Charlotte Perriand: Möbel und Fotografie

Charlotte Perriand entwarf gemeinsam mit Le Corbusier Möbel. Aber sie war nicht nur Designerin und Innenarchitektin, sondern auch Fotografin.

[textad]Charlotte Perriand, Vertèbre de poisson (Rückenwirbel eines Fisches), Fotografie, © AChP / 2010, ProLitteris, Zürich Die Französin Charlotte Perriand gilt als eine der innovativsten Innenarchitektinnen und Möbelentwerferinnen des 20. Jahrhunderts. In Zürich sind jetzt auch ihre Fotografien zu sehen.

Für Charlotte Perriand (1903 – 1999) bekam die Fotografie eine impulsgebende Rolle für ihr ganzes Werk.

Es entstehen Inszenierungen von am Strand oder auf Schrottplätzen gefundenen magischen Objekten. Das Interesse für die Poesie dieser sogenannten «Art brut» teilt Charlotte Perriand mit Pierre Jeanneret, Architekt aus Genf und Partner und Vetter von Le Corbusier – und mit dem Maler Fernand Léger. Mit diesen beiden arbeitet sie in jenen Jahren wiederholt zusammen. Sie verwendet das Medium Fotografie aber auch für großformatige Foto-Text-Collagen, die sie für Ausstellungen realisiert. In diesen Werken verbindet sie eigene Fotos mit solchen anderer Fotografen zu kraftvollen Plädoyers für gesellschaftliche Anliegen.

Charlotte Perriand, Chaise Ombre, © 2010, ProLitteris, Zü̈rich

Im Laufe des Jahres 1927, im Alter von 24 Jahren, beginnt Charlotte Perriand zu fotografieren. Als Autodidaktin benutzt sie die Kamera wie andere ein Notizbuch oder Zeichenblock. Ihre berufliche Tätigkeit hat andere Schwerpunkte, bleibt aber nicht unberührt vom neu entdeckten Medium. Zunächst fotografiert sie vor allem Räume und Bauten, wobei sie im Einklang mit dem Konstruktivismus auf klassische Perspektiven oder schmückendes Beiwerk verzichtet. Wiederholt dokumentiert sie auch ihre eigenen Bauten und Möbel.

Charlotte Perriand, Galet sur sable © AChP / 2010, ProLitteris, Zürich

In den Jahren 1932 bis 1937 unternimmt Charlotte Perriand regelmäßige Ausflüge an die Ärmelkanalküste bei Dieppe, Steinbrüche oder in die Wälder bei Fontainebleau. Immer sind sie und ihre Begleiter auf der Suche nach magischen Objekten mit prägnanten Naturformen: Knochen, Fischgräten, Kiesel oder Feuersteine. Zurück in Paris, wo Perriand seit 1932 unmittelbar über dem Atelier von Fernand Léger wohnt und arbeitet, werden die besten Fundstücke ausgewählt. Die fotografiert sie anschließend, teils gemeinsam mit Pierre Jeanneret. Später gilt ihr Interesse auch Pariser Schrottplätzen, wo sie vor Ort Metallreste festhalten.

Charlotte Perriand/Fernand Léger © AChP / 2010, ProLitteris, Zü̈rich

In den Dreißigerjahren wird Charlotte Perriand auch zur politischen Aktivistin. Sie ist überzeugt von der Notwendigkeit, sich für die Konstruktion einer besseren Zukunft einzusetzen. Fortan setzt sie gezielt gestalterische Mittel ein, um das Volk wachzurütteln und ihm die Visionen der Avantgarde zu vermitteln. In der Tradition des russischen Agitprop verwendet sie vornehmlich die Fotocollage. Nach 1930 bestimmt die Fotomontage den Auftritt vieler politisch motivierter Zeitschriften.

Charlotte Perriand ca. 1934, Foto: Pierre Jeanneret, © 2010, ProLitteris, Zü̈rich

Die Ausstellung im Zürcher Museum für Gestaltung mit rund 350 Exponaten eröffnet nun die längst Möglichkeit, diese wichtige Pionierin als Entwerferin von Möbeln, als Fotografin und als sozial engagierte Frau neu zu entdecken. Es sind zahlreiche noch nie gezeigte Werke zu sehen, vor allem aus dem Nachlass von Charlotte Perriand in Paris. Und Aufnahmen, die befreundete Fotografen von ihr machten, ermöglichen einen Einblick in ihr Leben.

Charlotte Perriand – Designerin, Fotografin, Aktivistin
Bis 24. Oktober
Museum für Gestaltung Zürich, Ausstellungsstrasse 60, CH-8005 Zürich
+41 (0)43 446 67 67, welcome@museum-gestaltung.ch
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr, Mittwoch 10 – 20 Uhr

Museum für Gestaltung Zürich

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