Helmut Newton: „Sumo“ – Vermächtnis eines Trendsetters

So schillernd wie die Person Helmut Newton war, so schillernd und vielschichtig ist sein Schaffen. Das zeigt der Klassiker „Sumo“ – mit sieben Kilogram ein wahres Schwergewicht unter den Fotobüchern.

Helmut Newton SumoFeiertage sind immer gut. Sie schmeißen einen aus dem Alltag und geben die Chance, unter anderem im Bücherschrank zu stöbern. Über Ostern ist mir dabei die Neuausgabe von Helmut Newtons „Sumo“ in die Hände gefallen.

Nein, ich habe leider nicht das Original, das am 6. April 2000 für 620.000 DM versteigert und damit zum wohl teuersten Fotobuch des 20. Jahrhunderts wurde. Ich habe die „Taschenbuch“-Ausgabe von Jane Newton in der Neuauflage von 2009 vor mir.

Aber auch das ist noch ein wahrer Sumo-Ringer:

innerlich wie äußerlich.

Helmut Newtons SumoÄußerlich: 27 Zentimeter breit, 37 lang und gut sieben Zentimeter hoch, 464 Seiten und fast sieben Kilogramm schwer. Inhaltlich: Ein Querschnitt aus 34 Jahren Schaffen eines Ausnahme-Fotografen. Ein rundum gewichtiges, titanisches Werk, selbst in der „Taschen“-Ausgabe.

Über Helmut Newton (1920 – 2004), den Mode-, Portrait- und Aktfotografen, ist wohl eigentlich schon alles gesagt: Geboren und aufgewachsen in Berlin; in Frankreich und den USA zu einem der erfolgreichsten, einflussreichsten und umstrittensten Fotografen der Gegenwart gereift; beeinflusst von der visuellen Kraft und Bildsprache des Kinos der 30er Jahre – zum Beispiel Josef von Sternberg – sowie von der dekadenten Welt der Schönen und Reichen. Persönlich charmant, mit seinen Arbeiten oft provokant.

„Sumo“ – Newtons fotografisches Vermächtnis, bietet auf 464 Seiten einen Einblick in sein Schaffen. Angefangen bei den Modefotos der 1960er Jahre bis hin zu den Portraits Ende der 1990er Jahre. Das berühmte, an Hitchcocks „Dritten Mann“ angelehnte Modefoto, in dem das Model auf der Flucht vor einem Flugzeug ist, ist ebenso enthalten wie Arbeiten aus seinen Serien „Big Nudes“, „Naked and Dressed“ und „Domestic Nudes“.

Dazwischen immer wieder Mode-, Portrait- und Aktaufnahmen, die frei oder im Auftrag unter anderem für die Vogue, den Stern oder den Playboy entstanden sind. Kurz: „Sumo“ bietet einen Querschnitt durch das Schaffen dieses Fotografen, der sich selber nie als Künstler gesehen hatte.

„Sumo“ ist definitiv ein Bildband für alle Newton-Fans. Aber auch für Foto-Enthusiasten, die das Werk eines der bedeutendsten und einflussreichsten Fotografen des ausgehenden 20. Jahrhunderts kennenlernen wollen.

Für Newton-Kenner und diejenigen, die sich intensiver mit dem Schaffen auseinandersetzen, sind die „Spezial“-Bände wie „Pola Women“, „Big Nudes“ oder „Portraits“ interessanter, provokanter und ergiebiger, auch weil sie konzentrierter sind und wirklich die Bilder zeigen, die den Fotografen weltberühmt machten – und nicht nur eine kleine Auswahl dessen. Aber zur Abrundung des eigenen Bestandes, zum Blick über den Tellerrand hinaus, auf Arbeiten Newtons, die man sich sonst nicht ansehen würde, und zum Überblick über die stilistische Breite seines Schaffens ist die „Taschenbuch“-Ausgabe von Sumo allemal geeignet und ihren Preis wert.

[amazon 3836517302]Helmut Newton, SUMO[/amazon] revised by June Newton, Taschen Verlag 2009. Hardcover mit Buchständer, 26.7 x 37.4 cm, 464 Seiten

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