Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen-Heidelberg: Über Grenzen hinweg

Das fünfte Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg widmet sich bis November dem Thema „Grenzgänge“ und schöpft vor allem aus dem Fundus der Fotoagentur Magnum.

Rapper im Norden von Paris. Paris, Frankreich. 2006. © David Alan Harvey/Magnum Photos/FOCUS

Rapper im Norden von Paris. Paris, Frankreich. 2006. © David Alan Harvey/Magnum Photos/FOCUS

Die die Fotobiennale öffnete Magnum Photos erstmals umfassend sein Archiv. Wir sehen in den drei Städten rund 1300 Ausstellungsstücke von 72 Fotografen, die sechs Jahrzehnte internationaler Reportagefotografie umfassen.

Andréa Holzherr, die die Kuratorin des Festivals Ma_Lu_Hd ist Ausstellungsmanagerin der Pariser Niederlassung von Magnum Photos und verantwortlich für Ausstellungen und Zusammenarbeit mit internationalen Museen. Kein Wunder also, dass sie sich in den Tiefen des Magnum-Archivs besonders gut auskennt.

So zählen zahlreiche Ikonen der Fotografie zu den Exponaten der Ausstellungen: darunter in der Kunsthalle Mannheim die Fotografien von Magnum-Gründer Robert Capa, der mit den alliierten Truppen am 6. Juni 1944 an der Normandie-Küste landete und die Alliierten bis ins befreite Paris und in das geschlagene und zerstörte Deutschland begleitete. Einblicke in das kriegszerrüttete Afghanistan gewähren im Heidelberger Kunstverein Fotografien unter anderem von Eve Arnold mit ihrer Serie „Behind the Veil“ von 1969, Steve McCurry, der ein Jahrzehnt später das Leben der Guerilla-Gruppierungen im Kampf gegen die kommunistische Regierung dokumentierte, oder Chris Steele-Perkins’ Aufnahmen von Landminenopfern.

Ungewöhnliche Aufnahmen zu Heim und Familie als persönlichem Territorium sind im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen zu sehen. Während die Familienporträts der amerikanischen Mittelklasse des Fotografen Elliot Erwitt aus den 1950er und 1960er Jahren aufgeputzte Familien zeigen, bieten die DDR-Fotografien (1970er Jahre) des diesjährigen Fotofestival-Schirmherrn Thomas Hoepker, früher Präsident von Magnum. Einblicke in das Leben hinter der Mauer des geteilten Deutschlands. Hausfassaden hat der britische Fotograf Martin Parr abgelichtet. Von schrullig bis stilvoll, von kreativ bis konservativ vermitteln die Fassaden jeweils den Charakter ihrer Besitzer. Neben weiteren Magnum-„Klassikern“ wie René Burri und Herbert List ist auch die junge Generation der Magnum-Fotografen mit zahlreichen Arbeiten beim Fotofestival vertreten, unter ihnen Thomas Dworzak, Mikhael Subotzky und Olivia Arthur sowie die derzeitigen Magnum-Nominees Dominic Nahr und Jérôme Sessini.

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Aber es gibt auch eine Ausstellung mit aktuellen Arbeiten, die mit der Region vor Ort direkt zu tun haben. Das Projekt Insight Out / Konversion nimmt den Abzug amerikanischer Soldaten aus der Region Rhein-Neckar als Ausgangspunkt und dokumentiert das Freiwerden ehemals militärisch genutzten Geländes und die damit verbundene Auflösung territorialer Grenzen. Die beiden Magnum-Fotografen Alessandra Sanguinetti (USA) und Donovan Wylie (IRL) haben die amerikanischen Armeestandorte Coleman Barracks, Turley Barracks, Taylor Barracks und Benjamin Franklin Village in Mannheim sowie das dort noch stationierte militärische Personal vor dem Abzug im Dezember 2012 porträtiert. Insight Out / Konversion gibt Einblick in eine der Öffentlichkeit bisher verschlossene militärische Zone. Räume werden kurz vor oder nach ihrer Aufgabe erstmals zugänglich gemacht, ein Übergangs-Stadium wird fotografisch festgehalten.

Für das zweite aktuelle Projekt sind die vier Magnum-Fotografen Olivia Arthur (UK), Peter van Agtmael (USA), Paolo Pellegrin (I) und Moises Saman (PE) quer durch Deutschland gereist, um ihre persönlichen Eindrücke des Landes im Wahljahr 2013 wiederzugeben. „Deutschlandreise“ entstand in Kooperation der Agenturen Magnum und Photos und Focus. Eine Auswahl der Fotos ist im Zephyr/Raum für Fotografie in Mannheim zu sehen.

Das Fotofestival Mannheim_Ludiwgshafen_Heidelberg, so heißt es im eigenen Statement, zeigt also Positionen von Magnum-Fotografen, die sich mit der Verteidigung, der Öffnung, dem Überschreiten, aber auch dem Ineinandergreifen verschiedener Territorien und Gebiete beschäftigen. Das Fotofestival, das sich selbst aus verschiedenen Städten und Regionen zusammensetz, befasst sich mit geografischen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und privaten Territorien und umschreitet physisches sowie symbolisches Grenzland.

Alle Details zu den einzelnen Ausstellungen und zum Begleitprogramm gibt’s auf der Website des Fotofestivals. Der Katalog [amazon 3868284575]Grenzgänge – Magnum – Trans-Territories [/amazon] erschien Mitte September im Heidelberger Kehrer-Verlag.

Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg – bis 10. November.

Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg

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