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Peter Sennhauser

Fotografisches Stillleben: Die Klosterküche

6. Februar 2017/3 Kommentare/in Bildjournalismus, Bildkritik, Digitale Kunst, Reise/von Peter Sennhauser

Die gegenständliche Fotografie soll entweder etwas dokumentieren oder Emotionen auslösen oder transportieren. Ein Stillleben versucht das eine über das andere zu erreichen.  Das gelingt hier aus simplen Gründen nicht.

Canon EOS 5D Mark III Aufnahmedaten: 1/10s bei Blende 28/10 mit 46/1mm Brennweite und ISO 5000

Küche, Santa Catalina Kloster, Arequipa, Peru. Canon EOS 5D Mark III 1/10s bei Blende 2.8 mit 46mm Brennweite und ISO 5000. © Benjamin Koenig

 

Benjamin Koenig aus Remchingen schreibt zu diesem Bild: Das Bild entstand im September letzten Jahres in Arequipa, Peru. Eine Küche im Kloster Santa Catalina. Ich weiß nicht genau warum, aber wenn ich die ca. 2000 Bilder der Peru Reise ansehe bleibe ich hier immer hängen. Für mich hat dieses Bild etwas absolut besonderes.

Ein angenehmes, warmes Bild,  das Gemächlichkeit, Nostalgie und Langsamkeit ausdrückt. Allerdings verstehe ich nicht, in welchem Zusammenhang. Und das ist fatal.

Eine Farbfotografie zeigt in sehr geringer Schärfentiefe einen teilweise offenbar russgeschwärzten, gewölbten Raum, an dessen Bruchsteinmauer ein oder mehrere grobe Holzregale mit Blechdosen  oder -Kisten darauf steht. Diese Regalreihe zieht sich vom rechten Bildrand nach links durch das ganze Bild entlang und verschwindet in der Unschärfe. Der Fokus liegt zentral in der Bildmitte, rund einen meter von der Kameraposition entfernt, und zeigt uns eine der Blechkisten oben auf dem Regal und einen ebenfalls blechernen Hohlkörper mit einem Griff, der vertikal am Regal hängt und eine asymmetrische Form zu haben scheint.

Aus technischer Sicht ist nichts an dem Foto auszusetzen, wenn denn die geringe Schärfentiefe gewollt war und nicht den Lichtverhältnissen geschuldet ist. Angesichts von 5000 ISO ist aber anzunehmen, dass Du aus Gründend er Belichtungszeit die Blende voll geöffnet hast. So kamst Du auf eine Zehntelssekunde, die sich mit Glück und einem Bildstabilisator und dem Vollformatsensor der Canon EOS 5D Mark III noch aus der Hand machen lässt.

Der preis dafür ist aber eben die sehr geringe Schärfe, die uns hier einen Streich spielt. Denn so angenehm das Licht und die Farben in diesem Bild sind, ich erkenne schlichtweg nichts darin, dessen Zweck sich mir erschlösse: Keine Pfanne, keine Kelle, kein gerät, das mich erahnen lässt, dass ich mich in einer Küche befinde. Die Metallene Amphore auf dem zweiten Regal sagt noch am ehesten „Küche“, die Kisten scheinen mir nicht besonders küchenausrüstungstypisch.

Das Gerät an dem Regal könnte eine Backform, eine Schöpfvorrichtung oder ein Deckel zu etwas sein, aber auch das kann ich nicht erkennen, denn der Gegenstand ganz vorne ist abegeschnissen, den zweiten und dritten in der Wiederholung am Regal kann ich in der Unschärfe nicht mehr exakt untersuchen.

Die Wiederholung an den drei Regaln kommt dazu, die für mich nicht typischerweise etwas mit Küche zu tun hat. Das könnten die Lagerstellen von Minenarbeitern sein oder etwas anderes in einer Kolonne von Mitarbeitern.

Hier wiederholt sich ein Motivteil.

Hier wiederholt sich ein Motivteil.

Zusammenfassend gesagt: Ich kann angesichts der Wärme und der Spezialität des Lichts in diesem Bild nachvollziehen, dass Du daran hängen bleibst; das habe ich bei Durchsicht der hochgeladenen Bilder auch erlebt. Aber bei der genauen Ansicht habe ich dann nichts erkannt, was das Stilleben in einen inhaltlichen Zusammenhang stellen könnte oder mir dokumentarisch aufzeigte, wo wir uns befinden und was ich sehen – oder, warum Du es fotografiert hast.

Eine weniger offene Blende könnte dem ebenso Abhilfe schaffen wie ein deutlicheres Motiv, etwa den Blechkörper mit Griff, den wir dann aber ganz sehen und begutachten können müssten.

Mit diesem Ausschnitt und der Unschärfe ist diese Aufnahme schon fast ein abstraktes Werk, das mich aber mit der Gegenständlichkeit verwirrt.

Schlagworte: Belichtungszeit, Schärfentiefe, Stillleben
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https://static.fokussiert.com/20170205220735/Santa_Catalina_Arequipa_Peru_2016-1.jpg 1333 2000 Peter Sennhauser https://static.fokussiert.com/20151121174132/fokussiert-logo-schriftzug-klein-fok-300x62.png Peter Sennhauser2017-02-06 08:05:472017-02-05 22:56:03Fotografisches Stillleben: Die Klosterküche
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3 Kommentare
  1. Tilman
    Tilman sagte:
    8. Februar 2017 um 13:43

    Manchmal wirkt ein Bild einfach auch nur durch seine Textur, seine Farben, seine Stimmung. Und man braucht nicht einmal Gegenstände zu erkennen und einordnen zu können. Für mich ist Dein Bild toll, Benjamin. Tja… und ein Stativ hätte in der Tat geholfen☺ Vielen Dank für die Besprechung, Peter.

  2. Benjamin König
    Benjamin König sagte:
    7. Februar 2017 um 10:32

    Hallo,
    vielen Dank für die Mühe mein Bild so zu analysieren. Ja ich kann tatsächlich selbst nicht sagen warum ich es fotografiert habe. Es war nahezu dunkel in dem Raum. Aber von der Seite kam dieses schöne Licht und ich hab ein paar Bilder in diesem Raum gemacht. Auch welche in denen wirklich ein Motiv zu erkennen ist. Aber irgendwie hat dieses Bild etwas besonderes von allen entstandenen. Deshalb hat es mich interessiert was andere dazu meinen. Und ja, ich hätte sehr gerne ein Stativ dabei gehabt und etwas länger belichtet, bei einer kleineren Blende. Aber Gewicht war leider ein großes Thema in diesem Urlaub.

  3. Werner
    Werner sagte:
    6. Februar 2017 um 19:26

    Ich putze meine Brille, aber es wird einfach nicht scharf. An keinem Punkt so recht. Das heißt ja nicht, dass gute Bilder immer scharf ein müssen, aber hier suchen meine Augen verzweifelt einen Anker. Dabei ist die Farbstimmung wirklich schön. Schade, dass offensichtlich kein Stativ zur Verfügung stand, um hier mit Blende 11 arbeiten zu können.

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