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Buchrezension «Bettina Rheims»: 40 Jahre (provokative) Fotografie

Bettina Rheims verehrt oder haßt man, es gibt nichts dazwischen. Von den einen als Befreierin weiblicher Sexualität verehrt, wird sie von anderen als Ausbeuterin derselben verteufelt. Diese Zusammenstellung ihrer Werke, fast vier Jahrzehnte umfassend, läßt auch den uninitiierten Betrachter seine eigene Meinung bilden.

(c) Bettina Rheims/Taschen

Das Buchcover © Bettina Rheims/Taschen

Level: Alle
Genre: Fotobuch
Benutzbarkeit*: 8
Preislevel**: €€€
Eine Best-of-Retrospektive der Fotografin Bettina Rheims, von ihr selbst ausgewählt.
* 1 – eher nicht, 5 – geht so, 10 – super
** € (sehr billig) bis €€€€€ (überteuert)

«Die Männer beteuern immer, sie lieben die innere Schönheit einer Frau – komischerweise gucken sie aber ganz woanders hin.» (Marlene Dietrich)

Bettina Rheims“ blickt auf fast 40 Jahre ihres Schaffens zurück, und auf eine genauso lange Liste von Meinungen über ihre Bilder, die weit auseinandergehen. Sie hat in dieser Zeit viele bekannte und unbekannte Menschen, davon mehr Frauen als Männer, fotografiert, und die Werkschau (Affiliate-Link) enthält ihre persönliche Auswahl dessen, was sie als das beste ihrer Karriere ansieht. Hier und da unterbrochen von kurzen Texten in drei Sprachen (englisch, französisch, deutsch), die entweder begleitend die Bilder selbst oder Rheims‘ Werk im allgemeinen kommentieren, geben die über 500 Fotos einen vertieften Einblick in die Seele einer Künstlerin, die seit den späten Siebziger Jahren der Gesellschaft wenn nicht den Spiegel, so doch das Fernglas des Voyeurs vorhält. Weiterlesen

Imogen Cunningham: Immer Fotografin

Vor über hundert Jahren sorgte die Studentin Imogen Cunningham für einen Skandal: Sie hatte sich selbst fotografiert, nackt liegend auf einer Wiese vor ihrer Uni.

Magnolienblüte, 1925 © Imogen Cunningham TrustGerade so unerschrocken, neugierig und offen für Experimente zeigte sich die Amerikanerin während ihrer ganzen, über siebzigjährigen Karriere. Sie blieb bis ins hohe Alter immer Fotografin.

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Gastartikel: Fotografie und Kleidung

Sie sind beinahe untrennbar miteinander verbunden: Kleidung und Fotografie. Spezielle Kleidung im Zusammenhang mit Fotografie schafft Berufe (Fotomodel), ihre Abwesenheit beim Ablichten kreiert Genre (Aktfotografie).

Wir selbst treten selbstbewusster vor der Kamera auf, wenn wir Kleidung tragen, in der wir uns wohl fühlen oder attraktiv finden. Und steht ein besonderer Anlass an, verkleiden wir uns, schlüpfen in neue Rollen. Originelle und interessante Motive verleiten Profis wie Amateure an solchen Tagen dazu, mehr Fotos zu schieβen als sonst.
Chargesheimer - Jeck, loss Jeck elans, um 1950 © Museum Ludwig, Köln
“Kleider machen Leute”
Kleidung ist viel mehr als der Stoff, der den menschlichen Körper verhüllt. Weiterlesen

Leserfoto: Frau mit wehendem Tuch

Halbnackte Frauen mit wehenden Tüchern gehören zum Standardrepertoire vieler Aktfotografen und auch in Foto-Workshops wird das Thema gerne umgesetzt. Was es zu beachten gibt, wird an diesem Bild sichtbar.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Kölsch).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist im Rahmen eines Akt-Workshops mit einem großartigen Model entstanden. Irgendwann haben wir angefangen, mit diesem Tuch zu experimentieren, das im Studio lag. Bei diesem Bild hat ein Helfer auf Kommando das hintere Ende dees Tuches in die Luft geworfen, während von rechts ein Ventilator für Bewegung des Stoffes sorgte. Leider hatte das Model etwas zu viel Spray im Haar, so dass dieses nicht ganz so toll flog. Dennoch bin ich dem Ergebnis sehr zufrieden, aber auch sehr gespannt auf Verbesserungsvorschläge.

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«Schöne Akte»: Blick in eine versunkene Welt

Der Bildband «Schöne Akte» (Das Neue Berlin) zeigt – als Nachfolgeband von «Schön nackt» – erneut Beispiele von Aktfotografie aus der DDR. Insgesamt sind 170 schwarz-weiß Aufnahmen von 24 Fotografen zu sehen, die vor allem einen Blick in eine untergegangene Welt gewähren.

«Mit Freunden über die Welt zu philosophieren, sich Geschichten zu erzählen und die Zukunft zu erträumen – das war ein Stück angenehmer, anregender Alltag in der DDR. Nacktheit war Teil des Lebensgefühls und bedeutete Freiheit, Ungezwungenheit und Selbstbestimmtheit», schreibt Herausgeber Hans-Jürgen Korn in seinem Vorwort. Und gegen Ende ergänzt er: «Aktfotografie in der DDR war kein Aufreger, sondern Anreger für Geist, Seele und Herz – erotischer Genuss, der nicht als Anzüglichkeit missverstanden wurde. Wie das Nacktbaden und der FKK-Strand gehörte sie zum ungezwungenen ostdeutschen Alltag.»

[photos title=“«Schöne Akte – Fotografien aus der DDR»“ pics=“ 2 3 4 5″]
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Mona Kuhn: Behutsame, intime Akte

Aktfotografie kann so schön, so ruhig und so intim sein – ohne jemals in die Nähe von Pornografie zu kommen. Mona Kuhn ist mit «Bordeaux Series» so ein Bildband gelungen. Ein Band, in dem die Nacktheit wieder das ist, was es immer war: das natürliche Kleid des Menschen und kein Mittel, um Skandale und Aufmerksamkeit zu provozieren.

102 Seiten hat dieser wunderbar gemachte Bildband. Schon die Aussenhülle dieses quadratischen, edlen Buches wird dem Titel gerecht: Sie fühlt sich an wie mit Stoff bespannt. Und im Inneren finden sich dann ebenso schöne, edle Aktaufnahmen, die eher Portraits denn Figurenstudien sind. Das Ergebnis ist ein sehr persönliches, feinfühliges Fotobuch mit einer sehr poetischen Bildsprache.

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Aktfotografie: Unkurvig

Aktfotografie gilt oft als Königsdisziplin der Fotografie, denn es ist schwer, den menschlichen nackten Körper vorteilhaft aussehen zu lassen, ohne dass er dabei jedoch billig, vulgär oder obszön wirkt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andreas Jacob).

Kommentar des Fotografen:

Ich habe dieses Bild mit meiner Freundin gemacht. Geplant war ein Shooting zum Thema „Kurven“. Ich hatte urprünglich etwas anderes im Kopf, aber Teilaktbilder finde ich äusserst schwierig zu machen. Aus einer ganzen Serie war ich aber mit diesem Ergebnis am ehesten zufrieden. Ich finde es jedoch noch nicht 100% ig, weiß aber nicht warum…

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Andreas Jacob:

Aktfotografie gilt oft als Königsdisziplin der Fotografie, denn es ist schwer, den menschlichen nackten Körper vorteilhaft aussehen zu lassen, ohne dass er dabei jedoch billig, vulgär oder obszön wirkt.

Auch der Fotograf Andreas Jacob hat sich am menschlichen Akt versucht und musste lernen, dass es schwieriger ist als gedacht. Auf seinem Foto ist eine Hand zu sehen, die auf dem unteren Rücken, fast auf dem Po einer Frau liegt. Zumindest könnte es das sein, genau lässt sich das nicht sagen. Andreas ist mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden, und ich verstehe auch, warum:

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Herb Ritts: Nacktheit in Schwarz und Weiss

Der Amerikaner Herb Ritts hat in den 80erund 90er Jahren Akt- und Porträtfotografie in Schwarz-Weiss zu einer neuen Blüte gebracht.

Male Nude with Tumbleweed, Paradise Cove, 1986Jack Nicholson II, London, 1988 - © Herb Ritts FoundationIn den 1980er und 1990er Jahren gab es eine Handvoll von Fotografen, die den Gebrauch von Schwarz-Weiß in der Fotografie zusammen mit einer klassischen Bildsprache wiederbelebten und die die ästhetische Aktfotografie salonfähig machten.

Zu dieser erlesenen Schar von Fotografen zählte auch der US-Amerikaner Herb Ritts (1952 – 2002).

[photos title=“Herb Ritts: Akte und Porträts“]

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Aktfoto: Nackt unter Helmen

Auch Aktfotos brauchen eine Geschichte. Das einfache Aufstellen einer Person vor einem beliebigen Hintergrund ergibt nicht automatisch einen logischen Zusammenhang.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Bodo Viebahn).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand bei einem Shooting im Stahlwerk Brandenburg. Mir gefällt das weiche natürliche Seitenlicht, das den Körper der Frau sanft konturiert und die Verbindung mit der Helmgalerie, die erzählerische Assoziationen unterstützt. Ich bin auf Eure Meinung gespannt.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Bodo Viebahn:

Eine nackte Frau ist kein fotografischer Selbstzweck. Ich kann als Mann verstehen, warum das Genre „Aktfotografie“ zu den beliebtesten in der Fotografie gehört. Es ist unbestritten, dass es abgesehen von den technischen Herausforderungen eine lustvollere Arbeitsatmosphäre bietet als – sagen wir – die Fotografie von Industrieanlagen, wie sie das Ehepaar Becher betrieb.

Viele Männer scheinen jedoch in Anbetracht eines nackten Frauenkörpers grundlegende Aspekte der Fotografie auszublenden. Selbst wenn das Licht und die Komposition – wie hier – durchaus „der Norm entsprechen“, fehlt bei Amateuren, die sich an Aktaufnahmen versuchen, oft die Sinnlichkeit im Bild:

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Jeanloup Sieff: Bilder, die jeder kennt

Von Jeanloup Sieff stammen einige der Fotos, die (fast) jeder kennt. Zum Beispiel die Porträts von Yves Saint Laurent.

Jeanloup Sieff: Yves Saint Laurent, Paris, 1969

Zwar kennt (fast) jeder die Bilder, aber nicht (immer) den Namen des Fotografen und seine anderen Arbeiten. In München können wir uns Jeanloup Sieffs Bilder aus vier Jahrzehnten anschauen. Weiterlesen