Herlinde Koelbl: Die jüdischen Porträts

Herlinde Koelbls Porträts jüdischer Persönlichkeiten sind aktuell in der Wiener Galerie WestLicht zu sehen. Sie zeigen ein bedeutendes Stück Zeitgeschichte.

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Herlinde Koelbl: Simon Wiesenthal

Herlinde Koelbls porträtierte deutschsprachige, jüdische Persönlichkeiten, die der Verfolgung im Dritten Reich entkommen waren, in den Jahren 1986 bis 1989.

Unter ihnen befinden sich neben dem Nazi-Jäger Simon Wiesenthal unter anderem der Fotograf Alfred Eisenstaedt, der Philosoph Karl Popper, Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, Jerusalems ehemaliger Bürgermeister Teddy Kollek oder Schauspieler und Regisseur Georges Tabori.

Einige der Porträts sind auf der Webseite der Galerie WestLicht zu sehen. Viele der Abgebildeten sind inzwischen verstorben:

So der frühere österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky, die Schriftstellerin Grete Weil oder der Zukunftsforscher Robert Jungk. Die rund 35 großformatigen Originalabzüge in Verbindung mit Zitaten aus Herlinde Koelbls Interviews erinnern an ein Stück deutscher Geschichte und Kultur, das mehr und mehr in der Vergangenheit versinkt.

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Herlinde Koelbl: Alfred Eisenstaedt

Herlinde Koelbl hat die vielen verschiedenen Persönlichkeiten nicht nur fotografiert, sondern führte auch Interviews mit ihnen. Sie sprach mit ihnen über ihr Verständnis von jüdischer Tradition, Religion und Heimat, über ihre Haltung zu Israel, Deutschland und Österreich. Es entstanden sehr persönliche Erinnerungen jedes einzelnen Gesprächspartners.

Die Fotografien und Interviews veröffentlichte Koelbl in ihrem Buch „Jüdische Portraits“, das in der ersten Auflage 1989 erschienen ist. Ihre Arbeit ist heute auch als historisch aufschlussreiches Zeitdokument zu lesen, da nur wenige der Interviewten noch am Leben sind.

Herlinde Koelbl wurde 1939 in Lindau am Bodensee geboren und lebt heute in der Nähe von München. Die gelernte Modedesignerin wechselte in den 1970er Jahren als Autodidaktin zur Fotografie. Im Zentrum ihrer Arbeit steht immer der Mensch. Sie arbeitet gerne in Langzeitprojekten. So entstand in den Jahren 1991 bis 1998 ihre Studie über Politiker und Wirtschaftskapitäne unter dem Titel „Spuren der Macht“. Es zeigt die Verwandlung von Menschen in ihren verantwortungsvollen Ämtern über die Jahre, unter anderem von Gerhard Schröder und Joschka Fischer.

Herlinde Koelbl: Jüdische Porträts
Galerie WestLicht – Schauplatz für Fotografie
Westbahnstraße 40, 1070 Wien
Geöffnet Di, Mi, Fr 14-19 Uhr, Do 14-21 Uhr, Sa, So, Feiertag 11-19 Uhr, Montag geschlossen.

Wiki: Herlinde Koelbl

Galerie WestLicht

Interview des Wiener Standard mit Herlinde Koelbl über die „Jüdischen Porträts“

1 Kommentar

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  1. […] Jüdi­sche Portraits. Photo­gra­phien und Inter­views. Und genau das ist es: Zu jedem Portrait gibt es eine (bewe­gende) Geschichte, die durch das Bild der Person deut­lich erleb­barer wird. […]

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