Damit alles fliesst

Ob auf einem Bild die Zeit in Form von Bewegung gestochen scharf eingefroren oder als wattiger Strom abgebildet wird, ist eine Frage des Ausdrucks, des Geschmacks – und der richtigen Technik.

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Fliessendes Wasser: Links aufgenommen mit 1s Belichtungszeit, rechts mit 1/15s (Bilder © Thomas Rathay)

Das menschliche Auge kann im Gegensatz zum Film oder Sensor keine Lichtimpulse speichern. Wir sehen, was wir grade jetzt sehen, nicht mehr und nicht weniger. Dennoch beziehen wir die unmittelbare Vergangenheit in unser Sehen ein und Ergänzen das Bild nicht nur um die räumliche, sondern auch um die zeitliche Dimension.

Wasser fließt in einem Bach, dass wissen wir, und deshalb sehen wir auch die Geschwindigkeit der Strömung; wir hören das Rauschen und sehen vorbeischwimmendes Treibgut. Auf unserem zweidimensionalen Foto ist dies alles schwer zu vermitteln.

Doch hier machen wir uns die Technik und nötigenfalls ein paar Hilfsmittel zu Nutze.

Der Film/Sensor nimmt nämlich die Informationen solange auf und überlagert sie ständig, wie der Verschluss der Kamera geöffnet ist. Das heißt: Über eine längere Zeit – im ersten Bild ist es eine Sekunde – wird die Bewegung des Fliessens durch ständiges „Überschreiben“ der Bildinformation festgehalten. In dieser Zeit fließt eine ganze Menge Wasser den Bach herunter: Das fotografische Resultat ist ein Schleier aus rauschendem Wasser.

Im zweiten Bild blieb der Verschluss nur 1/15 Sekunde geöffnet. Auch hier sieht man schon ein wenig Bewegung im Wasser, aber es ist alles noch sehr unruhig und lenkt vom eigentlichen Bildinhalt zu sehr ab.

Geschmacksache bleibt es allerdings allemal, ob man das Wasser lieber flauschig fliessend oder eher hart spritzend und glitzernd hat.

Zusätzliche Helferlein

Bisweilen kann es ein Problem sein, die für wattiges Wasser benötigten langen Verschlusszeiten zu erreichen, wenn man nicht unbedingt auf den Morgen/Abend warten will, oder der Bach nicht wie hier durch einen schattenspendenden Wald fliesst.

Durch starkes Abblenden (Blende schliessen= grosse Blendenzahl) verlängert sich die Zeit, doch auch hier sind dem Objektiv Grenzen gesetzt. Zudem wird die Tiefenschärfe erhöht, was möglicherweise auch nicht erwünscht ist.

Wenn Abblenden bei niedrigster ISO-Zahl immer noch keine brauchbar lange Zeit bringt, kann sich der Fotograf mit Graufiltern behelfen. Diese haben keine weitere Wirkung, als Licht zu „schlucken“ und somit eine längere Belichtungszeit zu provozieren.

Selbstverständlich sollte sein, ein Stativ zu benutzen oder wenigstens die Kamera auf eine geeignete Unterlage zu stellen – bei derlei Verschlusszeiten lässt sich ein verwackeln der Aufnahme aus der Hand kaum vermeiden.

Und wie auch bei jedem anderen Foto darf man den Bildaufbau nicht vernachlässigen, sonst ist das fliessendste Wasser nichts weiter als ein langweiliger Strom.

1 Kommentar
  1. Nam
    Nam sagte:

    Ich hab ma ne Frage an alle Cam Bauer unter uns:
    Wäre es technisch möglich die Bildinformationen aus einem 1 sec Bild zu reduzieren???
    das heißt man lässt den sensor 1 sekunde lang drauf scheinen.
    und speichert das halt gerecht. und jenachdem wie viel man haben will, gibt der sensor oder prgramm das dann aus
    also die lichtmenge die dann zum Beispiel in den 1/15 sec. gespeichert wurde.
    dazu muss man doch einfach nur genügend einstellpunkte haben, die dann immer die cihtmenge an den jeweiligen Punkten speichert oder?

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