Flammenwald: Technik zum Stil entwickeln

Es lohnt sich, eine eigene technische oder stilistische Entdeckung weiter zu verfolgen und zu -entwickeln. Der bewusste Einsatz eines Effekts adelt diesen erst als Stil – oder gar als Kunst.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dietmar Käppeli).

Kommentar des Fotografen:

Nach den vielen positiven Rückmeldungen zum Bild „Bewegter Wald“ habe ich diesen Herbst weiter mit der Technik der bewegten Kamera experimentiert. Dabei ist dieses Bild herausgekommen, welches meiner Ansicht nach gut zum Thema des ersten Bild passt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Dietmar Käppeli:

Flammende, lodernde Bäume. Natur, Herbst, Feuer, Verzehr – steckt alles in diesem leuchtstarken Bild, das man selbst dann gerne an die Wand hängen möchte, falls es zufällig beim Auspacken der Kamera auf dem Spaziergang durch eine Fehlmanipulation entstanden wäre.

Das ist es aber nicht:

Bewegter Wald, © Dietmar KäppeliEs ist eine bewusste Manipulation, und eine sehr durchdachte. Wir haben den Vorgänger dieser Aufnahme ja bereits vor einiger Zeit hier besprochen, und ich denke, die Publikumsreaktionen haben Dich ermutigt, den Ansatz der „Bewegungsfotografie“ weiter zu entwickeln.

Das hat sich, diesem Bild nach zu beurteilen, ausgezahlt: Du hast die Technik perfektioniert und ganz bewusst mit dem Effekt eine Aussage angestrebt, die eindeutig gelungen ist. Im Vordergrund steht nicht mehr die gegenständliche Ansicht der Herbstbäume, sondern ein darauf basierendes Gefühl, ein Eindruck – das ist Impressionismus.

Nun hast Du als fotografischer Impressionist allerdings einen Nachteil beispielsweise den Meistern der Malerei gegenüber: Eine Fotografie kann immer als Zufallstreffer, als unbewusste „Lomographie“ gewertet werden. Ein Ölgemälde hingegen steht allein durch den Aufwand, der nachvollziehbar dahinter steckt, für einen bewussten Prozess des Künstlers.

Das sieht man schon bei der Durchsicht von Websammlungen wie beispielsweise Flickr. Dort stehe zwischen den Allerweltsbildern von vergnügten Knipsern nämlich immer mal wieder wahre Trouvaillen – die sich bei genauem Hinsehen als pure Glückstreffer erweisen, mit denen sich der Fotograf oder die Fotografin nicht weiter beschäftigt und keine Methodik daraus geschöpft hat (was manchmal, aber nicht immer, schade ist.)

Eine Art, sich davon abzugrenzen und den eigenen Stil als Prozess zu bekräftigen und darzustellen, besteht darin, statt Einzelbilder ein ganzes thematisches Projekt zu verfolgen. Mir gefallen beispielsweise Deine eingereichten Bilder beide ausserordentlich, und ich sähe sie an meiner Wand hängen.

Noch spannender allerdings fände ich eine Komposition solcher Arbeiten, welche die eindeutige Absicht und die Aussage in einem gemeinsamen Kontext verstärken. Will heissen: Eine Serie von impressionistischen Aufnahmen, die sich an einem Motivtyp (Baum, Wald) orientieren, aber ganz verschiedene Gefühle ausdrücken.

Man könnte vielleicht sagen, dass erst dadurch Deine Technik in den Hintergrund des Interesses rückt. Zugleich wird sie dadurch zu Deinem persönlichen Stil.

Jetzt bin ich gespannt auf Deine erste thematische Serie.

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  1. […] man einem Motivtyp zusätzliche impressionistische Aussagekraft verleihen kann, haben ich in der Arbeit von Dietmar Käppeli bereits zweimal […]

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