Stockfotografie: Vom Hobby- zum Stockfotografen

Stockfotos sind Fotografien, die „auf Vorrat“ für Publikationen jeglicher Art produziert werden. Dank Internet ist der Markt der Microstocks entstanden und gewachsen. Robert Kneschke hat sich darin seine Existenz aufgebaut und ein Buch darüber verfasst. Eine weitere Leseprobe.

Stockfoto: Menschen im Herbst des Lebens (© Robert Kneschke)

Im Jahr 1883 erschien in der Wochenzeitung „Illustrirte Zeitung“ erstmals in Deutschland ein gerastertes Foto. Damit wurden die bisher vorherrschenden Zeichnungen als Illustrationen abgelöst.

Zuerst arbeiteten die Zeitungen mit festangestellten Hausfotografen, gingen dann aber mehr zu Fotografen als freien Mitarbeitern über. Lange Zeit bestand die Stockfotografie vor allem aus Bildern, die bei Fotoaufträgen von Zeitschriften oder Firmen entstanden sind und dort keine Verwendung fanden. Diese Bilder wurden „Outtakes“ (Ausschuss) genannt:

Sie waren die „zweite Wahl“.

Der Fotograf Roberts H. Armstrong gründete 1920 eine der ersten Bildagenturen der Welt, RobertStock (www.robertstock.com), um diese „Outtakes“ gezielt zu verkaufen. Seine Agentur gibt es noch heute.

So erklärt sich, warum Stockfotos bis heute der Ruf von „minderwertigen Fotos“ anhaftet. Dabei begannen seit den 1980er Jahren immer mehr Fotografen, ausschließlich Fotos für Bildagenturen zu produzieren. Unmengen an inhabergeführten, kleinen Bildagenturen etablierten sich, meist vom Fotograf selbst gegründet und geleitet.

Anfang der 1990er Jahre wurden die ruhigen „Mom & Dad“-Geschäfte von zwei Millardären aufgescheucht. 1989 wurde vom Microsoft-Gründer Bill Gates die Bildagentur Corbis und 1993 von Mark Getty, dem Sohn des Öl-Milliardärs Paul Getty, Getty Images gegründet. Beide Firmen kauften in den Folgejahren zusammen über 40 andere Bildagenturen auf und wurden damit schnell zu den Marktführern.

Stockfotografie: Drittes Lebensalter (© Robert Kneschke)Der Wandel des Bildermarkts wurde auch durch das Internet und Digitalkameras revolutioniert. Digitalfotos sind eine Ware, die sofort über das Internet verkauft werden kann, ohne Briefe oder Pakete schicken zu müssen. Außerdem können Bildagenturen nie „ausverkauft“ sein.

Die Bildagenturen verlangten für ihre Fotos meist mehrere hundert Euro. Der kanadische Kunststudent Bruce Livingstone gründete deswegen im Mai 2000 die Webseite istockphoto.com, auf der Grafikdesigner kostenlos Fotos tauschen konnten. Um die schnell steigenden Kosten zu decken, begann iStockphoto 2001, eine Download-Gebühr von 0,25 USD zu berechnen. Die erste Microstock-Bildagentur war geboren.

Das Wort „Microstock“ setzt sich zusammen aus „Micropayment“, einem Geschäftsmodell, was mit Kleinstbeträgen arbeitet und „stock agency“, dem englischen Wort für Bildagentur. Im Gegensatz dazu etablierte sich das Wort „Macrostock“ für die tradionellen Bildagenturen, die ihre Fotos teuer verkaufen.

2006 kaufte Getty Images iStockphoto für 50 Millionen USD auf. In der Zwischenzeit begannen jedoch auch viele neue Microstock-Agenturen auf den jungen Markt zu drängen.Während die Bildpreise bei den neuen Agenturen auf 1-15 USD stiegen, begannen sie bei den Macrostock-Agenturen zu fallen.

Während früher meist Mittelformat-Kameras nötig waren, um qualitativ hochwertige Dias für Bildagenturen zu produzieren und sich nicht jeder die Film-Entwicklungen leisten konnte, war die Stockfotografie den Profi-Fotografen vorbehalten.

Digitalkameras erlauben nun aber auch Amateuren, schnell und günstig Fotos zu machen. Anfangs wollte kaum ein gelernter Fotograf seine Fotos für die geringen Microstock-Preise verkaufen und so warben die Microstock-Bildagenturen viele Hobby-Fotografen an, von denen in den letzten zehn Jahren etliche den Aufstieg zum „richtigen“ Fotografen geschafft haben, der damit sein Geld verdient.

[box width=30 align=“right“]Dies ist ein Auszug aus fokussiert.com-Autor Robert Kneschkes Buch „Stockfotografie. Geld verdienen mit eigenen Fotos“ (Affiliate-Link), erschienen in der Edition Profi-Foto beim Mitp-Verlag, 416 Seiten, broschiert, knapp 25 Euro. [/box]Bei mir war die Entwicklung ähnlich. Ich fotografierte seit 1995 als Hobby. Zehn Jahre später beschloss ich, dass ich mir die hohen Ausgaben für die Filmentwicklung wieder verdienen musste. Ich machte Abzüge meiner schönsten Berlin- und Blumen-Fotos und verkaufte sie auf Berliner Kunstmärkten.

Schnell merkte ich aber, dass im regnerischen Berlin Fotos in Passepartouts keine geeignete Ware für Märkte unter freiem Himmel sind und suchte im Internet nach anderen Verkaufsmöglichkeiten. So stieß ich auf die Bildagenturen, kaufte mir meine erste Digitalkamera – damals eine Canon EOS 20D – und begann, gezielt Fotos nach deren Bedürfnissen zu machen.

2006 meldete ich meine Firma beim Finanzamt an und seit 2007 lebe ich ausschließlich von den Fotoverkäufen meiner über 8000 Fotos, die ich in den letzten vier Jahren produziert habe.

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