Robert Capa, Julian Röder: Eine Gegenüberstellung

Es ist eine spannende Gegenüberstellung: Julian Röders Bilder heutiger gesellschaftlicher Konflikte sind zusammen mit Robert Capas klassischen Kriegsfotografien zu sehen.

Julian Röder, Genoa, 2001, Aus der Serie The Summits, 2001 - 2008, C-Print, 210 x 140 cmJulian Röder wurde bekannt mit seinen Bildern von den gewaltsamen Auseinandersetzungen beim G8-Gipfel in Genua. Was verbindet, was trennt den zeitgenössischen Fotografen vom Klassiker Robert Capa?

Die Kunsthalle Erfurt will mit ihrem Doppelausstellungsformat „CC – Classic Contemporary“ Fotografiegeschichte in die Gegenwart hinein fortschreiben, reflektieren, hinterfragen, auch verwerfen und für den heutigen Ausstellungsbesucher anschaulich machen. Will heißen: Nicht nur die „Jungen“ müssen sich in diesem visuellen Dialog stellen, auch die „Alten“ müssen sich in Frage stellen lassen.

Bei Julian Röder und Robert Capa sind die thematischen Schwerpunkte wie „gesellschaftspolitische Transformationsprozesse“, „ökonomische Interessen und Machtstrukturen“ und „Konflikt und Krieg“ der Ansatz für die Zusammenschau der beiden Fotografen und ihrer Arbeiten.

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Julia Röder (Jahrgang 1981) interessiert sich besonders für historisch-politisch bedingte gesellschaftliche Veränderungen und Umwälzungen und deren deren sichtbaren Ausdruck im realen Leben. Röder wurde in Erfurt geboren und ist im deutschen Ost-West-Gegensatz groß geworden. Es scheint konsequent, dass er sich die Folgen der ökonomischen Globalisierung als sein großes Thema vorgenommen hat. Julian Röders Fotografien könnten für das stehen, was Walker Evans einst „Documentary Style“ nannte. Sie sind nicht inszeniert im klassischen Sinne. Die Verkäufer auf der Waffenmesse in der Serie World of Warfare (2011) etwa inszenieren und repräsentieren sich selbst. Aber es sind sicherlich auch keine Schnappschüsse, sondern entstehen aus Röders Konzept heraus – thematisch wie ästhetisch.

Robert Capas Arbeit erscheinen uns eher „dokumentarisch“, obwohl das auch nur ein Gerücht ist. Seine legendären Schwarzweiß-Bilder sind in direkter, auch lebensgefährlichen Nähe des Fotografen zum Bildgeschehen entstanden. Dadurch faszinieren sie – und mit ihren spektakulären Momenten. In den letzten Jahren hatten wir ja aber auch die kritische Debatte über die „embedded“ – die in die militärischen Operationen eingebetteten Kriegsreportern. Wie objektiv können sie dann noch sein? Und Capa zum Beispiel war als Fotograf Teil der Landung der Alliierten am D-Day im Juni des Jahres 1944. Wie sehr der Mitbegründer der Fotoagentur Magnum auch von der Bildästhetik seiner Zeit, der klassischen Avantgarde und deren Nähe zu Propaganda und Werbung geprägt war, verdeutlichen etwa seine Aufnahmen über das Leben der russischen und ukrainischen Landbevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg. John Steinbeck schrieb den Text zum gemeinsamen Buch „Die russische Reise“.

CC – Classic Contemporary – Robert Capa und Julian Röder
Bis 28. September
Kunsthalle Erfurt im Haus zum Roten Ochsen, Fischmarkt 7, D-99084 Erfurt
+49 (0)361 655 566 0, kunsthalle@erfurt.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Donnerstag 11-22 Uhr, Feiertag 11-18 Uhr

Julian Röder
Robert Capa bei Magnum Photos
Kunsthalle Erfurt

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