Giséle Freund: Eine Wiederbegegnung

Wir alle kennen sie, die berühmten Porträts der Giséle Freund. Die große Ausstellung in Berlin ermöglicht neben einer Wiederbegegnung auch ganz neue Sichtweisen auf ihr Werk.

Gisèle Freund: Frida Kahlo im Garten, Coyoacan, Mexico City, ca. 1948 © IMEC, Fonds MCC, Vertrieb bpk / Photo Gisèle FreundOb James Joyce, Virginia Woolfe, Eva Perón oder Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir: Viele von Giséle Freunds Bildern sind so sehr im öffentlichen Bewusstsein gedrungen, dass sie für die Figur selbst stehen.

Die Ausstellung macht sichtbar, wie im Werk von Gisèle Freund das Entstehen der Porträts mit der Dokumentation des Lebens- und Arbeits-Umfelds der Porträtierten verbunden war, so teilt die Berliner Akademie der Künste mit. Gemeinsam mit den großen Porträts sind nun auch etliche bisher unveröffentlichte Bilder zu sehen, die die Berühmtheiten in ihrem Alltag zeigen.

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Insgesamt präsentiert die Ausstellung 280 Schwarzweiß- und Farbfotografien in 14 Kapiteln. Zwei eröffnenden Fotoreportagen aus der Mitte der 1930er Jahre, „1. Congrès des écrivains pour la défense de la culture“,1935, entstanden im Auftrag von André Malraux und „Pariser öffentliche Bibliotheken“, 1937, für die Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne, folgt das Kapitel „Walter Benjamin“, den die Fotografin u.a. bei der Arbeit in der Bibliothèque Nationale fotografiert hat und in dem erstmals alle von ihr aufgenommenen Benjamin-Porträts gezeigt werden. Ein nächstes Kapitel zeigt die Buchhändlerinnen Adrienne Monnier von „Les Amis des Livres“ und Sylvia Beach von „Shakespeare & Co.“, die der Fotografin zum Eingang in die Pariser Kulturszene verholfen haben. Die weiteren Kapitel zu Autoren und bildenden Künstlern, deren Porträtaufnahmen im Kontext ihrer Lebenswelt gezeigt werden, widmen sich James Joyce, Vladimir Nabokov, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Virginia und Leonard Woolf, Vita Sackville-West und Harold Nicolson, André Breton, Frida Kahlo und Diego Rivera sowie Pablo Neruda. Als Kapitel für sich steht die zum politischen Skandal gewordene Fotoreportage über Evita Perón (Buenos Aires 1950).

Den Epilog der Ausstellung bildet eine Sequenz der reportageartigen Fotografien aus dem Bestand des Berliner Stadtmuseums, die Gisèle Freund bei ihren Besuchen in Berlin 1957 und 1962 aufgenommen hat. Motive in melancholischem Nachkriegsgrau und Bilder des Aufbruchs, wie vom Bau des Hansaviertels, erinnern daran, dass Gisèle Freund Berlinerin war, geboren in Schöneberg. Sie sind ihre persönliche Widmung an die Stadt, in der ihr Vater eine der berühmtesten Privatsammlungen deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts besaß, und die sie 1933 verlassen musste.

Erstmals werden Gisèle Freunds Farbporträts mit den heutigen technischen Möglichkeiten digital bearbeitet, so dass die Bilder in ihrer ursprünglichen Farbigkeit neu zu sehen sind. Gisèle Freund. Der Katalog zur Ausstellung [amazon 3894798483]Fotografische Szenen und Porträts[/amazon], herausgegeben von den Ausstellungskuratoren Janos Frecot, Gabriele Kostas erschien im Nicolai-Verlag Berlin.

Giséle Freund – Fotografische Szenen und Porträts
Bis 10. August
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, D-10557 Berlin
+49 (0)30 200 57 2000, info@adk.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 19 Uhr; dienstags 15 – 19 Uhr freier Eintritt

Giséle Freund bei Wikipedia
Akademie der Künste Berlin

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