Nathalie Mohadjer: Blut + Honig bedeutet Balkan

Nathalie Mohadjer fotografiert in Bosnien-Herzegowina die aktuelle Wirklichkeit immer noch bestehender Flüchtlingslager aus vergangenen Kriegen.

Nathalie Mohadjer: Flüchtlingslager Prisca, Bosnien-Herzegowina 2005

Nathalie Mohadjers aktuelle Arbeit aus Bosnien-Herzegowina stammt aus dem letzten Jahr und zeigt entwurzelte Kinder, inzwischen herangewachsen, in Waisenhäusern und Flüchtlingslagern. Die Serie heißt sehr vielsagend „Past Presents Future“ – Vergangenheit, Gegenwärtigkeiten und Zukunft. Diese Serie präsentiert die Fotografin Mohadjer auf einer eigenen, sehr sehenswerten Website. Sie schreibt:

„Die Folgen des dreieinhalbjährigen Krieges zwischen Bosnien und Serbien, der 1995 beendet wurde, wirken sich immer noch stark auf die Gesellschaft aus und werden noch über Generationen nachwirken.
Von dieser Entwicklung sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene am stärksten betroffen. Die Jugendlichen sind geprägt von Perspektivlosigkeit, Identitätsverlust, Verlust des Vertrauens in das soziale Umfeld und in ihre Mitmenschen. Es herrschen Armut und Hilflosigkeit.“

Nathalie Mohadjer: Erschossener Hund

Zur Serie „Blut + Honig“ schreibt Nathalie Mohadjer:

„Nahe der Stadt Tuzla, im Herzen Bosniens, gibt es heute ca. 100 Flüchtlingslager. Durch die Freie Hilfsorganisation (NGO) Snaga }ene war es möglich, die Flüchtlingslager Grab Potog, Jejevac und Karaula für vier Wochen im November 2004 zu besuchen.
Die Flüchtlinge dieser drei Camps leben seit Mitte 1995 dort und kommen ursprünglich aus der Region um Srebrenica. Früher waren sie alle hart arbeitende Bauern, die sich selbst versorgten, heute sind sie auf Lebensmittel als Spenden angewiesen. Die Lager sind von der Gesellschaft Bosniens isoliert, da sie mitten im Wald und zwischen den Gebirgen liegen. Ein hohes Gewaltpotenzial und Drogen beeinflussen das Alltagsgeschehen. Die Frustration der Lebenssituation und der Armut ist sehr hoch, hinzu kommen die Traumata, die immer noch in ihnen schlummern und von Zeit zu Zeit an die Oberfläche treten. Es gibt viele Kinder, die ihren Ursprung nicht kennen, für sie sind die Lager Heimat.“

Nathalie Mohadjer wurde 1979 in Kassel geboren. Sie lebt und arbeitet in Paris. Nach einem Studium der Kunstgeschichte und der Philosophie an der Universität Kassel studierte sie Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität in Weimar bis zum Diplom im Jahr 2007. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der New York Times, Süddeutsche Magazin und brand eins veröffentlicht.

Nathalie Mohadjers Bildserien können wir uns auf ihrer Website anschauen. Oder, falls Ihr in der Gegend seid: die Ausstellung „Blut + Honig“ im Goethe-Institut in Lyon noch bis zum 30. Oktober.

Nathalie Mohadjer – Blut + Honig

Goethe-Institut Lyon – Goethe-Loft, 18 rue François Dauphin . 69002 Lyon
+33 (0) 4 – 72770888, info@lyon.goethe.org
Geöffnet Montag bis Freitag 14 – 18.30 Uhr

Goethe-Institut Lyon
Nathalie Mohadjer
Past Presents Future

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