Schattenchaos: Unkonventionell spannend

Die meisten Betrachter brauchen mehr als nur hübsche Farben und abstrakte Formen, um wirklich beeindruckt zu sein. Dies trifft vor allem zu, wenn der Inhalt dem traditionellen Kontext entgegengesetzt ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Franziska Schwade)

Kommentar der Fotografin:

Eines meiner absoluten Lieblingsbilder. Das Yenidze-Gebäude in Dresden, aufgenommen vom Elbufer gegenüber von Frauenkirche&co. Strommasten/Laternen/Menschensilhouette kommen von der großen Brücke, über die ich hinweg fotografiert habe. Ich finde die Komposition absolut toll :) Nur irgendwie hab ich das Gefühl, dass das Bild bei anderen nicht ganz so gut ankommt wie bei mir. Ich wäre also gespannt, zu hören was ihr zu dem Bild zu sagen habt!

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Franziska Schwade:

Mir gefällt dieses Foto.

Die Farben sind lebhaft, wenn auch vielleicht ein wenig zu kitschig und kalenderhaft, während die Komposition ungewöhnlich und auffallend ist. Durch einen vorteilhaften Gebrauch von negativem Raum wird unsere Aufmerksamkeit auf die wenigen abgebildeten Objekte gelenkt, die eine Silhouette vor einer orangefarbenen Wand bilden.

Ich finde, weniger schwarze Fläche am unteren Bildrand wäre besser:

aber trotz dessen und trotz der leichten Kitschigkeit fügt sich hier Gewöhnliches zu einer Art außerirdischen Landschaft zusammen.

Meiner Meinung nach gibt es drei Dinge, die dieses Foto so aussagekräftig machen:

1. dass es so stimmungsvoll und atmosphärisch ist,

2. dass durch die Isolierung einige wenige Objekte als etwas anderes interpretiert werden können, als sie in Wirklichkeit sind, und

3. durch die Unordnung, die durch die Telefonkabel erzeugt wird.

Du schreibst: „Eines meiner absoluten Lieblingsbilder. Ich finde die Komposition absolut toll. Nur irgendwie hab ich das Gefühl, dass das Bild bei anderen nicht ganz so gut ankommt wie bei mir.“

Warum also ist das so?

Die meisten Leute, die mit einem solch pittoresken Sonnenuntergang konfrontiert werden, erwarten ein simples Objekt wie ein Gebäude oder eine Brücke im Vordergrund, das die Szene vervollständigt. Hier gibt es kein Hauptobjekt, das den Sonnenuntergang ergänzt und auf das sich der Betrachter konzentrieren kann.

In meinen Augen ist das Durcheinander der Kabel ein guter Kontrast zur ansonsten gewöhnlichen Ästhetik und verleiht dem Bild Tiefe. Aber es scheint, als würde für die meisten Betrachter dieses Durcheinander die Aussage des Bildes komplizieren und dadurch die schlichte Schönheit ruinieren.

Bist Du zufrieden mit Deinem Foto, dann mach weiter so. Sollen eher andere an Deinen Fotos Gefallen finden, dann sieh Dich um nach weniger Durcheinander und finde zentrale Objekte, die die Gesamtästhetik des Bildes ergänzen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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