefe nicht so ansprechende Blütentöne hinbekommen hätte.
      Das Bokeh beim Ausgangsbild finde ich sehr schön, und dies verliert sich durch starken Beschnitt.
      Zusammengefasst ist mir die Biene hier nicht wichtig genug um zu sagen, dass „näher ran“ die Maxime ist. Ist aber nur eine von vielen Meinungen ;-)

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