Autostillleben: Dynamik im Stillstand

Wenn es gelingt, in der Abstraktion eine Aussage zu kreieren, die dem Motiv entspricht, entsteht das Gefühl, dass ein Bild „stimmt“.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Frank Wahner).

© Frank Wahner Olympus PM – E-PL1 – 1/13s – f/10 – ISO 800 – 10mm

Kommentar des Fotografen:

Die Türklinke eines alten, unansehnlichen Mercedes aus den 80er Jahren. Seit Jahren steht er unbeachtet auf dem Hof des Autohändlers herum. Gezielt habe ich nach besonderen Lichtverhältnissen gesucht, die durch die nahestehenden Straßenlaternen gestaltet wurden. Das Foto beeinhaltet bewußt nur einen kleinen, beinahe scharfen Anker und soll dekorativ und ästhetisch wirken.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Frank Wahner:

Ein mechanischer, glänzender Gegenstand, verbunden mit in der Unschärfe nichtmehr genau erkennbaren, golden glänzenden Strukturen, ist in diesem farbbild in der rechten Hälfte zu sehen. Von ihm ausgehende, nach links oben in die Hintergrundunschärfe verlaufende Lichtstrahlen schaffen Dynamik.

Erst beim zweiten, dritten Blick ist dieses Motiv als verchromter Autotürgriff zu erkennen. Und auch das nur gerade wegen des Schlosszylinders:

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Rauchabstraktion: Interessante Formationen

Fotografie ist nicht einfach das, was ist. Sie kann auch Bilder von etwas völlig Neuem schaffen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Martin Wolfert).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild „Lady in red“ entstand im Wohnzimmer aus dem Rauch eines Räucherstäbchens. Ich finde Rauchfotografie extrem spannend, da man vorher nie weiß, welche Formen entstehen.

Wenn man hinterher die Ergebnisse am PC sichtet und nachbearbeitet, kann man seiner Kreativität und Fantasie freien Lauf lassen.

Belichtet wurde das Bild mit einem Studioblitz (Streiflicht von links hinten) und einem Reflektor auf der rechten Seite. Als Kamera diente meine Nikon D300s, eine 50mm Nikon Festbrennweite, bei ISO 200, Blende 16 und einer 1/200 Sekunde. In Photoshop wurde das Bild invertiert, und der Rauch eingefärbt.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Martin Wolfert:

Eine Frau, ein Fabelwesen, eine Elfe oder eben einfach nur roter Rauch, der sich vor einem weissen Hintegrund gegen oben ringelt, ist auf dieser Fotografie zu sehen.

Manchmal ist es spannend, Dinge aus einem alltäglichen Blickwinkel zu sehen. Manchmal ist es interessant, sie aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Und bisweilen ist es höchst anregend, sie auf eine ganz neue Art zu sehen.

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Silvester-Schnappschuß: Feuer als Abstraktion

Ein faszinierendes Objekt wird nicht automatisch dadurch zum faszinierenden Foto, daß man es abbildet.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Annika Fischer).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand an Silvester, als ein Junge über die Reste von Raketen & Böllern Benzin goss & es anzündete.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Annika Fischer:

Zunächst einmal beschäftigt mich die Frage, wer dem Jungen Benzin in die Hand gedrückt hat, und warum Ihr nicht alle geflüchtet seid, als er die Raketen damit übergoß – mein Sohn hätte sich beinahe mal mit normalem Benzin in die Luft gejagt, und das ohne Raketen.

Feuer hat den Menschen schon seit Jahrtausenden fasziniert. Es sieht aus wie rote Federn, wie Zungen, man hat ihm unzählige poetische Namen gegeben. Tiere haben instinktiv davor Angst, beim Zelten wirkt es romantisch. Und man ist natürlich versucht, es irgendwie fotografisch festzuhalten.

Fotos von Feuer wirken im allgemeinen nur dann, wenn es dunkel genug ist, um die Farben zur Geltung kommen zu lassen:

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Natur in Abstraktion: Einfach gespiegelt

Für herausragende Fotos braucht man letztlich nur eines: ein gutes Auge.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Franz Bogner).

Kommentar des Fotografen:

Ein Schilfbestand im klaren, niedrigen Wasser des Weissensees in Kärnten spiegelte sich wunderbar auf der fast stillen Wasseroberfläche. Mich erinnerte das ganze an asiatische Schriftzeichen, und so versuchte ich in der SW-Umsetzung besonders die Kontraste heraus zu arbeiten, ohne den Wassereindrück gänzlich verschwinden zu lassen.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Franz Bogner:

Immer, wenn ich Equipment-Neid bekomme, weil sich eine Bekannte mal wieder ein super-teures Objektiv gegönnt hat, oder ein Freund sich eine neue Kamera… Und wenn ich dann so meine „Ausrüstung“ anschaue und denke, „Was könnte ICH mit der Kamera alles machen!“ – dann muß ich mir nur etwa auf Flickr alle die schlechten Fotos anschauen, die die Leute zum Teil mit sehr teuren Kameras gemacht haben und mich darauf besinnen, daß letztlich nur eines zählt: ein gutes Auge.

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Abstraktion: „Tron“ trifft Architekturmotiv

Abstrakte Motive in Architektur zu sehen, ist nicht schwierig. Sie so zu inszenieren, daß sie einen „WOW“ Effekt bekommen, schon.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Valentin von Guttenberg).

Kommentar des Fotografen:

Die außergewöhnliche Perspektive des von sich aus schon sehr abstrakt wirkenden Turms (der Torre Agbar in Barcelona) in Kombination mit der Sonne ergaben ein sehr „abgespacetes“ Bild das mir in Schwarzweiß mit einer leichten Tonung besonders gut gefällt.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Valentin von Guttenberg:

„Tron“ trifft Architekturmotiv ist die beste Beschreibung, die ich für dieses Foto finden konnte. Die Turmfassade hat etwas Außerirdisches, was durch die Nachbearbeitung noch verstärkt wird. Der Sonnenfleck links „stört“ die Statik der Komposition und sorgt dafür, daß zusätzliches Interesse beim Betrachtenden geweckt wird. Das Foto wirkt eher wie digitale Kunst denn wie ein Foto.

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Minimalistische Abstraktion: Einfach genügt

Die effektvollsten Bilder sind oft die am einfachsten komponierten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Becker).

Kommentar des Fotografen:

Innen oder außen?

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Michael Becker:

Dein Foto beweist einmal mehr, daß effektvolle Bilder nicht kompliziert sein müssen. Im Gegenteil, manchmal reicht eine Ecke und die Fähigkeit, etwas in ihr zu sehen. Mir gefällt an Deinem Foto genau das. Einfach, trotzdem viel Stimmung im Bild, und man kann immer noch als Betrachtender darin „hängenbleiben“. Die strenge Symmetrie ist hier nicht langweilig – im Gegenteil, das Bild würde ohne sie nicht wirken.

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Abstrakte Birke: Der Anfang von etwas Neuem?

Abstraktion kann in der Kamera entstehen. Dank Digitaltechnik lassen sich spannende Experimente durchführen – und die Resultate können kreativ genutzt und angepasst werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© René Quint).

Kommentar des Fotografen:

Natur abstrakt – eine Birke mal anders. Schon oft habe ich fasziniert abstrakte Fotos angeschaut, deren Abstraktion durch das Zoomen während der Belichtungszeit entstanden ist. Die Idee ist nicht neu und ich wollte sie auch mal ausprobieren. Eine freistehende Birke schien mir dafür wie geschaffen, zumal das durch die Äste fallenden Licht sicher eine besondere Wirkung haben würde. Im Nachhinein war ich über das Licht erstaunt, welches nicht wie erwartet durch die Äste kam, sondern gebündelt durch den Zoom und den gleichzeitigen Dreh der Kamera während der Belichtung als Spiegelung der gegenüber liegenden Sonne direkt im Stamm der Birke entstand, auf deren weiße Rinde ich fokussiert hatte.

Peter Sennhauser meint zum Bild von René Quint:

Ein Lichtwirbel spannt sich um etwas, was wie ein Baum anmutet in diesem Farbbild. Zugleich sind die Farben entsättigt, und im Bildzentrum sind Teile von einem Baumstamm und Ästen erkennbar, die seltsam klar und gestochen scharf scheinen, aber von den Lichtstrahlen ausgefranst werden.

Ich merke grade, wie schwierig es ist, ein abstraktes Bild zu beschreiben:

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Abstraktfoto: Spiel mit Form und Rhythmus

Abstraktionen sind anspruchsvolle und schwierige Themen in der Fotografie. Wie in der Malerei wirken die Bilder nur dann stark auf den Betrachter, wenn es gelingt, die Formen udn Muster gekonnt und stark zur Geltung zu bringen. Hannelore Aydin gelingt das bei ihrer Aufnahme ganz gut.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Hannelore Aydin).

Kommentar des Fotografen:

Ausschnitt. Mir gefallen die blauen Töne und die Strukturen, die beim Zoomen des Obj. entstanden.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Hannelore Aydin:

Wenn wir dieses Bild aus der Perspektive des Vier-Augen-Modells anschauen, so erkennen wir, dass nur gerade das Form-Auge durch die Abstraktion angesprochen werden kann. Das Bild erzählt uns nichts Besonderes, und auch die Gefühle werden einzig etwas durch die Lichtführung aktiviert. Aber:

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Garten-Abstraktion: Kraftvolle Gestaltung, wenig Wirkung

Manchmal machen wir scheinbar alles richtig: Wir gestalten unsere Bilder kraftvoll, wir fotografieren bei einem interessanten Licht und trotzdem wirkt das resultierende Bild doch nicht ganz so, wie wir es uns erhoffen. Woran liegt das?

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Cornel Mösli).

Kommentar des Fotografen:

War nicht sicher, wie man das Bild zu kategorisieren hat, habe mich für Architektur entschieden. Entstanden ist das Bild im Garten mit einem Stativ.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Cornel Mösli:

Cornel Mösli hat erkannt, dass dieses Motiv Potenzial hat. Die starken Linien sind grafische Elemente, die wirkungsvoll aufgenommen werden können. Werden diese gleichzeitig noch bei einer speziellen Beleuchtung (wie hier nach Sonnenuntergang mit dem Restlicht des Tages und dem Kunstlicht der Aussenbeleuchtung) aufgenommen, so sollte eigentlich nach allen Regeln der Kunst eine gute und wirkungsvolle Aufnahme entstehen. Wieso gelingt es ihm bei dieser Aufnahme aber nicht so gut, wie er es wohl erhofft hatte?

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Naturbild: Jackson Pollocks Bäume

Abstrakte Fabrspritzer oder faszinierende Makro-Botanik? Der Versuch, das Motiv zu entschlüsseln, wird durch Perspektive und Offenblende erschwert und schafft so ein gelungenes Verwirrspiel.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Tobias Senger).

Kommentar des Fotografen:

Als der Winter endlich auf dem Rückzug war und die ersten Sonnenstrahlen den noch entlaubten Wald umstrahlten, habe ich mich auf den Weg gemacht und dabei eine Baumgruppe mit roter Rinde entdeckt. Es schien, als ob die Bäume passend zum Frühlung in neue Schale werfen wollten und dazu die alte Schale abwerfen wollten. Das Foto entstand mit der Kamera direkt am Stamm in Richtung Baumkrone gerichtet. In Lightroom habe ich die Farben und Lichter noch etwas nachbearbeitet.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Tobias Senger:

Beim ersten Blick auf das Bild dachte ich, der Fotograf hätte Farbspritzer fotografiert, ähnlich wie expressionistische Maler Jackson Pollock mit seinem „Action Painting“.

Erst bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass das Rötliche auf dem Foto keine Farbkleckse sein können, sondern eher an einer Art Baum zu hängen scheinen. Damit war eine Frage beantwortet, aber mehrere neue taten sich auf: Warum schält sich ein Baum? Welche Bäume haben so eine rote Rinde? Wo kann man so etwas entdecken?

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