Klaus Staeck: Der entlarvende Blick

Klaus Staeck, bekannt mit seinen politisch-satirischen Plakaten und Fotomontagen, zeigt Fotografien aus 30 Jahren. Die meisten sind entlarvende Blicke auf das Groteske im Alltag.

Klaus Staeck: Vaterland, Bitterfeld, 1991. © Klaus Staeck

Daneben hat Klaus Staeck auch seine Begegnungen mit prominenten Zeitgenossen in zahlreichen Porträts festgehalten. Die Fotos sind aktuell zusammen mit Plakaten und Drucken in Berlin zu sehen.

„Schöne Aussichten“ heißt die Ausstellung in der Berlinischen Galerie. Für wen oder was auch immer das gemeint sein mag. Bilder wie Plakate und Fotomontagen wirken zeitlos aktuell. Mit den Banken und ihrem Geschäftsgebahren zum Beispiel beschäftigte sich Staeck jedenfalls schon lange vor dieser Finanzkrise und bleibt auf der Höhe der Zeit.

Bankensicherungsschirm, 1994. Match Marbella, 1988. Egon Bahr, 2003,  A. R. Penck, 1991Sein fotografisches Werk zielt auf die Entlarvung dessen, worüber man sonst achtlos hinwegschaut. Hier spielt wie bei den satirischen Plakaten häufig Text eine zentrale Rolle, in Gestalt von Schildern, Werbung, Hinweisen, deren Inhalt im Kontrast zu ihrer Umgebung oder zu ihrem Erhaltungszustand stehen.
Besonders deutlich wird dies etwa bei den Fotos aus Bitterfeld, Klaus Staecks Jugendheimat. Sie entstanden zwischen 1980 und 1991, und die Parolen von DDR-Reklame und politischen Losungen wird durch die traurige Heruntergekommenheit ihres Erscheinungsbildes ad absurdum geführt.
Aber nicht nur dort: In der gesamten Bundesrepublik, auch und gerade in der bunten Konsumwelt des Westens, hat Staeck in den drei Jahrzehnten seit den Siebzigerjahren laufend Motive gesammelt, in denen sich die alltägliche Groteske selbst vorführt.

Eine eigene Gruppe, jedoch ebenfalls nicht ganz frei vom satirischen Blick, bilden Staecks Porträtfotografien. Die hat er ebenfalls seit den Siebzigerjahren bei Begegnungen mit prominenten Zeitgenossen des kulturellen öffentlichen Lebens aufgenommen. Mit dabei unter anderem Joseph Beuys, George Tabori, Heiner Müller, Egon Bahr, A.R. Penck, Nam June Paik oder Senta Berger. In der Gesamtschau ergänzen diese persönlichen Aufnahmen idie kämpferische, polemische Politkunst des heutigen, erst Anfang Mai wiedergewählten Präsidenten der Berliner Akademie der Künste.

Schöne Aussichten, 2009. Deutsche Arbeiter, 1972. German Bankers Club, 1997. Casinokapitalismus, 2009.

Klaus Staeck, Jahrgang 1939, siedelte mit 18 Jahren aus Bitterfeld nach Heidelberg über und studierte dort Jura. Zur Kunst kam er als Autodidakt. Heute umfasst sein Werk rund 300 Plakate und zahlreiche Fotos, die in über 3000 Ausstellungen präsentiert wurden.

Bekannt ist Staeck seit 30 Jahren durch seine satirische Auseinandersetzung mit der Politik. Die Fotos aus diesen 30 Jahren sind als Buch in der Edition Staeck erschienen unter dem Titel „Frohe Zukunft“ (24 Euro). Der Mann macht alles selber – Online-Shop der Edition Staeck über Klaus Staecks Website.

Klaus Staeck – Gute Aussichten
Bis 31. August
Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur,
Alte Jakobstraße 124 – 128, D-10969 Berlin
+49( 0)30-789 02-600, bg@berlinischegalerie.de
Geöffnet täglich außer Dienstag 10 – 18 Uhr

Klaus Staeck
Berlinische Galerie

2 Kommentare
  1. Sofie Dittmann
    Sofie Dittmann sagte:

    Ich bin ein großer Fan und wäre jetzt gerne in Berlin, um mir die Ausstellung anzuschauen. :)

    Interessant ist auch, daß man den Mann mit mehr Prozessen überzogen hat, als ich zählen kann, weil seine Plakate allen möglichen Leuten unbequem waren („Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“ mit Würstchen in Bananenschale, wenn ich mich recht erinnere, ist mir noch heute gut in Erinnerung). Seine Juraausbildung war aber wohl recht nützlich, denn er hat sie alle gewonnen.

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