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Uli Eberhardt

Heinz Hajek-Halke: Der Alchimist

22. Oktober 2012/1 Kommentar/in Ansehen, Google Currents/von Uli Eberhardt

Heinz Hajek-Halke gilt es wiederzuentdecken – mit seinem Spätwerk der Lichtgrafiken, das ihm den Ruf eines Alchimisten verschafft hat.

Das Schifffahrtszeichen, um 1960, C-Print, 27,7 x 38,6 cm<br />Foto: Heinz Hajek-Halke

Es sind weder Fotogramme noch Fotografien, sondern eigenständige fotografische Grafiken aus einem chemisch-physikalischen Prozess. Damit schuf Hajek-Halke im dunklen Labor abstrakte Werke von zeitloser Schönheit.

„Alchimisten“ betreiben ihr Geschäft eher im Dunkeln, in einer Grauzone zwischen Kunst und Wissenschaft. Heinz Hajek-Halke war ein großer Einzelgänger unter den Fotokünstlern des 20. Jahrhunderts jedoch viele beeinflusst und unterrichtet. Schon in den frühen Dreißigerjahren als Plakatkünstler, Fotograf und Fotomonteur berühmt, begann er in den Fünfzigerjahren noch einmal ganz von vorn.

Gläsernes Monument, um 1955, Silbergelatine, 29,3 x 23,9 cm, Foto: Heinz Hajek-Halke

Sie begründeten seinen Ruf als erster wirklich abstrakter Fotokünstler; keine Ausstellung jener Jahre kam ohne seine Bilder aus. Dank einer Stiftung seines Nachlasshalters Michael Ruetz besitzt die Akademie der Künste in Berlin über zweihundert sogenannter Lichtgrafiken aus dem Spätwerk von Heinz Hajek-Halke. Sie zeigen deutlich den Weg aus einer surrealistisch geprägten und oft ironischen Überspitzung der vorhandenen Bildwelt in einen formal strengen, aber überraschend reichen Kosmos der eigenen Imagination. Heinz Hajek-Halke blieb dabei immer Fotograf, auch wenn er viele Bilder zeichnerisch vorbereitete: Seine Werke legte er so an, dass sie als fotografische Prints zu Bildern wurden.

Ohne Titel, um 1963, C-Print, 39,7 x 29,6 cm, Foto: Heinz Hajek-Halke

Heinz Hajek-Halke entwickelte dieses Spätwerk auf der Basis des bereits zuvor Erprobten: Fotomontage, Fotogramm, Einbindung grafischer Elemente. Die Kriegserfahrung, der Umgang mit der neuen, internationalen Künstlerszene zu Beginn der Fahre und der unbändige Wille, noch als über 50-Jähriger etwas Neues zu schaffen, führten Heinz Hajek-Halke zu ebenso planmäßigem wie ungezügeltem Experimentieren, und ganz langsam schälten sich die Formen heraus, die sein Spätwerk bestimmen würden. Zu fast sämtlichen Arbeiten dieses Übergangs in die Abstraktion gibt es zeichnerische Vorentwürfe.

Flügelmutter, um 1955, Silbergelatine, 59,1 x 47,8 cm, Foto: Heinz Hajek-Halke

Abstrakt zu arbeiten, bedeutete für Heinz Hajek-Halke nicht, ohne Systematik an seine Bild-Erfindungen heranzugehen. Im gesamten Spätwerk lassen sich Formen erkennen, die auf Naturbeobachtungen zurückgehen, wie etwas von Samenkapseln und Blättern, oder auf private Obsessionen wie idolhaften Frauenfiguren. Zudem finden sich alltägliche Gegenstände, kleine Werkzeuge und die Reste früher Medientechnik in den Bildern wieder. Die Zusammenfassung des Spätwerks von Heinz Hajek-Halke in formale Bereiche demonstriert, dass der abstrakte Formfindungsprozess keineswegs linear verläuft: Ideen werden vorsichtig erprobt, für Jahre zur Seite gelegt, wieder aufgegriffen, erneut weggelegt und in abschließende Arbeiten überführt – oft über zehn oder zwanzig Jahre hinweg.

Ohne Titel, um 1960, C-Print, 29,8 x 24,1 cm, Foto: Heinz Hajek-Halke

Heinz Hajek-Halke (er lebte von 1898 bis 1983) bietet eine der raren Wiederentdeckungen an, die zur Geschichte der künstlerischen Fotografie im 20. Jahrhundert noch zu machen sind. Parallel zur Ausstellung gibt es im Göttinger Steidl-Verlag den (bis dato noch nicht erschienenen) Band Der Alchimist mit den Spätwerken Hajek-Halkes, herausgegeben von Michael Ruetz und Rolf Sachsse (der die aktuelle Berliner Ausstellung in der Akademie kuratierte). Bis 24. November gibt es auch eine Ausstellung bei Johanna Breede – Photokunst unter dem Titel Phantasie und Traum (Fasanenstrasse 69, D-10719 Berlin, + 49 (0) 30 886 83 123, kunsthandel@breede.de).

Heinz Hajek-Halke – Der Alchimist, Lichtgrafisches Spätwerk
Bis 4. November
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, D-10117 Berlin
+49 (0)30 200 57 – 1000, info@adk.de, www.facebook.com/akademiederkuenste
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 19 Uhr; am ersten Sonntag im Monat Eintritt frei.

Heinz Hajek-Halke bei Wikipedia
Akademie der Künste Berlin

Schlagworte: Abstraktion, Experiment, Fotogramm, Grafik, Unterricht
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https://static.fokussiert.com/1361917635/adk12_hajek-halke5.jpg 800 645 Uli Eberhardt https://static.fokussiert.com/20151121174132/fokussiert-logo-schriftzug-klein-fok-300x62.png Uli Eberhardt2012-10-22 15:00:532016-05-21 10:17:37Heinz Hajek-Halke: Der Alchimist
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  1. John Schuetz: Schätze aus Diaschnipseln » fokussiert.com sagt:
    13. November 2012 um 15:00 Uhr

    […] Diamaterial, das John Schuetz selbst fotografiert oder im Labor belichtet.Kürzlich haben wir über Heinz Hajek-Halke, den Alchimisten und seine Lichtgrafiken berichtet. John Schuetz ist zwei Generationen jünger und […]

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