Nachtaufnahme: Nepomuk in Komplementärfarben

Farben, Licht und Formen – darum dreht sich alles in der Fotografie. Das kann man bisweilen auch wörtlich nehmen.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ulrich Berens).

Kommentar des Fotografen:

Als wegen einer Shopping-Nacht die Altstadt von Donauwörth illuminiert wurde, bin ich mit Kamera und Stativ losgezogen. Das Bild zeigt die Statue des Hl. Nepomuk („Brückenheiliger“) vor einem Teil des sog. „Rieder Tores“, eines alten Stadttores. Auf der Brücke vor dem Tor schoben sich Menschenmassen, ich habe aber trotzdem am Brückenrand mein Stativ aufgebaut und einen Ausschnitt gewählt, der die Menschen um mich herum ganz ausblendete. Mich faszinierte das Licht, das gerade im Moment der Aufnahme in ein leuchtendes Blau wechselte.

Dieses Blau korrespondiert für mich schön mit dem warmen Licht der zwei Fenster oben. Die Linien des Gebäudes im Hintergrund erscheinen fremd, geben aber dem Bild ein wenig Dynamik. Ich wollte die „Romantik“ des Augenblicks festhalten, ein wenig Sehnsucht nach „der guten alten Zeit“ schwingt da mit. Ich habe das Bild links etwas beschnitten (da war mir zuviel Schwarz) und die Farbsättigung etwas angehoben. Nicht ganz glücklich bin ich mit der Position der Figur, aber ich hatte im Wortsinn keinen Spielraum für eine andere Aufnahmeposition. Oben im Bild habe ich leichtes Rauschen entdeckt, ich habs mal drin gelassen, obwohl ich mit nicht ganz erklären kann, woher es kommt.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Ulrich Berens:

Ein hellblaues Gebäude mit rundem Erker ragt in diesem Bild vor dem Betrachter auf. In der obersten Hälfte sind zwei Fenster in warmen Rottönen hell erleuchtet, die sich stark von der blauen, im Verlauf von weissen Linien akzentuierten Fassade abheben. Davor steht, vom Widerschein der Fassade nur leicht bläulich beleuchtet, eine stilisierte Steinstatue.

Die Fotografie zieht die Blicke im ersten Sekundenbruchteil durch den Farbkontrast der direkt komplementären Blau- und Rottöne auf sich. Ebenso einfach und damit grafisch wirksam sorgen die Querlinien auf dem Gebäude für Spannung. Das Dreieck, das die beiden Fenster und der Nepomuk im Vordergrund bilden, sorgt für eine klare Blickführung und gibt trotz der minimalistischen Grundstruktur des grafisch anmutenden Bildes einiges zu entdecken: Die Gesichtszüge der Figur im Vordergrund, die Hoffnung auf „Action“ hinter den beiden Fenstern. Der beinahe quadratische Schnitt funktioniert hier recht gut, die Position des Nepomuk halte ich nicht für ein Problem.

Deine Assoziation von Sehnsucht nach der guten alten Zeit kann ich indes nicht ganz nachvollziehen. Auf mich wirken Motiv und Bildaufbau sehr modern und minimalistisch (auch wegen des stilisierten Nepomuk).

Dies ist kein Erzähl- und kein Story-Bild, es will nicht zur minutenlangen Entdeckung verführen – es nimmt den Blick vielmehr durch seine einfache, klare und fast schon unerklärlich anziehende Ausstrahlung gefangen. Selbst die Kontraste sind von grafischer Simplizität: Direkte Komplementärfarben, drinnen und draussen, vorne und hinten – viel mehr gibt es nicht in diesem Bild, aber das macht es fassbar und plastisch.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare
  1. anonym
    anonym sagte:

    Sorry, obwohl ich die Farbe „blau“ sehr liebe, ist sie für mich auf dem Foto in unangenehmer Form viel zu dominierend. Das dürfte wohl an der Härte der Farbe liegen, mit einem anderen Filter würde man sicherlich ein besseres Ergebnis erzielen.

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