Roger Ballen: Magisch afrikanisch

Magisch afrikanisch und surreal – so lassen sich die Bildserien von Roger Ballen nur halbwegs beschreiben. Sie sind bis ins letzte Detail durchdacht.

[textad]

Roger Ballen: Predators, 2007

Der Fotograf Roger Ballen ist im Hauptberuf Geologe und lebt in Südafrika. Die Serie „Boarding House“ ist aktuell in Wiesbaden ausgestellt.

Roger Ballen erinnere einen an eine Figur aus dem absurden Theater von Samuel Beckett:

Hager sei er, von hochgeschossener Statur, schwarze Hose, weißer Strickpullover mit grobem Zopfmuster, so teilt uns die Presseinfo mit. Roger Ballen sei in seinen Bildern ein Meister der Inszenierung. Und diese Kunst für seine eigene Person ebenso geltend zu machen. Roger Ballen: „Nichts ist zufällig an dem, was ich mache. Jedes Bild ist durchdacht bis ins Detail – und jedes noch so kleine Element ist wichtig.“

Roger Ballen: Sliced 2007

Die Serie „Boarding House“ mit 67 Schwarzweiß-Aufnahmen gibt einen Einblick in die psychologischen Studien des Fotografen. „Boarding House“ steht hier für einen Ort des Kommens und Gehens – ein surreales Bühnenbild. Ballen: „Es ist schwer diesen Ort genau zu definieren, denn ich glaube, dass er so oder so ähnlich in jedem von uns steckt.“

Geboren 1950 in New York, lebt Roger Ballen schon fast 30 Jahre in Johannesburg. „Als Weißer war ich, wie meine Kollegen im Institut, lange Nutznießer der Apartheid. Obwohl ich hier einer Minderheit angehöre und quasi Ausländer bin. Allein, weil ich weiß war. Das System hat mich begünstigt. Seit der Auflösung der Apartheid studiere ich, wie sich die politische Wandlung auf mich und die Leute in meiner Umgebung auswirkt. Viele Aufnahmen sind entstanden bei den Angestellten des Institutes, in dem ich arbeite. Ich fülle einen Sack mit meinen Requisiten, klingele einfach spontan an ihrer Wohnungstür und frage, ob ich bei Ihnen im Wohnzimmer fotografieren darf?“

Roger Ballen: Fragments, 2005 Roger Ballen: Washing Line 2007

Eher ungern redet der Fotograf über seine Bilder: „Ich dringe in Zonen des Alltags der weißen Unterschicht vor, deren aktuelle Lage sich besser in Grauwerten beschreiben lässt.“ Als Geologe hat Ballen ganz Afrika bereist und dem Gestein des Kontinents Proben entnommen. Über sein Werk sagt er: „Meine Fotografien sind Reportagen über ein bestimmtes Lebensgefühl.“ Der an Diane Arbus und Joel-Peter Witkin geschulte Ballen lebt in einem Vorort von Johannesburg – Heimat des, wie er sagt, „White Trash“.

Roger Ballen: Cut Loose 2005

Wir finden die Serie „Boarding House“ auf Roger Ballens Website, ebenso seine anderen Serien, die „Shadow Chamber“ oder „Outland“ heißen. Sehenswert seine Bilder vom ländlichen Südafrika: Plateland. [amazon 0714849529]Boarding House[/amazon] ist als Buch bei Phaidon-Press erschienen, englischsprachig, ebenso die Bände [amazon 0714844667]Shadow Chamcer[/amazon] und [amazon 0714840580]Outland[/amazon]. In deutscher Sprache ist für den Herbst 2010 der Band [amazon 3866784279]Retrospektive[/amazon] geplant (Kerber Christof-Verlag).

Roger Ballen – Boarding House
Bis 28. Juli
Galerie Photonet, Taunusstraße 43, D-65183 Wiesbaden
+49 (0)611-5990701, kleinschmidt@photonet-online.de
Geöffnet Dienstag bis Freitag 10 – 18 Uhr, Samstag 13 – 16 Uhr

Roger Ballen
Galerie Photonet

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