Fredrik Marsh: Dresden im Übergang

Allüberall sehen wir fotografische Erinnerungen an den Mauerfall vor zwanzig Jahren. Interessant ist vielleicht ein Blick von außen – der des Amerikaners Fredrik Marsh auf Dresden.

Fredrik Marsh: Gasometer, Dresden-Reick, Dresden 2002

Die Fotografien von Fredrik Marsh spiegeln die Veränderungen im Dresdner Stadtbild als Folge der Umbrüche nach 1989. „Transitions – Übergänge“ – so lautet auch der Titel der aktuellen Ausstellung in den Technischen Sammlungen Dresden.

Fredrik Marsh: Verlassenes Haus, Am Kirchberg, Dresden 2005Während eines Studienaufenthaltes im Jahre 2002 entwickelte Fredrik Marsh sein spezielles Interesse an den Überlieferungen der jüngeren ostdeutschen Geschichte und an den Veränderungen durch den Wiederaufbau und die Erneuerung Dresdens.

Vier Kapitel Dresden sind bis 2006 zusammengekommen. Erst waren es Panoramafotos und Innenansichten in schwarzweiß. Dann wurden die Bilder farbig. Das ursprüngliche graue und bedrückende Bild, das nicht nur Fredrik Marsh von Ostdeutschland hatte, wandelte sich mit seinen Entdeckungen.

Es war ganz anders, als er erwartet hatte, schreibt er in einem Statement zu seiner Arbeit.

Fredrik Marshs Vorgehensweise ähnelt der eines Archäologen: Verlassene Wohn- und Industriegebäude in den Randzonen der Stadt übten auf ihn eine magische Anziehung aus. Marsh, Jahrgang 1957, konzentriert sich in seinen Panoramafotografien, seinen großformatigen Außen- und Innenbildern von Gebäuden auf die Spuren gelebten Lebens, auf die Überlagerung historischer Schichten mit dem Neuen. Jenseits von touristischer Neugier handelt seine Arbeit vom Vergehen der Zeit und der Vergänglichkeit.

Fredrik Marsh schreibt im Statement auf seiner Website:

„Die Übergänge sowohl im rein Gegenständlichen wie in der kollektiven Psyche der Einwohner der Stadt haben mich tief bewegt. Deshalb ist es mein Anliegen, eine visuelle Dokumentation dieser historischen Periode zu überliefern, bevor ihre Spuren – und das dazugehörige kulturelle Gedächtnis – für immer verblassen.“

Fredrik Marsh: Verlassene Wohnung, nahe Stauffenbergallee, Dresden 2006

Fredrik Marsh lebt und arbeitet in Columbus, Ohio. Er lehrte und lehrt Fotografie an verschiedenen amerikanischen Universitäten.

Auf Fredrik Marshs Website können wir uns die vier Kapitel aus Dresden und andere Projekte anschauen. Das Buch zur Ausstellung „Übergänge. Das Dresden Projekt“ ist im Sandstein-Verlag, Dresden, erschienen.

Frederik Marsh – Übergänge. Das Dresden Projekt
Bis 24. Januar 2010
Technische Sammlungen Dresden. Museen der Stadt Dresden, Junghansstraße 1-3, D-01277 Dresden
Geöffnet Dienstag bis Freitag 9 – 17 Uhr, Samstag und Sonntag 10 – 18 Uhr
+49 (0)351 – 4887201, service@tsd.de

Fredrik Marsh
Technische Sammlungen Dresden

2 Kommentare
  1. Peter Sennhauser
    Peter Sennhauser sagte:

    @Ulli: Schöne, wenn auch schonungslose und trotzdem nicht herablassende Besprechung. Eigentlich müssten wir das zur Institution machen: Leserinnen und Leser vor Ort schreiben nach usneren Vorausberichten einen Kommentar über jede Ausstellung. Wir denken mal darüber nach. Dir jedenfalls besten Dank.

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  2. Ulli Gabsch
    Ulli Gabsch sagte:

    Vor einer Woche habe ich mir diese Ausstellung angeschaut.
    Ich habe die darauf folgenden Tage mehrmals überlegt, in meinem eigenen Blog eine kleine Rezension zu schreiben, habe es dann aber doch gelassen, weil es schnell unterschwellig als Neid (oder auch als Dummheit) gelesen werden kann, wenn man – selbst künstlerisch Fotografierender – vermeintliche „Meister“ kritisiert. Darum zumindest an dieser Stelle eine kurze Beschreibung meiner Ausstellungsempfindungen.

    Marshs Arbeiten bestehen zum Einen aus schwarzweißen Panoramaaufnahmen und – weit häufiger – aus (recht normalbrennweitigen) Farbaufnahmen. Alle recht großformatig mit Passepartout im hölzernen Rahmen hinter Glas präsentiert.

    Sind die Sujets bei den Panoramen verfallene Industriebrachen (und nur wenige Male nicht weniger banale Postkartenmotive der Dresdner Innenstadt), so zeigen die Farbfotografien fast ausnahmslos verlassene Räumlichkeiten, meist ästhetisch via hochgezogener Farbsättigung „aufgehübscht“.

    Spätestens nach dem dritten Foto eines verlassenen Raumes fragte ich mich, was der Künstler mit diesen Fotos zeigen oder gar erzählen will. Die Bilder sind einfach zu banal, um dass sie Potential zum Geschichten erzählen hätten. Sicher handwerklich gut umgesetzt, aber morbides Flair in unendlichen Wiederholungen langweilt irgendwann einfach. Irgendwann hat man sich an solchen 1000-fach gesehenen Motiven auch totgesehen.

    Nochmal: Was will Marsh dem Betrachter mit seinen Bildern zeigen? Der Ausstellungstitel suggeriert „Übergänge“. Aber zeigen die Bilder „Übergänge“? Ich sage: nein. Zitat: „… ist es mein Anliegen, eine visuelle Dokumentation dieser historischen Periode zu überliefern …“ Ist diese Ausstellung eine visuelle Dokumentation? Oder machen diese Bilder eine historische Periode sichtbar? Was ist an den abgebildeteten Räumen in in Dresden so anders, dass man sie nicht auch ähnlich in Ohio finden könnte? Ist hier vielleicht doch mehr Voyeurismus und touristische Neugier im Spiel, als der Pressetext ausschließen will?

    Schaut Euch am besten selbst die Ausstellung an, um vielleicht andere Antworten auf all die Fragen zu finden, als die Meinen. Der Eintrittspreis ist erfreulicherweise dem Anspruch der Ausstellung angepasst – gering. ;-)

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