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Mitzieh-Sportfoto:
Dreh- und Angelpunkt

Durch mitziehen der Kamera lassen sich dynamische Fotos voller Bewegungsunschärfe schiessen. Die Richtung der Ziehbewegung allerdings ist eine Knacknuss.

Motorrad-Offroad-Mitzieh Fotografie

Canon EOS 60D Aufnahmedaten: 1/40s bei Blende 6.3 mit 18mm Brennweite und ISO 3200 © Magnus Peter

Magnus Peter aus Rastatt : Ich habe die Kategorie „Schnappschuss“ gewählt, da es keine Kategorie Sport gibt. Ein Schnappschuss ist es dennoch: Aufgenommen habe ich es bei einer Offroad-Tour durch die Karpaten (Rumänien). Bei einer kurzen Pause sausten dann zwei Cross-Fahrer vorbei. Ich Kamera hoch und zum Glück den Ai-Servo noch drin. Den einen Crosser habe ich „erwischt“.
An dem Bild habe ich nichts bearbeitet außer auf eure max. Größe gebracht.

Die erste Schwierigkeit beim Mitziehen der Kamera mit einem Bewegten Objekt liegt im richtigen Tempo. Und die zweite, das richtige Detail in den Fokus zu kriegen. Weiterlesen

Dynamik-Foto:
Durch den Kanal rauschen

Dieser Urlaubs-Schnappschuss vermag auf einfache Weise das Gefühl einer Gondelfahrt in Venedigs engen Kanälen zu vermitteln. Etwas Bewegungsunschärfe macht den ganzen Unterschied.

Gondelfahrt in Venedig

Gondelfahrt in Venedig – Sony A58, 1/25s bei Blende 11 mit 18mm Brennweite und ISO 100 © Tobias Traxl

Tobias Traxl aus Lauterbach: Das Bild habe ich in Venedig aufgenommen, mit der Absicht die engen Wasserstraßen Venedigs und die, im Gegensatz zu den öffentlichen Plätzen, ruhige Atmosphäre des Wassers einzufangen. Entstanden ist es im Sommer 2016 während einer Jugendfreizeit.

Eigentlich ist in dieser Fotografie nicht arg viel zu sehen. Und trotzdem gelingt ihre Hauptaufgabe – der Transport von Emotion – erstaunlich gut: Die Betrachterin hat nicht nur das Gefühl, in einer Gondel zu sitzen, sondern auch, übers Wasser geschaukelt zu werden. Warum?

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Fotografie schärfen:
Gegen falsch gesetzten Fokus hilft’s nicht

Wenn ein Foto unscharf ist, kann man es schärfer machen? Ja und nein. Eine leichte verwackelte Aufnahme kann heute vielleicht durchaus geschärft werden. Ein falscher Fokus dagegen ist ziemlich endgültig. Und bisweilen ist das gar nicht so wichtig.

Feuer am Himmel: Wolkenfotografie von Heiko Rau

NIKON D3000 1/125s bei f4.2 mit 62mm Brennweite und ISO 250 „..and fire in the sky…“ © Heiko Rau

Heiko Rau aus Hattenhofen: Neulich abends hat sich mir am Himmel diese Szene geboten. Die tiefstehende Sonne beleuchtete isolierte Wolkenfetzen unter der dunkleren Wolkendecke, sodass ein starker Kontrast entstand. Ich habe umgehen die Kamera hervorgeholt und drauflos fotografiert. Da ein ordentlicher Wind ging, musste alles schnell gehen und ich habe nicht einmal die Einstellungen überprüft. Im Nachhinein habe ich gesehen, dass die Vollautomatik ausgewählt war.

Das Bild habe ich nachbearbeitet. Die Helligkeit habe ich weit heruntergenommen und die Sättigung leicht erhöht.

Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass das Bild – für meinen Eindruck – nur als Vorschaubild gut aussieht, spricht in recht kleiner Auflösung.

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Curling-Mitzieher:
Gesichter interessieren mehr als Steine

Bewegungsunschärfe als Stilmittel ist namentlich bei Sportfotografien beliebt. Wesentlich ist dabei, dass die Bewegung mit dem richtigen Objekt mitgeht. Das ist nicht zwingend der Ball, Puck oder Stein. Im Gegenteil.

Zwei Curling-Spieler auf dem Eis. Nikon D800 mit 210mm bei 1/8s und Blende 8, ISO400. © Guy Goetzinger

Zwei Curling-Spieler auf dem Eis. Nikon D800 mit 210mm bei 1/25s und Blende 8, ISO400. © Guy Goetzinger

Guy Goetzinger aus Dättwil: An der Curling WM in Basel versuchte ich die Bewegung ins Bild zu bringen. Dazu zog ich die Kamera mit und fixierte den ins Ziel gleitenden Stein.

Bewegung ist in diesem Bild, das ist mal gesagt. Die Dynamik funktioniert vor allem deshalb so gut, weil es Dir „nicht gelungen“ ist, mit dem Stein mitzuziehen – in der Bewegung scharf abgelichtet hast Du dagegen das Gesicht des Spielers, und das ist doch sehr viel interessanter!
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Feierabend am Pier:
Nichts steht still

Nachtfotografie ist dank Digitalkameras einfacher geworden, aber lange Belichtungszeiten sind noch immer eine Herausforderung. Hier ist die zu verbreitete Bewegungsunschärfe ein Problem.

Nachtfotografie zweier Fischer am Ufer in Myanmar

Nikon D600, f/2.8,ISO 1600, 5s, 14mm – © Reto Meier

Reto Meier aus Biel/Bienne CH: Das Bild ist auf meiner letzten Reise in Myanmar entstanden. Meine Reisekollegen und ich sind am Abend noch zum Fluss runter und sind dabei diesen Fischern begegnet. Sie sassen so still da, dass eine „Langzeitbelichtung“ möglich war. Das Licht kommt von einer Strassenlampe und einer Taschenlampe.
Bearbeitet wurde, ausser dem Anpassen der Farben, nichts.

Ein sehr stimmungsvolles, aufmerksamkeiterheischendes Bild, in dem leider fast sämtliche Teile von Bewegungsunschärfe oder Verwackelung betroffen sind: Weiterlesen

Fotografie ist die Kunst der Subtraktion:
Ablenkungen fotografisch eliminieren

Die besten Fotografien funktionieren oft aufgrund dessen, was man nicht sieht, und weniger dank dem, das man darin sieht. Es gibt vor allem drei Methoden, die störende Konkurrenz fürs Motiv schon bei der Aufnahme zu eliminieren.

Kalifornische Poppy

Golden Elegance, California Poppy, Sierra Foothills -Sony a7R II – Sony FE 90mm – f2.8 Macro – 1/200 seconds – F/4 – ISO – 3200 © Gary Hart

Fotografie ist die Kunst der Subtraktion. Angesichts einer komplexen Welt identifizieren und organisieren wir Objekte von visuellem Interesse, und versuchen, alles andere zu eliminieren. Es ist dieser letzte Punkt, dem man beim Fotografieren oft zu wenig Beachtung schenkt.

Die meisten Fotografen haben kein Problem damit, ein Motiv für ihre Aufnahme zu finden – aber viele kämpfen mit der Entscheidung, was sie auslassen sollen. Oder wie sie es weglassen sollen: Weiterlesen

Mittägliche Langzeitbelichtung:
Der Strandkorb

Mit einem «schwarzen Glas» vor dem Objektiv eine Langzeitaufnahme am heiter hellen Tag zu erzwingen: Damit hat Heino hier eine originelle Sommer-Endstimmung konzipiert.

Strandkorb am scheinbar menschenleeren Strand. Tatsächlich handelt es sich um eine Langzeitbelichtung

Strandkorb am gar nicht so menschenleeren Strand. © Heino Klinnert, ISO 100, 24 mm, f8 und 172 Sek

Heino Klinnert aus Blaustein schreibt: Das Bild entstand im letzten September auf Usedom. Entsprechend dem Titel «Ende des Sommers» war meine Idee, einen einzelnen Strandkorb vor menschenleerer Uferkulisse abzulichten. Die Farb- bzw. Lichtstimmung sollte den jahreszeitlichen und nachmittäglichen Charakter unterstützten. Da der Strand durchaus gut frequentiert war, konnte der Ansatz nur durch Einsatz von ND-Filtern gelingen. In der Kombination zweier Filter wurde die Belichtungszeit um den Faktor 60’000 verlängert. Da ich die restlichen Urlauber ausschließlich mittels der Belichtungszeit eliminieren wollte, gab einzig dies den Ausschlag für die letztlich gewählte Belichtunszeit. Förderlich empfinde ich bei Einsatz der Filter, dass durch die Bewegung der Wolken der Aspekt eines zeitlichen Ablaufes (die Zeit vergeht, während der Strandkorb einsam am Strand zurückbleibt) in das Bild Einzug hält.

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Bewegungsunschärfe:
Flirrendes Großstadtleben

Urbane Motive und Bewegungsunschärfe passen gut zusammen.

Rush Hour Bewegungsunschärfe in einem Stadtbild

Rush Hour: Bewegungsunscharfe Stadtszene © Wolfgang Everding

Unser Leser Wolfgang Everding aus Bremen hat uns das obige Bild unter dem Titel „rush hour” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu:

„Situation vor einer U_Bahnstation in Peking. Ich wollte die Bewegung der Menschen aufnehmen und habe beim Gehen mit langer Belichtunszeit mehrmals abgedrückt. Dieses Foto finde ich ist mir gut gelungen.”

Zu Ausrüstung und Aufnahmedaten liegen keine Informationen vor.

Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Streetfotografie:
Geschichten in einem Bild

Kein eindeutiges Motiv, sondern eine Szenerie: Bisweilen sind auf den ersten Blick daneben liegende Bilder die tollsten Storyteller. Dieses hier heisst «Strassenbahn» – und wirkt auch so.

straenbahn

Anika Tauwel aus Köln schreibt zu diesem Bild: Ich habe bisher noch keine sonderlich herausragende Kamera ( Panasonic DMC-TZ8), da ich gerade erst anfange, mich im Fotografieren auszuprobieren. Aus diesem Grund freue ich mich über jede Art von Anregungen.

Die erste Anregung: Verfall nicht dem Ausrüstungs-Sammel-Syndrom (ASS – okay, englisch GAS, nicht viel besser… ) , zumal Du hier grade beweist, dass man keine teure Wahnsinnskamera braucht, um faszinierende Bilder zu machen. Und jetzt der Reihe nach: Weiterlesen

„Rad rasant“:
Bewegung ins Bild gebracht

Zugegeben: Manchmal beneide ich ja die Filmer um die Möglichkeit, Bewegungen „einfach“ einfangen zu können. Aber auch die Fotografie bietet hierzu interessante Ansätze. Eine Herangehensweise wollen wir uns in der heutigen Bildbesprechung anschauen.

Canon A1, 2.8/24mm, auf Ektrachrome 100, Diaper Klebeband am Schienenbein befestigt, AV Modus, Blende 8 - (c) Dirk Althoefer

Unser Leser Dirk Altehoefer aus Wittenbach im Kanton St. Gallen hat uns das obige Bild unter dem Titel „Rad rasant” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu: „Canon A1, 2.8/24mm, auf Ektrachrome 100, Diaper Klebeband am Schienenbein befestigt, AV Modus, Blende 8, Versuch Bewegung und dennoch Durchzeichnung des Waldweges zu erkennen.”

Ich hoffe, Dirk und seine Canon haben diesen Ausflug unbeschadet überstanden. Rasant sieht diese Abfahrt tatsächlich aus. Mit etwas Klebeband hat Dirk die alte A1 in eine Vollformat-Actioncam verwandelt. Vermutlich war noch ein langer Drahtauslöser im Spiel. Schauen wir uns nun aber das Ergebnis dieses interessanten Experiments an. Weiterlesen