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Sofie Dittmann

Momentaufnahme: Siesta in Cuba

28. Januar 2016/8 Kommentare/in Ansehen, Schnappschuss, Urlaub/von Sofie Dittmann

Ein Schnappschuß, der eine Geschichte erzählt.

NIKON D4S - 1/200s f/7.1 - 170 mm - ISO 800 - (c) Adelheid Maria Prünte

NIKON D4S – 1/200s f/7.1 – 170 mm – ISO 800 – (c) Adelheid Maria Prünte

Adelheid Maria Prünte aus Menden schreibt zu diesem Bild:

Ende November, Anfang Dezember war ich für 15 Tage in Cuba. Begeistert kam ich zurück. Am besten wird man in Havanna mit dem Fahrradtaxi befördert. Es war Mittagszeit und der Fahrer legte eine Pause ein. Gerade in dem Moment als ich den Auslöser betätigte, stieß er den Rauch seiner Zigarre aus. Für mich bedeutet das Foto,…. Cuba wie es leibt und lebt.

Zu sehen ist hier ein Mann, der auf etwas Autositzähnlichem ausruht, von der Kamera abgewandt. Der Rahmen darum herum, wie auch seine Armlehne, lassen erraten, daß es sich um irgend eine Art Fortbewegungsmittel handeln muß. Er ist eher dunkelhäutig und sieht von dieser Perspektive fast asiatisch aus, also hätte ich den Ort nicht unbedingt erraten können. Der verschwommene Hintergrund läßt eine Tür erraten. Sowohl die Tür, als auch das Haus, zu dem sie gehört, scheinen älter zu sein, etwas abgeliebt, aber ehemals nobel – man sieht es an den angedeuteten Schnitzereien. Der Mann raucht selbstvergessen, er macht vielleicht eine Pause. Der Vordergrund ist kräftig eingefärbt und hebt sich gut vom blassen Hintergrund ab.

Soviel zu dem, was man sieht.

Im besten Fall erzählen Fotos Geschichten, und das war der Grund, warum ich Deinen Schnappschuß ausgewählt habe. Eigentlich sind mir Bilder dieser Art verpönt, und zwar aus einem bestimmten Grund: der Mann hat ganz klar nicht gemerkt, daß er fotografiert wurde, und Du hast ihn mit Sicherheit nicht um seine Erlaubnis gebeten. In diesen Fällen ist das „Modell“ gerne, wie hier, von hinten abgebildet. Daß er Euch für Geld durch die Gegend kutschiert hat, ist egal. Allerdings wäre dann der Augenblick weg gewesen. Es ist immer das gleiche Dilemma: vorher fragen und Motiv zerstören, oder fotografieren und VIELLEICHT hinterher um Erlaubnis bitten. Steve McCurry, der für den National Geographic fotografiert, nennt es „the unguarded moment“ – den sorglosen Augenblick.

Die EXIF-Daten bestätigen das eher: Deine Brennweite war 170 mm auf einer hochwertigen Kamera. Du hast das Bild aus der Hüfte heraus gemacht. Ich nehme auch an, es war im Vollprogrammmodus oder zumindest auto-ISO, denn 800 finde ich hier ziemlich viel. Allerdings ist durch die Kombination der Brennweite mit der Blende der Mann gut freigestellt worden.

Was hier das Bild schlußendlich macht, ist nicht so sehr der Rikschafahrer. Es ist tatsächlich der Rauch, den er gerade ausstößt. Er ist relaxt, im Hier und Jetzt, er macht Pause, und der Rauch verdeutlicht das sehr gut. Kompositorisch ist nichts hinzuzufügen: ein meines Erachtens rundum gelungenes Bild.

Ob das Foto für Dich Kuba bedeutet oder mir nicht verrät, wo es aufgenommen wurde, ist fast egal – es ist trotzdem ein guter Schnappschuß. Allerdings würde ich das nächste Mal zumindest hinterher sicherstellen, daß das Subjekt seine Einwilligung zum Bild gibt, egal, wo es gemacht wurde.

NACHTRAG: Nachdem unser Leser Stefan Jeschke mich darauf aufmerksam gemacht hat, hier noch eine Bemerkung zu dem Aufkleber auf dem Sitz – er ist das „I-Tüpfelchen“ hier, und deshalb hätte ich ihn auf jeden Fall erwähnen sollen. „Time Flies“ – also „die Zeit fliegt dahin“, und der Mann sitzt da, als hätte er alle Zeit der Welt. Das zusammen mit dem Zigarettenrauch vermittelt dem Betrachter auch etwas von seiner Lebenseinstellung, und es bildet einen etwas ironischen Kontrapunkt.

Schlagworte: Fahrradtaxi, Kuba, Rikscha, Schnappschuss
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https://static.fokussiert.com/1453800815/1.jpg 667 1000 Sofie Dittmann https://static.fokussiert.com/20151121174132/fokussiert-logo-schriftzug-klein-fok-300x62.png Sofie Dittmann2016-01-28 04:02:562016-02-02 15:37:36Momentaufnahme: Siesta in Cuba
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8 Kommentare
  1. Tilman
    Tilman sagte:
    30. Januar 2016 um 12:10

    Ein wirklich tolles Foto, Adelheid. Für mich stimmt hier alles!

    Zu dem „Recht am eigenen Bild“ : das Darstellen eines Fotos auf dem Internet, auch wenn es nur für Freunde gedacht ist, oder wie hier für eine Besprechung, ist eine Veröffentlichung. Da wird meiner Meinung nach eine Rechtsprechung angewandt, die diesem neuen Medium nicht gerecht wird. Ein typisch deutsches Problem, die Abmahn-Industrie freut sich…

  2. Adelheid Prünte
    Adelheid Prünte sagte:
    29. Januar 2016 um 17:22

    Hoffentlich nicht!!!!

  3. Jörg Fietkau
    Jörg Fietkau sagte:
    29. Januar 2016 um 09:16

    Hallo,
    erstmal auch von mir Gratulation zu einer Gelungenen Aufnahme. Auch mir ist der Aufkleber gleich aufgefallen noch eher als der Rauch und finde das Spiel mit der Zeit Super. Zur Unbemerkten Aufnahme ist meine Meinung das es oft erst den Reiz ausmacht. Ob der Mann gefragt wurde weiß ich nicht aber ich Handle hier immer nach dem Motto: Das was Ihr von euren Mitmenschen erwartet, tue Ihnen auch. Heißt für mich ich frage eben hinterher, oder Veröffentliche das Bild nicht. Habe damit gute Erfahrungen gemacht. Meist gefällt das Bild und die Leuten und Sie sind einverstanden. Ausserdem komme ich so manchmal auch in Gute und unerwartete Gespräche… Fotografie ist für mich auch immer etwas Kommunikatives, und wenn nicht so wie…

    • Adelheid Prünte
      Adelheid Prünte sagte:
      29. Januar 2016 um 11:13

      Zuerst einmal ein „Danke schön“, dass das Bild zur Kritik ausgewählt wurde.
      Grundsätzlich frage ich vorher die betreffende Person um ihre Erlaubnis oder hole mir im Nachhinein ihre Einwilligung, indem ich das Foto zeige, was hier der Fall war. Außerdem herrschen in Cuba paradiesische Fotografierverhältnisse. Die Menschen freuen sich, wenn sie abgelichtet werden. Ich war privat mit spanisch sprechender Begleitung unterwegs, so dass wir auch immer wieder ins Gespräch kamen. Ein Beispiel: Ich fotografierte einen Gemüsekarren, woraufhin der Besitzer klagte, warum er nicht abgelichtet würde. Als ich es dann machte, meinte er: nun reise wenigstens sein Bild mit nach Deutschland. Ich kann die Erfahrungen von Jörg Fietkau voll unterstreichen. Durch das Fotografieren habe ich nicht nur interessante Menschen kennengelernt, sondern bin auch an Orte gekommen, die mir ohne diesen Kontakt verschlossen geblieben wären.
      ISO 800 ist für mich bei langen Brennweiten ein Muss, damit ich auch mit meiner Belichtungszeit klar komme. Auf die technische Qualität des Bildes hat diese Einstellung keinerlei erkennbaren Einfluss. ISO Automatik ist für mich tabu.

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:
      29. Januar 2016 um 14:22

      Ja, manchmal liegt man dann komplett falsch – Gottseidank war das kein Verriß, sonst müßte ich mich ducken, bevor die Kugeln anfangen zu fliegen. ICH persönlich sehe das mit dem Fragen so, wie es in den USA gehandhabt wird: wenn es an einem nicht-privaten Ort ist, wo Du nicht erwarten kannst, Privatsphäre zu haben, kannst Du fotografieren, wen Du willst, und das ohne Erlaubnis. Sonst wäre Street ja auch absolut nicht möglich. Dein Bild gefällt mir so gut – wenn Du noch mehr von der Qualität hast, sollte man das als Fotobuch publizieren.

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:
      29. Januar 2016 um 14:24

      PS. ICH werde von den USA aus so nicht nach Kuba kommen, solange die sich weiterhin blöd anstellen – außer, ich reise über ein Drittland ein. Was man wohl bald machen sollte, denn jetzt, wo sie von Amerika aus das Embargo lockern, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Insel in ein zweites, kotzlangweiliges Puerto Rico verwandelt.

  4. Stefan Jeschke
    Stefan Jeschke sagte:
    28. Januar 2016 um 13:38

    Für mich macht den gesamten Witz des Bildes eigentlich der Aufkleber mit dem Erfrischungsgetraenk mit der Aufschrift „time flies“ aus. Diesen kann man nun als Kontrast oder als Verstaerkung der Szene betrachten, ist aber auf alle Faelle der Rede in einer Besprechung wert. Seine Position quasi „im Kopf“ des Protagonisten hier auch sehr passend.
    @Erlaubnis: dass hier nicht nacher um Erlaubnis fuer das Foto gefragt wurde, ist hier (r)eine Unterstellung. Fuer mich ist „hinterher fragen“ (und ggf loeschen!) letztlich ehrlicher als so eine Szene nachzustellen (was zum Glueck auch nur mit Schauspielern funktionieren wuerde, sonst gaebe es sowas wie Autentizitaet ja gar nicht mehr). Natuerlich ist das meine ganz persoenliche Meinung.

    Viele Gruesse,
    Stefan

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:
      28. Januar 2016 um 13:40

      Du hast Recht, auf den Aufkleber hätte ich noch eingehen sollen. Was die Unterstellung angeht: natürlich ist es das. Meistens habe ich jedoch recht. :)

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