Leserfoto – Alte Anschlagtafel: Was ist die Geschichte?

Gute Fotos bieten dem Betrachter etwas, das ihn zum Nachdenken anregt.

(c) Dirk Altehoefer

Diese alte Anschlagtafel war in einem kleinen Dorf (ca. 400 Einwohner). Im Frühjahr 2012 wurde diese abmontiert, die Wand renoviert und das war es.
Mich interessiert seit langem den Wandel in den Dörfer in Bildern festzuhalten.
Meiner Meinung nach geht mit jeder Tafel oder Gebäude oder Berufsstand ein Teil einer Gesellschaft verloren.
Ist die Darstellung in einer Serie aussagekräftiger?
Daten:
Canon EOS 40D, Tokina 4.0/12-24, RAW Modus, Stativ

Auch, wenn sich Fotos in einer Serie befinden, sollten sie alleine für sich stehen können. Dazu genügt nicht, daß Du mir sagst, was Du mit dem Bild bezweckt hast, denn möglicherweise läuft es mir außerhalb dieses Kontextes über den Weg, und ohne Deine Erklärung. Diese ist aber hilfreich im Rahmen einer Bildkritik wie im vorliegenden Fall, denn sie ermöglicht mir, der Kritisierenden, Dir zu erklären, ob Du Dein Ziel mit Deiner Aufnahme erreicht hast.

Hättest Du mir nicht gesagt, was ich hier sehe oder warum Du dieses Motiv fotografiert hast, es wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Ich sehe hier eine Hauswand im Winter, auf der sich ein Objekt befindet, das auch eine Abdeckung für etwas sein könnte. Das Objekt ist fast mittig im Foto angeordnet. Die blassen Farben und die Abwesenheit von Menschen oder Tieren bei Schneetreiben geben der Szene etwas Tristes.

Im Sinne dessen, was Du abbilden wolltest, hat die Aufnahme ihr Ziel für mich also verfehlt. Ich sehe weder den Zusammenhang mit der Wandlung alter Dörfer (diese Wand könnte sich an einem Depot auf dem Gelände eines Großstadtbahnhofs befinden), noch die Anschlagtafel selbst. Wäre da noch ein Poster in Resten vorhanden, wäre der Kontext eher gegeben.

Das Foto hat dennoch für mich seinen Reiz, und zwar wegen der Linien und Flächen, die Du abgebildet hast. Ich könnte es mir gut in kontrastreichem Schwarz-weiß vorstellen. Es regt zum Nachdenken an – was ist das für ein Gebäude, um was für ein Objekt handelt es sich an dieser Wand, warum sind hier keine Menschen usw.

Was Deine (geplante) Serie angeht, würde ich eine Art Schlachtplan entwerfen, wie es David Hurn einmal angesprochen hat: mach Dir eine Liste von Fotos, die für Dich das Thema wiedergeben, und behalte diese im Hinterkopf, wenn Du fotografieren gehst. Je mehr Du darüber nachdenkst, je länger Du Dich damit beschäftigst, desto besser werden die Bilder.

2 Kommentare
  1. Erica di Motta
    Erica di Motta sagte:

    Hallo Dirk,
    Serie, immer gut als Themenrahmen. Ich möchte vielleicht versuchen meine Idee dazu zu verbalisieren: Geht es dir mehr um die Anschlagbilder, dann würde ich versuchen Bilder und Texte hervorzuheben, (alte Schrift und Farben sind ja interessant) oder geht es dir um den Charakter des Platzes des Dorfes?
    Dann würde ich mehr vom Gebäude bzw. dem Umfeld mit auf das Foto nehmen.
    Allzeit gut Licht!

    Antworten
  2. Dirk Altehoefer
    Dirk Altehoefer sagte:

    Hallo Sofie,
    herzlichen Dank für den guten Hinweis bzw. den „Schlachtplan“. Ich werde diesen im Hinterkopf abspeichern.

    Gruss Dirk

    Antworten

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