Neue Linsentypen von Olympus Mini-Superzooms – das steckt drin

Wie schafft man 20fache Zoomfaktoren ohne massive Bildfehler in einer Kamera wie der Olympus SP-570 UZ? Der Hersteller ließ sich nun etwas in die Linsen gucken.

Olympus Neue Linsen Elemente
ED(A), DSA und (S)HR, so lauten die Kürzel der neuen Olympus-Linsentypen, hier im Objektiv der µ 1020 (Bild: Olympus)

Schon 2002 gab es mit der Minolta 7Hi eine Kompaktkamera mit einem Superzoom von 28 bis 200 mm Kleinbildäquivalent. Doch hatte dieses Objektiv zwar endlich einen ausreichenden Weitwinkel und einen für die Fotopraxis absolut ausreichenden Zoomfaktor, doch auch sichtbare chromatische Aberrationen und eine massive Tonnenverzerung in Weitwinkelstellung. Inzwischen gibt es bessere Lösungen.

Zwar kann man Tonnenverzerrungen elektronisch beheben – mit Freeware wie Radcor oder PTLens, auch als Photoshop-Plugin. Wirklich Freude macht das jedoch nicht, da jede Nachbearbeitung eines JPG dessen Qualität reduziert und die Korrekturprogramme normalerweise nicht mit den herstellerspezifischen RAW-Formaten umgehen können.

Olympus DSA Linse
Das DSA- (Dual Super Aspherical) Linsenelement ist im Zentrum dünner als am Rand – es erinnert in der Form an ein rotes Blutkörperchen. Es verbindet einen besonders hohen Brechungsindex mit der Fähigkeit, Aberrationen auszugleichen. Bislang waren hierzu mehrere Linsen erforderlich. (Bild: Olympus)

Ziel eines Objektiventwicklers ist es, mit möglichst wenigen Linsen auszukommen, da jede Linse auch bei bester Vergütung (Entspiegelung) zu Verlusten führt. Deshalb werden neue Glassorten eingeführt, deren Eigenschaften sich so von den bereits bekannten Glassorten unterscheiden, daß entweder die Fehler der bisherigen Linsen ausgeglichen werden oder zumindest mit dünneren Linsen (und damit weniger Gewicht und Verzerrungen) auszukommen ist.

SHA Linsenelement Olympus
Das SHR- (Super High Refractive index lens)-Linsenelement ist besondes dünn und lichtbrechend. Es zeigt auf der gesamten Oberfläche denselben Lichtbrechungsfaktor und soll so für hohe Schärfe bis an die Bildränder sorgen (Bild: Olympus)

Olympus verbaut in seine Objektive schon seit Jahren sogenannte ED-Elemente. Dabei handelt es sich um Extra-low Dispersion-Glas, das zwar weniger stark das Licht bricht, aber mögliche Farbsäume reduziert. ED-Elemente funktionieren also in Kombination mit Normal-Linsen.

Neu hinzugekommen sind nun SHR-, DSA- und EDA-Linsen. Diese finden sich allerdings zuerst nicht etwa in den großen Spiegelreflex-Objektiven des E-Systems, sondern in den neuen Kompaktkameras: Der µ 1010, der µ 1020, der µ 1030 SW und der SP-570 UZ.

EDA Linsenelement Olympus
Bei der EDA (Extra-low Dispersion Aspherical lens) dient ED-Glas dazu, chromatische Aberrationen zu minimieren (Bild: Olympus)

Das Hauptproblem war dabei nicht etwa, diese neuen Linsentypen zu entwickeln, sondern sie herzustellen. So galt die Produktion von asphärischen Oberflächen durch Formungsverfahren auf ED-Linsen bislang als unmöglich, da deren Oberfläche extrem empfindlich ist und das Glas während der Verarbeitung leicht bricht. Olympus hat nun nach eigener Aussage eine Kühlungsmethode entwickelt, die verhindert, dass die Linse beim graduellen Abkühlen nach der Herstellung durch einen Temperaturschock bricht. Ebenso konnte die Ultraschallreinigung die Oberflächen von ED-Linsen beschädigen – auch hier wurde ein neues, schonenderes Verfahren entwickelt.

Ist die Linse einmal erfolgreich hergestellt und ins Objektiv verbaut, so scheint es keine derartigen Probleme mehr zu geben. Fallenlassen sollte man die Kamera natürlich nicht.

1030 SW Linsensystem Olympus
Linsensystem der µ 1030 SW (Bild: Olympus)

 

2 Kommentare
  1. Glasdildos
    Glasdildos sagte:

    Olympus verbaut in seine Objektive schon seit Jahren sogenannte ED-Elemente. Dabei handelt es sich um Extra-low Dispersion-Glas, das zwar weniger stark das Licht bricht, aber mögliche Farbsäume reduziert. ED-Elemente funktionieren also in Kombination mit Normal-Linsen.

    Gute Arbeit!

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  1. […] Super- und Mega-Zooms, die Brennweitenbereiche bis zu 1:20 abdecken, findet man bislang nur an Kompaktkameras. Für Profi-DSLRs ist ihre Bildqualität und Lichtstärke zu schwach. […]

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